Im Dialog läufts besser

Professor Wolf Schröder (links) und Klaus Dinser setzen auf ein „gutes Miteinander der Akteure, um den Zündstoff aus der Schalenwild-Problematik zu nehmen. Foto: Josef Gutsmiedl

Wo drückt der Schuh? Wo klemmt’s? Wo läuft’s? Mit solchen Fragen in die Runde der Jagdvorstände und Jagdgenossen wollte Professor Wolf Schröder die besonderen Erfahrungen von Oberallgäuer Jagdgenossenschaften sammeln und die „Stimmung vor Ort“ ausloten, sowie zu einer fairen Debatte anregen. Schröder arbeitet zur Zeit am Schalenwild-Projekt Oberallgäu, das neben einer Ist-Aufnahme der Wald-Wild-Situation im Bereich der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen auch Handlungsempfehlungen für die Jagd beinhalten wird. Sechs Referenten berichteten von ihren speziellen Erfahrungen. Nach der vierstündigen „Weiterbildung“ zeigte sich: Wo die Betroffenen und Verantwortlichen miteinander im Gespräch sind, läuft es besser.

„Zuwenig Kommunikation“ lautete eine mehrfach vorgebrachte Kritik im Stimmungsbild der rund 70 Teilnehmer der „Weiterbildung“. Jagdlich laufe es in den Revieren oft ruhig, meinte Toni Weiler aus Oberstdorf. „Aber das Waldbild steht dem entgegen.“ Viele Jagdgenossen, die letztendlich als Grund- und Waldbesitzer betroffen seien, verhielten sich zu passiv, schöpften ihre Möglichkeiten der Einflussnahme nicht aus, ergänzte Philipp Hummel aus Akams. Auf ein „gutes Miteinander von Jagdpächtern und Jagdgenossenschaften“ führt dagegen die Hälfte der Teilnehmer ihre positive Einschätzung zurück. Offenbar gute Erfahrungen mit der Eigenbewirtschaftung der Reviere bestärken diesen Eindruck. „Offenheit und Ehrlichkeit muss in allen Bereichen Maxime sein!“ appelliert Jürgen Wälder, der Geschäftsführer der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen. Jagdstrategien, Konzepte, müssten den Revieregoismus ablösen, fordert Wälder weiter. „Nur so kommen wir weiter.“ Das Kunststück, Wild, Wald und Grundbesitzer unter einen Hut zu bringen, scheint in der Gemeinschaftsjagd Bad Heilbrunn / Oberbayern in weiten Teilen gelungen. „Bei uns knirscht es schon auch ab und zu“, beschreibt Jagdpächter Anton Krinner die Lage. Jagdpächter und Jagdvorsteher - als Vertreter der Grundbesitzer - müssten sich fair und auf Augenhöhe begegnen und verlässliche Partner sein. Offene Kommunikation, „das Gespräch am Waldweg“, sei sehr wichtig, so Krinners langjährige Erfahrung als Pächter einer Jagd. Und: „Der Jagdpächter muss seine Mannschaft, die Jäger, im Griff haben.“ Eine gute Möglichkeit, die Dinge im Revier selbst im Griff zu haben, sehen die Jagdgenossen in Hinterstein bei Bad Hindelang in der Eigen- bewirtschaftung ihres Reviers. „Die Jagdgenossenschaft würde den erfolgreichen Weg der Eigenbewirtschaftung wieder gehen“, bringt Jagdvorsteher Florian Karg die Bilanz auf den Punkt. Sicher sei dieser Weg mit viel Arbeit und Einsatz verbunden. Neben einem verantwortlichen Jagdleiter sind 19 Jäger in der Hintersteiner Hochwildjagd unterwegs. Karg ermuntert die Jagdgenossen- schaften, dem Beispiel Hinterstein zu folgen: „Es braucht nicht viel, nur eine Handvoll Männer, die sagen: das packen wir.“ Bereits der zweite Versuch mit einer Eigenbewirtschaftung steht in Immenstadt ins Haus. Nach „Interessenskonflikten bei jagdlichen und forstlichen Zielen“ will die Stadt im kommenden Jahr keine Neuverpachtung ansteuern, erläutert Förster Gerhard Honold. Ziel des Konzeptes, das auf das Motto „Wald vor Wild“ setze, sei einen nachhaltige Forstbewirtschaftung mit dienlicher Jagd. „Es ist nicht Ziel, auf der Hegeschau stolz einen Bruch entgegen zu nehmen.“ Auf eine „tolles Waldbild“ nach fünf Jahren Eigenbewirtschaftung der Jagd Stein-Immenstadt verweist Gustl Rehle. Er könne kaum begreifen, warum viele Jagdgenossen scharf seien auf die Jagdpachtzahlung, wo doch die Zuschüsse, die für Naturverjüngungen gezahlt werden, die Pachtzahlung oft überträfen. Auf Information und Gespräch beim Thema Wald und Wild setzt das Projekt „Respektiere deine Grenzen“, das vor allem die Freizeitnutzung in freier Natur konfliktfreier gestalten will. Ständige Störungen im Revier machen den Jägern nicht nur die Arbeit schwer, sie drängen das Wild in „Ecken“ ab, wo Schäden am Wald geradezu programmiert seien, beklagen Förster wie Jäger. Die Gemeinde Burgberg ist mit einem bewährten Modell der Besucherlenkung startklar. Statt auf Verbotsschilder setzt das in Vorarlberg entwickelte Konzept auf Aufklärung und Freiwilligkeit. So sollen Geo-Cacher und Schneeschuhwanderer genauso zu umsichtigem Verhalten im Bergwald anmiert werden wie Mountainbiker oder Hundebesitzer. Ein gutes Miteinander empfiehlt gerade beim heißen Eisen Jagd nicht zuletzt Klaus Dinser, am Landwirtschaftsamt Kempten zuständig für das Schutzwald-Management im Allgäu. Eine Beratung durch die Forstbehörde sei als „Hilfe zur Selbsthilfe“ gedacht. Die Jagdgenossenschaften sollten „wissen, was sie wollen und das auch formulieren“, rät Dinser. Dienlich für eine Entscheidung sei auf jeden Fall ein jagdliches Konzept, das zeige, wohin der Weg führen soll, und eine laufende Kontrolle. „Es kommt auf die Personen an, die Jagdpächter sind oder die Eigenbewirtschaftung führen“, zog Anton Krinner sein Fazit des Nachmittags. „Patentrezept gibt es keine“, so Immenstadts Förster, Gerhard Honold.

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