Berufsbild aufwerten

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BRK-Geschäftsführer Leonhard Stärk (Mitte) informierte sich im Oberstdorfer Haus der Senioren über die aktuelle Situation in der stationären und ambulanten Pflege in der Region. Wohnbereichsleiter Uhl (links) und Rotkreuzvorsitzender Alfred Reichert (rechts) erläutern Einzelheiten der umfangreichen Dokumentation.

Oberstdorf – Das Rote Kreuz Oberallgäu betreibt in Oberstdorf das „Haus der Senioren” (HdS), eine stationäre Pflegeeinrichtung mit 115 Plätzen. Das HdS hat sich ebenso wie die ambulante Pflege im Raum Kempten wie im Oberallgäu unter dem Dach des Rotkreuzkreisverbands einen guten Ruf erworben.

Trotz der engen Zeitvorgaben durch die Kassen fühlen sich die Mitarbeiter den Grundsätzen des Roten Kreuzes verpflichtet. Doch damit wird wohl bald Schluss sein, wie der Kreisverband in einem Brandschreiben an den Landesverband in München befürchtet. „Wir könnten sofort zehn neue Pflegefachkräfte einstellen, doch der Arbeitsmarkt gibt nichts her”, klagt Rotkreuzgeschäftsführer Alexander Schwägerl. „Die Mitarbeiter haben im Durchschnitt 120 Mehrstunden – die Aussichten auf einen Abbau dieser Stundenberge sind derzeit gleich Null.” Um die Lage vor Ort besser kennenzulernen, kam BRK-Geschäftsführer Leonhard Stärk nach Oberstdorf. „Nach meinem Kenntnisstand ist die Fachkräftelage in Bayern nicht einheitlich.” 

So sei in den Grenzregionen zu Tschechien die Lage bei Pflegefachkräften noch „relativ entspannt”. Die hierzulande beklagte mangelnde Wertschätzung für den Beruf der Pflegefachkraft gebe es im östlichen Nachbarland Bayerns nicht, weil die ebenfalls dreijährige Ausbildung mit dem Bachelor, also einem akademischen Grad abgeschlossen werde. Rotkreuzvorsitzender Alfred Reichert wies daraufhin, dass es mit einem akademischen Abschluss allein nicht getan sei. „Die Entlohnung muss attraktiver werden.” Rotkreuzchefarzt Dr. Andreas Baumgarten ergänzte, dass die „Professionalisierung” vorangetrieben werden müsse. „Immer mehr zusätzliche Dokumentationen steigern die Qualität der Pflege nicht.” Er bestätigte die enge Fachkräftelage auch für das Klinikum Sonthofen. 

„Wir haben im Raum Oberstdorf quasi Vollbeschäftigung.” Der zukünftig noch enger werdende Markt für Pflegefachkräfte hat seine Ursachen auch im Werben um die Schulabgänger, bei denen die Pflegeausbildungseinrichtungen denkbar schlechte Karten besitzen. Wie könnte es weitergehen? Immer mehr Pflegebedürftige bei immer weniger Pflegeplätzen, weil Fachkräfte fehlen, ist ein Horrorszenario, das die Verantwortlichen nur mit Vorsicht in Worte fassen. Zumal im Zuge der demografischen Entwicklung immer weniger Familien in der Lage sein werden, die häusliche Pflege von Angehörigen zu übernehmen. Am Ende waren sich die Gesprächsteilnehmer einig – darunter Praktiker aus der stationären Pflege – dass die verantwortliche Politik auch daran gemessen werden müsse, wie sie auf erkennbare Schiefstände in der Pflege reagiere. „Die aufgelaufenen Probleme sind inzwischen längst von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung.”

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