Spitze beim Flächenfraß

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Neben Gewerbeflächen sind es vor allem Verkehrsprojekte, die dem BN zufolge den Flächenfraß ankurbeln.

Sonthofen - Das „Bayerische Flächenspar-Forum“ will Kommunalpolitikern, Planern und Behördenmitarbeitern informieren und neben dem Erfahrungsaustausch zur Diskussion über Flächenmanagement anregen. Die vierte Auflage des zweitägigen Forums fand jetzt in Sonthofen statt.

Neben anderen Fachvorträgen informierte Thomas Frey vom Bund Naturschutz in Bayern BN über positive und negative Beipiele für Flächenverbrauch im Allgäu. 

„Verliert das Allgäu sein Gesicht?“ fragte Thomas Frey zu Beginn seiner kurzen Exkursion durch das Allgäu. Seine Frage stand vor dem Hintergrund, dass die Region offenbar Spitzenreiter in Bayern beim Flächenverbrauch ist. Diese Feststellung sei keine „Erfindung“ des BN, sondern basiere auf Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung. „Täglich werden im Allgäu rund 1,3 Hektar neu betaut“, schickte Frey seiner „Rundreise durchs Allgäu“ voraus. Kein anderer Landkreis im Freistaat habe während der zurückliegenden zwölf Jahre beim Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehrsflächen so zugelegt wie das Oberallgäu. 

Der BN führt das vor allem auf große Straßenbaumaßnahmen wie die B19 neu zurück, aber auch auf zahlreiche neue Gewerbe- und Wohngebiete. Als positives Beispiel für ein Gegensteuern führt Frey etwa Seeg im Ostallgäu an. Dort habe die Gemeinde den Beschluss gefasst, keine Flächen für Einzelhandelsobjekte zur Verfügung zu stellen, die größer als 400 Quadratmeter sind. „Das schützt vor Discountern im Ort und stützt die örtliche Einzehandelsstruktur“, sagt Frey. 

Genau das Gegenteil beobachte er aber in Dietmannsried. Hier sei am Ortsrand ein sechs Hektar großes Einzelhandelsgebiet eingerichtet worden mit der Folge: Leerständ im Ortskern und Ausdünnung des Einzelhandels im Umland. „Das macht viel kaputt“, kommentiert Frey. Auch bei Gewerbeansiedlungen gibt es laut der BN-Untersuchung zum Flächenfraß Beispiele in der Region, die Vorbildcharakter haben und andere, die der BN „mit größter Sorge“ betrachtet, wie Frey unterstreicht. Er zeigt auf die Reihe von Gewerbeansiedlungen an der A 96: „Das sprengt jede dörfliche Struktur!“ 

Anders sei man dagegen in Nesselwang vorgegangen mit einem „kompakten Gewerbegebiet in Kirchturmnähe“, so Frey. Positive sei auch der Weg der Stadt Sonthofen, mit den „Sontrapark“ ein ehemaliges Industrieobjekt neu zu strukturieren und zu beleben. Übermäßigen Appetit beim Flächenverbrauch sieht der BN nach wie vor beim Straßenbau in der Region. So sei die neue Nordumfahrung durch den Auwald der Iller bei Kempten die falsche Lösung. Stattdessen hätte man den öffentlichen Nahverkehr verbessern sollen, so Frey. 

Auf dem richtigen Weg sieht er dagegen Immenstadt mit der Stadtspange, die die jahrelang diskutierte Ortsumfahrung ersetzt. Einen Teufelskreis macht Frey generell aus: mehr Verkehr, mehr Flächenverbrauch. Frey erinnert an das Allgäubahn-Konzept, das das Illertal wie eine S-Bahn erschließe. „Aber diese Überlegungen haben damals wohl den Kampf um die B 19 neu gestört...“ Jetzt wäre es an der Zeit, das Konzept neu aufzugreifen. 

Einen Seitenhieb konnte sich nach dieser ernüchternden Bilanz die Moderatorin des Flächernspar-Forums, Christina von Seckendorff vom Umweltministerium, nicht verkneifen: „Wir sind mit dem Forum aus gutem Grund nicht nach Immenstadt gegangen.“ Sie spielte damit auf das neue Gewerbegebiet an der B19 bei Rauhenzell an. „Das widerspricht unserer Zielsetzung und Absicht.“

Josef Gutsmiedl

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