Schlechte Holzvermarktung trotz guter Holzpreise

Im Wald schlummert Kapital

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Die Geschäftsführer Roman Prestele (links) und Tobias Schäfer können sich die auffällige Zurückhaltung beim Holzverkauf nicht erklären.

Oberallgäu - Keinen Rekord, doch ein „durchaus erfolgreiches Jahr“ kann die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FGB 2012 verbuchen. Die Mitgliederzahl und damit die Waldfläche stieg, das Dienstleistungsangebot kommt gut an, nur die Holzvermarktung blieb  hinter den Erwartungen zurück - trotz guter Holzpreise. 

Ein Problem für die Waldbesitzer bleiben nach wie vor der Verbiss von jungen Waldbäumen durch Reh- und Rotwild. Der Markt könnte für Holzverkäufe könnte kaum besser sein: Stabile Preise auf hohem Niveau. Doch um so unverständlicher erscheint dem Vorsitzenden der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu, Johann Jordan, der massive Einbruch der Vermarktungszahlen im vergangenen Sommer, nachdem man bis zu diesem Zeitpunkt sogar über dem Vorjahreswert gelegen hatte. "Das ist keine Erscheinung nur im Oberallgäu, sondern landesweit", sagt Jordan. Über die Gründe könne man jedoch nur spekulieren. 

Jordan hält neben der anhaltenden Verunsicherung auf dem Finanzmarkt auch eine „Veränderung der Waldbesitzerstruktur“ für eine mögliche Ursache und meint damit, dass immer mehr Waldbesitzer mit ihrem Kapital nichts anzufangen wüsste. „Im Privatwald schlummern die größten Holzreserven“, so Jordan und appelliert, die Nutzung der Vorräte nicht auf den Sanktnimmerleinstag zu verschieben. Auch die Geschäftsführer der FBG, Roman Prestele und Tobias Schäfer, können sich diesen massiven Rückgang der Hiebsmengen nicht erklären und schätzen, dass der Trend der Zurückhaltung noch anhalten werde. „Auf jeden Fall ist es schlecht für den Markt“, betont Prestele. Im Vorjahr wurden 72000 Festmeter vermittelt, gegenüber der Rekordmenge von 87000 Festmeter im Jahr 2011ein Minus von 16 Prozent. „Wir hätten mehr verkaufen können.“ Die Nachfrage sei hoch, der Preis beständig auf einen „fast historischen Hoch“ von knapp 100 Euro je Festmeter. 

Eine deutliche Steigerung von 50 Prozent fuhr die FBG im vergangenen Jahr bei der Brennholzvermarktung ein. Vor allem Buchenholz sei hier gefragt. Und auch der Energieholzmarkt - „früher eine belächelte Sparte“, so Roman Prestele - bleibt im Aufwind. Fast 25000 Schüttraummeter Hackschnitzel wurden an die Heizwerke angeliefert. Spitzenreiter sind die Heizwerke in Sonthofen und Oberstaufen. Gut aufgestellt sieht Geschäftsführer Prestele die FBG Oberallgäu. Rund 2500 Mitgliedern biete die Einrichtung wertvolle Dienstleistungen mit einen umfassenden Service, der gerade heute für Waldbesitzer wertvoll sei. 

Mit einem neu angeschafften GPS-Gerät kann die FBG ihren Mitgliedern jetzt auch bei Grenzfindungen im Wald behilflich sein, was besonders bei Hiebsmaßnahmen mitunter wichtig sein kann. Auch Motorsägekurse werden regelmäßig angeboten. 

Auf den Interessenkonflikt mit der Jagd eingehend, stellt Jordan fest, dass die Waldbesitzer offenbar „die Meinungshoheit weitgehend verloren“ hätten. „Und damit auch teilweise das Gesetz des Handelns. Wir werden mittlerweile in erheblichen Teilen fremdbestimmt“, klagt Jordan. Die Waldbesitzer müssten wieder eine aktive Rolle einnehmen: „Wie lautete der alte Werbespruch von Esso: Packen wir's an - es gibt noch viel zu tun.“ 

Eine Entschärfung des alten Konflikts zwischen Waldbesitzern und Forstwirtschaft einerseits und Jagdinteressen andererseits fordert auch der Oberallgäuer Vize-Landrat Anton Klotz. Zur Zeit komme man hier „gut voran“, so Klotz mit Blick auf die Erfüllung des Abschusssolls in sämtlichen Oberallgäuer Revieren. Angesichts der sich „zum Desaster“ entwickelnden Rinder-TBC werde sich die Jagdbehörde damit nicht zufrieden geben. Es sei geplant, das demnächst neu festzusetzende Abschusssoll um zusätzliche 50 Prozent zu erhöhen. Auch, wenn der unmittelbare Zusammenhang von Tuberkulose-Fällen beim Rotwild und eine Übertragung auf Rinder nicht zweifelsfrei bewiesen sei. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch.“ 

In seinem Beitrag skizzierte Dr. Ulrich Sauter, Leiter der Abteilung Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, die Erfolgsgeschichte der nachhaltigen Forstwirtschaft ser vergangenen 300 Jahre. Die Qualität des Waldes sei ausschlaggebend für seine Zukunftsfähigkeit, so Sauter mit Blick auf den Klimawandel: „Zauberwort Mischwald.“ Ein Nutzungsverzicht wie er da und dort gefordert werden, bewirke letztlich das Gegenteil. „Die gleitende, ständige Nutzung des Bestandes fördert die Masse wie die Vielfalt und dient der Nachhaltigkeit.“ Dem heißen Eisen Wald-Wild-Konflikt widmete sich das Referat „Jagdausübung im Sinne der Landeskultur“ von Nikolaus Urban, Berufsjäger aus Niederbayern. Im Prinzip scheine alles bestens geregelt mit der Jagd und dem Wald. Doch in der Praxis bleibe das Ziel unerreicht. 

Urban erinnerte an die Verantwortung der Waldbesitzer: „Sie haben als Waldbesitzer die Pflicht, den Wald vor Schäden zu bewahren. Das gilt auch für die Abwehr von Wildschäden!“ Auch der Privatwald habe laut Gesetz dem Gemeinwohl zu dienen. Das Waldgesetz müsse nur konsequent angewendet werden. Dann würde es der Grundregel ‘Wald vor Wild’ gerecht. „Das Jagdrecht ist dem Waldrecht nachgeordnet“, betonte Urban. Das Jagdrecht stehe übrigens ausdrücklich dem Grundeigentümer zu, nicht zwangsläufig dem Jäger, erinnerte Nikolaus Urban die Waldbesitzer an ihre Rechte und Pflichten.

Josef Gutsmiedl

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