"Fakten, keine Meinungen"

Ulrich Härle (links) und Thorsten Häusler erläuterten die rechtlichen und technischen Seiten der Windkraftnutzung.

Mit einer ersten offiziellen Bürgerinformation erläuterte die Stadt Immenstadt die aktuelle Suche nach geeigneten Standorten für Windkraftanlagen. Die Suche ist nicht Sache der Stadt, sondern eine Aufgabe des Regionalen Planungsverbandes Allgäu, der in seinem Zuständigkeitsbereich entsprechende Stellen ausfindig machen muss. Zwei Standorte im Gebiet der Stadt fielen vorab schon in eine engere Wahl - und lösten bei der Bevölkerung heftige Proteste aus. Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp versuchte unterstützt von Fachleuten die Bedenken gegen mögliche Windkraftanlagen im Bergstätt-Gebiet zu zerstreuen.

„Der Regionale Planungsverband Allgäu hat die Aufgabe, geeignete Standorte zu finden", betonte Bürgermeister Schaupp nicht nur einmal in der Informationsveranstaltung mit rund 300 Bürgern. Bei der Umsetzung der Energiewende habe sich der Freistaat Bayern hohe Ziele gesetzt mit einem Anteil von 50 Prozent der Stromerzeugung aus regenerativen Energien bis im Jahr 2020. Der Landkreis Oberalläu setzte dem noch eins drauf mit 70 Prozent. Sollte bei der Suche tatasächlich ein Standort im Stadtgebiet geeignet sein, wünsche er sich , dass das auch akzeptiert werde - und dass es Anlage in öffentlicher Hand seien, von denen alle profitierten, so Schaupp. „Gewinne sollen in in Straßen und Schulen unserer Stadt fließen , nicht in die Hände von Konzernmanager.“ Fachleute sprechen von Renditen von sechs bis acht Prozent bei kommerziellen Windkraftanlagen. Wesentliches Ziel der Suche sei es, eine Bündelung von Windkraftanlagen zu erreichen, und der Verspargelung der Landschaft durch zahllose Windräder von Anfang an einen Riegel vorzuschieben, stellte Ulrich Härle, Jurist am Landratsamt Oberallgäu fest. Sonst nämlich würden solche Anlagen als „privilegierte Bauvohaben“ gelten, die von der Behörde zu genehmigen seien, sofern sie die baurechtliche Voraussetzungen erfüllten. Jeder könne also eine Windkraftanlage auf seinem Grund und Boden errichten. Härle: „Die jetzt anstehende Fortschreibung des Regionalplans soll Wildwuchs beim Bau von Windkraftanlagen verhindern.“ Die Suche orientiert sich an einer Reihe von Kriterien, die „abgearbeitet“ werden. So sind bestimmte Ausschlusskriterien festgelegt, wo Windkraftanlagen nicht gebaut werden dürfen. Zum Beispiel gilt für Bahnlinien, Staats- und Bundesstraßen sowie Autobahnen ein Mindestabstand von 200 Metern, für Dorf- und Mischgebiete und reine Wohngebiete von 800 Metern. Naturschutzgebiete sind dagegen ebenso generell Tabu wie die „Erholungslandschaft Alpen“ oder Vogelschutzgebiete. „Die Freihaltung des Ausschlussgebiets bedingt eine erfolgreiche Suche im Vorranggebiet“, bringt Ulrich Härle den Spagat auf den Punkt. Was derzeit ablaufe, sei eine erste Klärung mit den Kommunen und solle generell aufzeigen, wo in den landkreisen Ober- und Ostallgäu und Lindau geeignete Flächen zur Verfügung stehen, konterte Bürgermeister Schaupp die Frage von Christian Keller von der Bürgerinitiative Bergstätte-Alpsee wollte wissen, wieso die Stadt bislang keine klare Position beziehe. Am 8. Oktober wird der Regionale Plaungsverband eine öffentliche Anhörung in Dietmannsried durchführen. „Der Verband will jetzt Fakten, keine Meinungen“, betont Schaupp. „Objektive Kriterien: wo geht's? Wo geht's nicht? Was spricht dafür, was dagegen?“ Deshalb werde es auch keine offizielle Stellungnahme der Stadt oder des Stadtrates zur Standortsuche geben. Es stehe jedem frei, seine persönlichen Meinung und Argumente auf den Weg zu bringen. „Es gibt keine Abstimmung in einer Phase, in der Fakten gesucht werden.“ Auch Schaupp will eine Stellungnahme abgeben mit Hinweisen auf den für die Region wichtigen Tourismus. Thorsten Häusler von der Bioengergie Allgäu BEA erläuterte eine Reihe technischer Aspekte der Windkraftdebatte. Sorge dass es eine etwa in einem bestehenden Windkraftpark einen „Wildwuchs“ geben könne und die Zahl der Anlagen nachträglich erhöht werde, müsse man nicht haben. Das schließe die Statik der Anlagen und die Strömungsbedingungen aus. Man könne ein einmal etabliertes Gelände nicht endlos mit weiteren Windrädern zupflastern, verspargeln, versichert Fachmann Häusler. Und warum sind die modernen Windkraftanlagen rund 200 Meter hoch? „Eine Frage der Wirtschaftlichkeit", so Häusler. Die Energieausbeute bei Anlagen auf dem Stand der Technik sei deutlich besser als bei kleineren Windrädern. „Der optische Unterschied ist gar nicht so deutlich zu bemerken...“, zerstreut Häusler diese Bedenken. Bei Wildpoldsried seien kürzlich zwei dieser neuen Windräder gebaut worden. Nicht überschätzen sollte man die Lärmkulisse der Anlagen oder die Verschattungszenarien, meint Häusler weiter. In der Praxis , so Häusler, seien es längst nicht die Werte, die in Debatten gerne angeführt würden. Zudem könnten nicht in jedem geeigneten Gebiet Windräder gebaut werden, da die Erschließung mit einer soliden Fahrstraße Voraussetzung sei, um die Turmelemente und Rotorblätter an Ort und Stelle zu transportieren oder den Spezialkran zu tragen.

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