Adelina Baiz machte ihre Ausbildung im Förderzentrum St. Georg

"Die beste Entscheidung meines Lebens"

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Die 20-jährige Adelina Baiz aus Sonthofen hat ihre Ausbildung im Förderzentrum St. Georg gemacht und sehr viel Freude an ihrem Beruf.

Sonthofen – Die 20-jährige Adelina aus Sonthofen wirkt reif für ihr Alter. Und selbstbewusst. Am Tag ihrer Freisprechung zur Friseurin hat die junge Frau mit dem flotten Haarschnitt eine große Etappe in ihrem Leben gemeistert. Das ist ihr bewusst: „Ich habe einen tollen Beruf, einen netten Freund, eine eigene Wohnung! Mir geht‘s echt gut“.

Das war nicht immer so. Denn Adelina hatte als Kind die Lern-und Verhaltensstörung ADHS. In einer Zeit, in der diese Störung noch kaum bekannt war und gern als „Modekrankheit“ abgetan wurde. Das Mädchen fiel schon als Kind durch hyperaktives-impulsives Verhalten auf. In der örtlichen Grundschule tat sie sich schwer. „Ich konnte mich schlecht bis gar nicht konzentrieren, konnte Anweisungen nicht folgen und brachte meine Hausaufgaben nicht fertig“, erinnert sie sich. So wiederholte das Mädchen das erste Schuljahr in der Albert Schweizer-Schule in Sonthofen, einem sonderpädagogischen Förderzentrum. Ab der fünften Klasse wechselte Adelina dann in die Mittelschule, die sie aber mit einem schlechten Abschluss beendete. Sie begann eine Lehre als Friseurin. Zwar zeigte sie durchaus Talent und Leidenschaft für diesen Beruf, tat sich aber durch ihre Impulskontrollstörung schwer, im Team zu arbeiten. So brach sie nach eineinhalb Jahren ihre Ausbildung wieder ab und war ein dreiviertel Jahr arbeitslos.

„Mit meinem Lebenslauf und meinen schlechten Noten hatte ich keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, erinnert sie sich. Die Agentur für Arbeit vermittelte sie daraufhin ins Föderzentrum St. Georg in Kempten. „Das war eine der besten Entscheidungen, die ich je in meinem Leben getroffen habe“, behauptet die junge Frau heute. In der Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge werden junge Menschen mit intensivem Förderbedarf, besonderen Lernbedürfnissen und psychischen Problemen ausgebildet. Zum Beispiel auch im Beruf Friseur, dem Traumberuf von Adelina. Ihre Ausbilderin Petra Jäger ist nicht nur Friseurmeisterin, sondern hat auch eine spezifische Zusatzausbildung. „Ich habe dadurch die Möglichkeit, meine Azubis persönlich zu begleiten, die Menschen als Ganzes zu sehen und auch bei ihren Schwächen zu unterstützen“, erklärt sie. Im hausinternen Salon des Förderzentrums blühte Adelina dann richtig auf. „Hier musste ich nicht unter hohem Zeitdruck arbeiten, hier ging es nicht ausschließlich um den Umsatz und Gewinn, hier wurden mir klare Strukturen vorgegeben und meine Schwächen berücksichtigt“, erinnert sie sich. Adelina Baiz schloss ihre Ausbildung nach zwei Jahren, trotz einer langwierigen Hüftoperation, mit guten Noten ab und arbeitet seit dem 1. August bei einem Kooperationspartner des Förderzentrums St. Georg, einem Friseursalon in Kempten.

Wie weitere 17 junge Männer und Frauen aus dem Förderzentrum wurde Adelina Baiz jüngst feierlich ins Berufsleben verabschiedet. Rochus Kaiser, Ausbildungsleiter des Berufsbildungswerks Kempten, konnte bei der Freisprechungsfeier Gesellen- und Facharbeiterbriefe in sieben verschiedenen Berufen übergeben. „14 unserer Azubis haben bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Bei dreien steht die Vertragsunterzeichnung unmittelbar bevor“, freute sich die Leiterin des Förderzentrums, Inge Berka. „Fast alle haben ein Ergebnis erreicht, auf das sie stolz sein können“, betonte Inge Berka und bedankte sich bei den Ausbildern, Lehrern, Pädagogen und allen anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Berufsbildungswerkes in Kempten, Kooperationsbetrieben, Eltern und Partnern, der Handwerkskammer und der IHK Schwaben und schließlich – allen voran – bei Peter Litzka, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Im Namen der Stadt Kempten gratulierte der dritte Bürgermeister Josef Mayr. KJF-Abteilungsleiter Michael Breitsameter forderte die Absolventen auf, jetzt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. „Bringen Sie sich als junge Fachkräfte in die Gesellschaft ein und gestalten Sie die Wirtschaft und unser Land mit“, ermunterte er die frischgebackenen Gesellen und Facharbeiter. Abschließend überreichte der stellvertretende Landrat des Landkreises Oberallgäu Alois Ried ein Geschenk an die beiden besten Absolventen.

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