Voller Kraft und Energie in die Zukunft

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Toni Birker (von links), Elisabeth Baur, Konrad Uhlemayr, Anita Scherm, Bürgermeister Oliver Kunz, Hermann Neher und Karin Dressel spielten „Taufpate“ für den EGR-Hilfsfonds.

Rettenberg - Ihr 100-jähriges Bestehen konnte vor Kurzem die Elektrizitätsgenos- senschaft Rettenberg e.G (EGR) feiern. „Eine Erfolgsgeschichte“ wie Vorstand, Aufssichtsrat und Kommunal- politik einhellig betonten. Zum Jubiläum wurde mit dem EGR-Hilfsfonds eine Stiftung aus der Taufe gehoben, die in Not geratene Mitbürger im Geschäftsgebiet der EGR unterstützen will.

Das Fazit aus dem Blick in die 100-jährige Geschichte der Elektrizitätsgenossenschaft Rettenberg zog Vorstandsvorsitzender Hermann Neher gleich zu Beginn: „Offenbar haben wir alles richtig gemacht.“ Sonst gäbe es jetzt nichts zu Feiern. Einfach sei es allerdings nicht gewesen, diese Erfolgsgeschichte zu schreiben, räumte Neher ein. 

Der damalige Pfarrer, Johann Schiebel, machte sich als treibende Kraft im Jahr 1912 daran, „die Elektrizität“ in die Gemeinden Vorderburg und Rettenberg zu holen. Nach Gründung der Elektrizitäts-Genossenschaft Rettenberg-Vorderburg mit 71 Mitgliedern, begannen im Sommer 1913 die Stromlieferungen aus einem Kraftwerk an der Iller. 

Jahr für Jahr wurden weitere Nachbargemeinden und Weiler angeschlossen. Zum „Angebot“ gehörten von jeher nicht nur die zuverlässige Stromversorgung von Betrieben und Haushalten, sondern auch der Verkauf und Montage von Elektroinstallation und -anlagen. Das eigene Betriebs- und Geschäftshaus konnte erst in den 1950er Jahren verwirklicht werden. 

Später wurden , so Vorstand Neher in seinem Rückblick, im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes Übernahmeversuche von großen Mitbewerbern abgewehrt. Mitglieder und Kunden hielten der EGR die Treue. 

Einen Seitenhieb konnte sich Neher nicht sparen: während Privathaushalte zunehmend mit steigenden Energiepreisen belastet würden, werde Strom auf dem freien Markt geradezu verramscht. 

„Mit Mut und Weitblick“ hätten die Gründerväter der EGR vor 100 Jahren angefangen und damals „eine Energiewende eingeläutet“, so Rettenbergs Bürgermeister Oliver Kunz. Die Krisen hätte man nicht zuletzt Dank der genossenschaftlichen Strukturen überstanden. Aktuell zeige sich, dass es nicht allein um den Transport von Strom gehe; vielmehr seien genossenschaftliche Projekte gefordert, wenn es etwa um die Umsetzung der Energiewende gehe. Die Überlegungen zu einem Pumpspeicher-Kraftwerk am Grünten zu Beispiel wären „ein Riesenschritt“ und wichtiger Baustein einer dezentralen Elektriziätsversorgung. 

Das Jubiläum „gesund und vital“ feiern könne die EGR allemal, unterstrich Karl-Heinz Gorbach als Vertreter von „AllgäuStrom“, dem Marketing-Verbund von neun regionalen Energieversogungsunternehmen. „Ich wünsche der EGR jede Menge heimatstarke Energie für weitere 100 Jahre!“ Und Betriebsleiter Konrad Uhlemayr meinte: Die Elektrizitätsgenossenschaft habe sich über 100 Jahre durchgesetzt. Für einen kleinen Betrieb eine enorme Leistung. „Darauf sind wir mächtig stolz!“ 

Das Klima stimmt offenbar: rund 20 Jahre Betriebszugehörigkeit sind Standard bei der EVG. Stolz könne die Genossenschaft auch auf ihren schlagkräftigen Bereitschaftsdienst sein und den hervorragenden Ruf der Elektro- Installationsmannschaft, betonte Uhlemayr weiter. Fast die Hälfte des Leitungsnetzes sei unterirdisch verlegt. Die EGR sei „gut gerüstet, um auf dem Markt zu bestehen“, deutete der Betriebsleiter an. Das Traditionsunternehmen werde auch das 125-jährige Jubiläum feiern können, zeigte sich Uhlemayr optimistisch. 

Anlässlich des Unternehmensjubiläums wurde Gründung einer Stiftung, des EGR-Hilfsfonds, offiziell besiegelt. Mit einem Startkapital von 20 000 Euro ausgestattet, will der Hifsfonds unschuldig in Not geratene Mitbürger im Geschäftsgebiet der Genossenschaft unterstützen.

Josef Gutsmiedl

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