Erfolg ist ein Zusammenspiel

ÖSV-Skisprungtrainer Alexander Pointner (Mitte) mit (von links) Bernhard Moosbrugger (Gaming Manager im Casino Bregenz), Andreas Hammerer (Volksbank Vorarlberg, Filialleiter Filiale Kleinwalsertal), sowie (von rechts) Bürgermeister Andreas Haid und Betr.oec. Gerhard Hamel (Vorstandsdirektor Volksbank Vorarlberg). Foto: Josef Gutsmiedl

„Höchstleistungen im Spitzensport“ lautete das Thema eines Vortrags, zu dem die Volksbank Vorarlberg und das Casino Kleinwalsertal eingeladen hatten. Referent: kein geringerer als Alexander Pointner, der „Macher“ österreichischen „Superadler“. Der Chef-Trainer Sprunglauf des Österreichischen Skiverbandes ÖSV skizzierte in seinem fast zweistündigen packenden Vortrag das Erfolgsmodell, das „Überflieger“ anscheinend fast wie am Fließband hervorbringt. Erfolg hat kein System - Erfolg ist ein System, so die Philosophie.

Der Vergleich mit einer Maschinerie ist nicht nach Pointners Geschmack. Hinter dem anhaltenden Erfolg seiner Sprungläufer stehe kein Getriebe. „Es ist es organisches System“, sagt der erfolgreichste Trainer in der Geschichte des ÖSV. Organisch, quasi wie ein eigenes Lebewesen deshalb, weil zahllose Komponenten mitspielten, damit dieser „Körper“ perfekte Leistungen abrufen könne. Es geht um Menschen. Gerade beim Leistungssport. So gebe es auch keinen „Schlüssel zum Erfolg“ zeichnet Pointner das Bild vom komplexen Zusammenwirken innerhalb des Teams weiter. Vielmehr müsse man von einem Tresorschloss sprechen, bei dem es ja ebenfalls viele Möglichkeiten von Kombinationen gebe, bevor sich die Türe schließlich öffne. Aus eigenen Fehlern als Aktiver und später als Trainer beim ÖSV habe er, Pointner, viel gelernt. Auch aus den Fehlern anderer. „Ich habe viel Glück gehabt...“ Als wertvollste Zeit seiner Laufbahn sieht Pointner die Lehrjahre unter Trainer Toni Innauer, als er die zweite Mannschaft betreute. „Ein junge Team, das heute große Leistungen erbringt.“ Dass es mit dem schnellen Aufstieg als Innauer-Nachfolger dann doch nicht klappte, habe sein Gutes gehabt. „Offenbar hat damals einiges gefehlt - soziale Kompetenz, Kennnisse in Menschenführung und Management“, sagt Pointner. Dann, nach zwei Jahren wurde er Chef-Trainer der Sprungläufer und schickt seitdem ÖSV-Asse wie Morgenstern, Kofler und Schlierenzauer von den Schanzen auf erfolgreiche Sprünge und Flüge. „Nur durch gegenseitige Wertschätzung funktioniert das System“, beschreibt Pointner das Erfolgsmodell. Selbst die vermeintliche Sportart der Einzelathleten, Skispringen, brauche ein enormes Zusammengehörigkeitsgefühl aller Beteiligten. Die Sportler müssten sich immer sagen „ich bin in Ausbildung“. Dann sei nämlich das Entwicklungspotenzial auf-gerufen, der brennende Wunsch, noch besser zu werden. „Sonst gibt es Stillstand“, weiß der ÖSV-Trainer. Stillstand duldet er nicht. Und Entwicklung muss spielerisch vor sich gehen. Im Team werde viel experimentiert, über den persönlichen Tellerrand hinaus gedacht und gearbeitet, neues probiert. Längst machen sich die Skispringer neue Methoden zunutze, wie neuronales Training, das Erkenntnisse der Hirn und Lernforschung berücksichtigen. Erfolg findet statt, wird „machbar“, wenn alle Bereiche des Systems bestmöglich vorbereitet sind. „Erfolg ist nicht die Perfektionierung der Teilbereiche, sondern deren perfektes Zusammenspiel“, stellt Pointner fest. „Es geht nicht nur darum, wie der Athlet einen Meter weiter springen kann.“ Training a la Pointner sei wie ein Haus zu sehen - mit Fundament, Mauern und tragenden Säulen, einem Dach, mit Stiegenhaus und schließlich einem Wohnklima, das Pointner als „Hauspflege“ beschreibt. Und das Haus „Modell Pointner“ lebt. Jeder ist gefordert, hat aber auch Frei- und Spielräume. „Pointex“ ist stolz auf sein Team und voller Wertschätzung: „Eine tolle, anständige Mannschaft.“ Der ÖSV leiste sich Dank der Hilfe von Sponsoring-Partner sogar einen Mannschaftsbus, damit die Sportler nicht durch An- und Abreise genervt sind. Der Busfahrer gehöre natürlich zum Team und sei nicht dessen Dienstbote, erläutert Pointner diesen Teil des Systems. Bestmögliche Vorbereitung geht für den Erfolgstrainer über die reine körperliche Trainingsarbeit hinaus. Vor einem Wettkampf im japanischen Sapporo hätten sich seine Sportler - und er - nicht nur mit der Schanze auseinander gesetzt, sondern auch die Mentalität der Japaner kennen gelernt. Als dann am Wettkampftag alle Sportler längst überpünktlich im Bus für die Fahrt zum Stadion saßen, habe der Fahrer dennoch keine Anstalten gemacht, abzufahren: Es sei noch nicht so spät wie vereinbart. Während andere Sportler „Zustände“ bekämen, so Pointner, hätten sich seine Männer mit der - ihnen jetzt bekannten - Situation abgefunden und wären entspannt an die Schanze gekommen in dem Wissen: So sind sie halt die Japaner... was soll’s? Pointner geht optimistisch in die neue Saison. Seine „Superadler“ stehen parat für neue Erfolgsflüge und -sprünge.

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