Fünf Buebe uns a Fehl jagen das Kamel

Die Vorbereitungen laufen seit Monaten. Jetzt ist das Team „Generation Golf 2011“ aus dem Oberallgäu mit (von links) Tobias Keuschnig, Rudi Müller, Sebastian und Florian Schuon sowie Christian Weixler und Andrea Herb startklar. Fotos: privat

Der Weg ist das Ziel. Diese Bergsteiger-Philosophie trifft auch auf eine Autorallye der besonderen Art zu: die Allgäu Orient Rallye 2011. Am 30. April gehen 100 Sechserteams mit 300 Autos auf die Reise - eine Rallye für einen guten Zweck. Mit dabei auch das Team „Generation Golf 2011“ aus dem Oberallgäu. Und dessen Motto beschreibt das Abenteuer ganz griffig: „Fünf Buebe und a Fehl - auf’m Weg zum Kamel“. Eine Frau und fünf Männer wollen - für einen guten Zweck - nach Jordanien.

Wenn „Mannsbilder“ sich für eine abenteuerliche Idee begeistern, schlagen zuhause Ehefrau oder Freundin die Hände über dem Kopf zusammen - und raten dringend ab: Das machst Du nicht! Anders war es, als Rudi Müller und Tobias Keuschnig mit den Rallyeplanen rausrückten. „Der gute Zweck für den die Rallye Allgäu Orient seit Jahren steht, begeisterte schnell auch unsere Frauen und Familien“, erinnert sich Rudi Müller. Dann musste es schon lange vor dem Start schnell gehen: Die 100 Startplätze wurden per Internetmeldung binnen zehn Minuten vergeben. Und die „fünf Buebe und a Fehl“ vom Team Generation Golf waren als Startnummer 27 dabei! Und seit dieser Nacht laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. „Generation Golf 2011“ das sind neben Rudi Müller und Tobias Keuschnig, Sebastian und Florian Schuon aus Buchenberg und Christian Weixler mit Andrea Herb aus Dietmannsried. Nach der geglückten nächtlichen Anmeldeaktion galt es, die (alten) Rallyepläne mit Leben zu erfüllen. Denn die Allgäu Orient Rallye ist eine eine etwas andere Art zu reisen. Es geht nicht um PS-starke Autos oder Rekordtempo. Eine gemütliche Spazierfahrt werde es dennoch sicher nicht, meint Rudi Müller aus Immenstadt, der wie sein Teamkollege Tobias Keuschnig aus Bad Hindelang, von den anderen Teammitgliedern ins Boot geholt wurde. Ein strenges Reglement sorgt für die besonderen Rahmenbedingungen. So müssen die eingesetzten Fahrzeuge mindestens 20 Jahre alt sein oder nicht mehr wert sein als 1111 Euro. „Das wird anhand der so genannten Schwacke-Liste geklärt“, weiß Rudi Müller. Und weg sind die Autos nach der Rallye ohnehin: Am Zielort Amman / Jordanien werden die alten PKW als Ersatzteilspender den Vertretern des Welternähungsprogrammes der Vereinten Nationen übergeben. Nutzfahrzeuge werden nicht demontiert, sondern lokalen Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt. Zwei Duos der Gruppe Generation Golf setzen auf ihre Autos, die zuhause täglich gefahren werden. „Die müssen nach der Rückkehr erst mal Autos kaufen...“ so Müller. Kopfzerbrechen macht in diesen letzten Wochen vor dem Start am 30. April in Oberstaufen die Gepäckfrage. „Am Ziel muss alles, was wieder nach Hause soll, in einen Rucksack passen oder in eine Reisetasche; das Auto ist dann ja weg“, beschreibt Tobias Keuschnig seine Überlegungen. Allzu viel mit einer Urlaubsreise hat die Allgäu Orient Rallye dann nicht zu tun. „Die Teilnehmer sollen nicht durch die Länder hetzen, sondern unterwegs auch Leute kennen lernen, die man nicht auf dem Campingplatz oder im Hotel trifft“, beschreiben Rudi Müller und Tobias Keuschnig eine weitere Feinheit. Im Durchschnitt sollen die täglichen Übernachtungskosten 11,11 Euro pro Person nicht übersteigen. „Also dreimal im Auto pennen und einmal in einem richtigen Bett für 30 Euro - das geht“, meint Müller. Allerdings bleiben den Teams noch genug Kosten. Schließlich mussten Autos gekauft und repariert werden; unterwegs müssen die Teams tanken. „Alles in allem schon happig“, meint Rudi Müller zu den Vorleistungen. Umso dankbarer sei man daher für Spenden und Sponsoringbeiträge (Konto 6122451 bei der Comdirect Bank, BLZ 200 411 44). Unterwegs gelten die Straßenverkehrsordnungen der jeweiligen Staaten. Und gehetzt werden soll ohnehin nicht: Pro Tag ist eine Strecke von 666 Kilometer das Maximum. Autobahnen, Mautstraßen sind nicht erlaubt, Navigationssysteme Tabu. Das werde auch kontrolliert... Wenn man da oder dort mal nach dem Weg fragen muss, sei das ganz im Sinne der Organisatoren und der Völkerverständigung, sagt Müller. „Belebt“ wird die Rallye durch verschiedene Aufgaben, die entweder am Start oder unterwegs bekannt gegeben werden. Eine Hürde hat „Generation Golf 2011“ schon genommen: Heuer muss jedes Team eine funktionsfähige Nähmaschine mitnehmen. Das Gerät wird natürlich am Ziel gespendet. In einem anderen Jahr waren es Kochrezepte, die in den verschiedenen Ländern gesammelt werden sollten. Nach fünf Tagen treffen sich die 100 Teams mit ihren 300 Autos bei Istanbul. Von hier geht es weiter auf festgelegten Routen und in Tagesetappen Richtung Syrien, um schließlich in Amman das gemeinsame Ziel der Allgäu Orient Rallye zu erreichen. In Jordanien werden die Fahrzeuge im Ganzen oder als Ersatzteile verkauft. Der Erlös wird gespendet und kommt der Welthungerhilfe und einer Käserei zugute, die vor etlichen Jahren mit Hilfe der Allgäu Orient Rallye gegründet wurde. Das Siegerteam bekommt übrigens statt eines neuen Autos - ein Kamel. Und weil es alles andere als einfach ist, das Tier von Jordanien ins Heimatland der Sieger zu verfrachten, wird der Hauptpreis ebenfalls gespendet oder zu Spendengeld gemacht. Um das Team „startklar“ zu machen, wurden in den vergangenen Wochen und Monaten zusammen mit dem „Team Schnitzelalm“ der gleichnamigen Gaststätte in Bad Hindelang mehrere Feste orgnaisiert. Den Erlös teilten sich das Team „Generation Golf 2011“ und das „Team Schnitzelalm“ brüderlich. Das letzte Fest steigt am Samstag, 30. April, wenn sich die beiden Teams auf den Weg machen...

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