"Das Beste für die Stadt erreichen"

Alle Altersklassen waren beim Bürgerforum vertreten. Die Skater-Jugend brachte die Protestplakate ihrer „Jam-Session“ mit.

Am Ende standen sie (fast) alle im mit etwa 350 Leuten voll besetzten Haus Oberallgäu: die Besucher des Bürgerforum zur ISEK gaben dem Stadtrat die eindeutige Empfehlung, die Planungsüberlegungen, das Tannachwäldchen als Gewerbegebiet umzufunktionieren, nicht weiter zu verfolgen.

Vor der eigentlichen Diskussion wurden die Anwesenden auf den aktuellsten Stand der Planungen gebracht. Derzeit befinde sich der Stadtentwicklungsprozeß am Ende der „Phase 3“, erläuterte Dr. Susanne Wolf. In dieser Phase werde ein Strukturkonzept für die Kasernenareale erarbeitet, das dem Stadtrat am 24. Mai zur Abstimmung vorgelegt werde. Das Strukturkonzept orientiere sich am vom Stadtrat festgelegten Schwerpunkt „Wohnen und Bildung“, mit Berücksichtigung der Gewerbeentwicklung. In der vierten Phase des ISEK-Prozesses gehe es dann um die Detailplanungen für den zu erstellenden Flächennutzungsplan, der letztendlich in den Verhandlungen mit dem Bund über die Preise beim Kauf der Kasernenareale ausschlaggebend sei. Laut aktueller Flächenbedarfsermittlung, bei der knapp 1400 Unternehmen im Raum Oberallgäu befragt wurden, werden in Sonthofen in den kommenden Jahren zwischen 4,2 und 6 Hektar an Gewerbeflächen benötigt, erklärte Stefan Stark den Bürgern. Sollte der Stadtrat sich für Variante 3, die verstärkte Nutzung der Jägerkaserne als Gewerbegebiet, aussprechen, stünden dort 5,5 Hektar für Gewerbe zur Verfügung. Buh-Rufe zur Variante 2 Bei der Vorstellung der Variante 2, die die Nutzung des Tannachwäldchens als Gewerbegebiet vorsieht, kam Unruhe im Saal auf – die Bürger äußerten mit Zwischenrufen ihren Unmut über diese Planungen. „Natürlich kann die STOV als Grünanlage nicht das ersetzen, was das Tannachwäldchen heute bietet“ wandte sich Landschaftsplaner Michael Voit an die Anwesenden. Auf lange Sicht sei die Variante 2 jedoch nicht schlecht für Sonthofen. Die geographische Lage der Stadt und die bisherige Entwicklung seien denkbar ungünstig für die weitere Stadtentwicklung, zudem würden an der Ostrach im Bereich der Grüntenkaserne, auf dem Gelände der STOV und auch in der Jägerkaserne ausgedehnte Grünflächen und somit ein weitläufiges Naherholungsgebiet geschaffen. Ein Ort der Erholung Bei der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde konnten die Bürger ihre Anliegen vorbringen. Vielfach wurde die emotionale Bindung der Sonthofer, nicht nur der Anwohner, an das Tannachwäldchen angesprochen. Das Tannach sei die „grüne Lunge“ Sonthofens, außerdem Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Viele der Anwesenden äußerten ihr Unverständnis darüber, dass ein jahrzehntelang natürlich gewachsener Wald weichen soll, um an anderer Stelle künstliche Grünflächen zu schaffen. Auch der Skate-Park, der in Variante 2 ebenfalls einem Gewerbegebiet weichen müsste, wurde thematisiert: er sei ein Ort der Jugend, die sich dort sinnvoll beschäftige, etwas Vergleichbares fehle in Sonthofen. Alle bisherigen Varianten setzen nur auf Wachstum, brachte ein Bürger zur Sprache – warum gebe es kein alternatives Konzept, das angesichts knapper werdender Ressourcen stattdessen auf Qualitätssicherung setze? Eine anderer Bürger sieht in allen drei Varianten den Schwerpunkt „Wohnen und Bildung“ zu kurz gekommen, gebe es doch in den Kasernen bereits Hörsaalgebäude, die auch im Bereich Bildung genutzt werden könnten. Blick auf die ganze Stadt Das Tannachwäldchen werde, wenn überhaupt, erst ganz zum Schluss angegriffen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, versuchte Bürgermeister Hubert Buhl die Anwesenden zu beruhigen. Bei der Stadtentwicklung gehe es um die Menschen, es gehe um die ganze Stadt. Er wolle „das Beste für die Stadt erreichen.“ Alle Argumente der Bürger seien beim Stadtrat angekommen und würden für die Entscheidung berücksichtigt. Er sei erfreut über die hohe Bürgerbeteiligung bei diesem Thema, bekräftigte Buhl. Eines aber interessiere ihn noch: „Wären Sie heute alle hier, wenn das Tannachwäldchen nicht zur Diskussion gestanden hätte?“

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