Fairness bei der Milch

Landauf, landab protestieren Bauern gegen die weiter sinkenden Milchpreise. Die Politik müsse endlich der Talfahrt ein Ende bereiten, sollen nicht viele Milcherzeuger vor dem Ruin stehen, so die Forderungen. Jürgen Zettl, Landwirt aus dem Ostallgäuer Ödwang und Gründer der Initiative „Der faire Milchlieferant“, sieht die Lage anders: Die Dauerkrise der Milchviehbetrieb sei hausgemacht.

Hausgemacht deshalb, weil die Mehrzahl der Milchviehbetriebe die ihnen zustehende Liefermenge nicht einhalten, sondern mehr Milch anliefern, als vereinbart. „Und alle, die Politik, die Verbände, die Bauern, wissen es und sagen: Es ist zu viel Milch auf dem Markt.“ Nur: Sein unfaires Verhalten ändern wolle keiner eingestehen. „Man muss endlich die Ursachen sehen, und nicht an den Symptomen rumdoktern“, kritisiert Jürgen Zettl. Vor einem Jahr hat er die Initiative „Der faire Milchlieferant“ gegründet. Damit will der Landwirt aus Ödwang allen Rückendeckung geben, die nicht „überziehen“ und zu viel Milch produzieren. Wer nachweisen kann, dass er seine jährliche Lieferquote nicht ausschöpft, kann bei der Initiative ein Hofschild erhalten, dass signalisiert: Dieser Hof macht bei der Milchschwemme nicht mit; ist ein „fairer“ Milchviehhalter. Zettl: „Wir verstehen uns als faire Produzenten - dem Gesetz gegenüber aber auch, weil wir nicht das letzte aus den Tieren und dem Boden herausholen wollen.“ Wer einen fairen Milchpreis fordere, müsse auch faires Marktverhalten an den Tag legen, so Zettl. Noch einmal kommt Zettl auf die Bauernproteste zu sprechen. Der Milchmarkt sei im wahrsten Sinne des Wortes überschwemmt worden. Als vor Jahresfrist der Milchpreis bei 40 Cent und mehr je Liter gelegen habe, sei den meisten der Berufskollegen nichts besseres eingefallen, als möglichst viel Milch zu liefern. Klare Folge: Überangebot und fallende Erlöse. „Jetzt sollen es die anderen richten.“ Zettl schüttelt den Kopf über die kurzsichtige Denkweise. Eine Rechnung, die nie aufgehen könne, findet Jürgen Zettl, und macht anhand einer anderen Kalkulation deutlich: Verkaufe ein Landwirt 100 Liter Milch zu je 20 Cent, fahre er schlechter als wenn er 80 Liter zu einem Preis von 40 Cent verkaufen könne; das ergäbe schon 32 Euro statt 20. Dazu noch die Einsparung bei den Produktionskosten: Weniger Leistungsfutter, weniger Arbeit. Wer schlechte Erlöse über die Milchmenge auffangen wolle, heize den Preisverfall erst richtig an. Zwei Drittel seiner Berufskollegen verfallen diesem Irrtum, schätzt Zettl. Jetzt müssten die Bauern tätig werden - und die Produktion auf ein „faires Niveau“ zurückschrauben, um ihr Überleben zu sichern. Proteste nützten nichts. Rund 150 „Faire Milchlieferanten“ zählt Jürgen Zettl in seiner Initiative schon. Ständig werde der Kreis der Sympathisanten und Aktiven größer, die sich als faire Lieferanten zu erkennen gäben, freut er sich. Jetzt sei es an der Zeit, die Verbraucher auf die Seite der „Fairen“ zu bringen. Zettl: „Die Verbraucher sollen nichts unterstützen, das dazu beiträgt, die Sache noch schlimmer zu machen.“ Vielmehr sollte sie „die Elite“, wie Zettl die fairen Milchlieferanten auch nennt, fördern, „die Bundesliga, nicht die Kreisklasse“, wie er meint. Die lautstarken Proteste vieler Kollegen seien heiße Luft, meint Zettl. Informationen bei Jürgen Zettl, Telefon 08345 / 925437 oder per Email unter zettl@grauviehhof.de.

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