Abschuss weitgehend erfüllt – Probleme gemeinsam lösen

Die Jagd liegt auf Kurs

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Die „jagdliche Ernte“ des vergangenen Halbjahres wurde in Fischen präsentiert.

Fischen – Die Zeiten der Konfrontation scheinen vorbei. Bei der jüngsten Frühjahrshegeschau des Kreisjagdverbandes Oberallgäu in Fischen wurde eine erfreuliche Zwischenbilanz gezogen: die Jäger kommen ihrer Aufgabe weitgehend nach und erfüllen den Reh- und Rotwildabschuss.

Teilweise konnten die jetzt neu festgesetzte Abschusszahlen sogar etwas reduziert werden. Nachholbedarf gibt es allerdings nach wie vor in einem Revier bei Oberstdorf, dessen Inhaber das geforderte Soll bei weitem nicht erreichte. Bei der TBC-Bekämpfung beim Rotwild will die Jagd am Ball bleiben. 

Stellvertretend für den Oberallgäuer Landrat konnte Ralph Eichbauer, Chef der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Oberallgäu, die Jäger kräftig loben. Die revierweisen Abschussvorgaben wurden im Bereich der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen zu 93 Prozent erreicht. Erlegt wurden insgesamt 1382 Stück Rotwild. Diesen Auftrag zu erfüllen, bedeute „harte Arbeit“, so Eichbauer in seinem Dank an die Jäger. Auch beim laufenden TBC-Monitoring hätten die Jäger gute Arbeit geleistet und allein im Landkreis Oberallgäu mehr als 1100 Proben abgeliefert. 

Zufrieden mit dem Erreichten zeigte sich die Behörde überdies, was den Abschuss beim Reh- und Gämswild angeht. Allerdings ändere diese gute Zu- und Mitarbeit nichts an der Problemlage, ließ Eichbauer durchblicken. Immerhin zeigte die Rotwild-Untersuchung, dass 17 positive Fälle entdeckt wurden. Und allein 15 dieser Proben ließen sich dem Bereich südwestlich von Oberstdorf zuordnen. Zusammen mit den im Jagdjahr 2012/2013 erfassten Befunden kommt die Behörde auf 36 von insgesamt 47 positiven Proben allein für diesen Bereich. „Wichtig ist dabei dennoch, dass für weite Teile des Landkreises Oberallgäu keinerlei positive Befunde beim Rotwild vorliegen“, betonte Eichbauer. 

Von einer flächig auftretenden TBC beim Rotwild könne nicht die Rede sein. Der Auftrag laute vor diesem Hintergrund: weitere Reduktion des Rotwildbestandes und Weiterführung des Monitorings – schwerpunktmäßig in diesem Bereich, so Ralph Eichbauer weiter. „Unternehmen Sie alles, um die Abschussvorgaben zu erfüllen!“ Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wenn man „gemeinsam an der Lösung unserer Herausforderungen arbeitet“ und wieder lerne, die Probleme an der Basis zu bewältigen, werde man „in Zukunft weit kommen und vor allem die Gerichte weniger beschäftigen“. 

„Wir haben zwei Jahre lang beim Rotwild richtig hingelangt!“ brachte der Geschäftsführer der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen, Jürgen Wälder, den Part der Jäger auf den Punkt. Auch bei der TBC-Beprobung des erlegten Wildes hätten die Jäger mit weit über 1000 Proben ganze Arbeit geleistet. Sein Fazit: „Auf die Jägerschaft im Oberallgäu ist Verlass und mit ihr lässt sich arbeiten.“ Die Jäger würden ihrer Verantwortung gegenüber dem Grundeigentümer und dem Wald weiter gerecht werden, so Wälders Zusicherung. 

Eine weitere Reduzierung des Rotwildbestandes sei nicht notwendig – mit Ausnahme des offenkundigen TBC-Brennpunktes bei Oberstdorf. Jagd und Forst versuchten „in eine Richtung zu gehen wo jeder zurecht kommt“, meinte der Vorsitzende der Hochwild-Hegegemeinschaft, Erbgraf Erich zu Waldburg-Zeil. Er forderte, dabei „den Maßstab“ zu bedenken. Streitigkeiten über Sollzahlen und weitere Strategien öffneten in der Diskussion jenen Kräften die Tür, die einem „Diktat von Natur- und Tierschutz“ den Weg bahnten, warnte Zeil. Im benachbarten Baden-Württemberg etwa werde schon ein neues Jagdgesetz in diese Richtung gezimmert. Man müsse „vernünftig bleiben“, um nicht jenen Kräften in die Hände zu spielen, die weder mit der Jagd noch mit Waldbewirtschaftung etwas im Sinn hätten. Unterm Strich, so befürchtet Zeil, habe „der Grundeigentümer dann nichts mehr zu sagen, gar nichts“. 

Der aktuell begangene Weg im Oberallgäu, Zeil spricht vom „Oberallgäuer Weg“, sei ein guter Weg, und fordert „vernünftiges Vorgehen auf jagdlicher wie forstlicher Seite“. An die gemeinsame Aufgabe erinnerte nicht zuletzt Dr. Ulrich Sauter, Leiter der Forstabteilung am Landwirtschaftsamt Kempten. Wald vor Wild bedeute nicht Wild- oder Jagdfeindlichkeit, sondern unterstreiche nur die herausragende Bedeutung des Waldes vor anderen Arten im Ökosystem. Die Umstellung sei im Gange und bedeute auch Veränderungen bei der Jagd hin zur waldgerechten Jagd, so Sauter. Der notwendige klima-tolerante Bergmischwald sei – unter Mithilfe aller Beteiligten – machbar.

Josef Gutsmiedl

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