"Für mich war er riesengroß"

Uwe Brendler vom Heimatdienst Sonthofen (von links), Bürgermeister Hubert Buhl und Rudolf Bressel von der Sudetendeutschen Landsmannschaft enthüllen die Gedenktafel für die Ankunft der Vertriebenen am ehemaligen Kopfbahnhof. Foto: Eva Veit

Am 14. März 1946 kam der erste Zug mit 385 sudetendeutschen Vertriebenen aus Freudenthal im Altvatergebirge, dem viele weitere Züge aus den ehemals deutschen Gebieten im Osten folgten, in Sonthofen an. Eine Gedenktafel vor dem Landratsamt erinnert nun an die Ankunft der Vertriebenen und an den ehemaligen Kopfbahnhof von Sonthofen, der bis 1949 an dieser Stelle in Betrieb war.

Einen „kleinen, aber bedeutenden historischen Anlaß“ nannte Bürgermeister Buhl die Enthüllung der Gedenktafel auf dem Oberallgäuer Platz. Etwa 22.000 Vertriebene und Flüchtlinge kamen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und dannach in den Landkreis Oberallgäu. Sie wurden durch den Flüchtlingskomissar auf die einzelnen Kommunen verteilt. In Sonthofen lebten sie die erste Zeit in einem Barackenlager auf dem heutigen BHS-Gelände. Die Vertriebenen hätten sich durch ihre „geschickte Art und Weise“ in Sonthofen integriert, erläuterte Buhl, ihre Anwesenheit sei „wegweisend“ für die weitere Entwicklung der Stadt gewesen. „Ein Stück des Wohlstands haben wir ihnen zu verdanken!“ Die Gedenktafel wurde auf Initiative der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die sie auch finanzieren will, aufgestellt. Rudolf Bressel von der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der als kleiner Junge selbst unter den Vertriebenen aus Freudenthal dabei war, bedankte sich bei der Stadt für die Zusammenarbeit bei der Errichtung der Gedenktafel. „Es gibt heute kaum noch Menschen unter uns, die etwas über Krieg und Nachkriegszeit wissen“, deshalb sei er froh, an dieser Stelle ein Stück Erinnerungskultur zu haben. Uwe Brendler vom Heimatdienst Sonthofen betonte die Bedeutung des ehemaligen Kopfbahnhofes für Sonthofen. 1873 erbaut, war er sehr wichtig für die wirtschaftliche und touristische Entwicklung. Gerade die großen Viehmärkte in der Markthalle, für die Sonthofen bis weit über die Grenzen des Oberallgäus bekannt war, profitierten von ihrer Nähe zum Bahnhof. „Für mich war er riesengroß,“ beschrieb Bürgermeister Hubert Buhl seine Erinnerungen an den alten Kopfbahnhof. Auch Brendler erinnert sich noch gut daran, wartete er doch 1945 als DreiJähriger, der mit seiner Familien aus dem Osten geflohen war, stundenlang im Zug vor dem Bahnhof, weil vor ihnen noch viele andere Züge mit Flüchtlingen standen. Mit dem Bau des neuen Durchgangsbahnhofs im Westen Sonthofens sei schon 1939 begonnen worden, erzählt Brendler weiter. Der Krieg unterbrach die Baumaßnahmen, es wurden sogar die Schienen wieder abmontiert, weil sie in Rußland benötigt wurden. 1949 wurde der Bahnhof eröffnet, das alte Bahnhofsgebäude stand noch bis 1962 und wurde dann im Zuge der Neugestaltung des Oberallgäuer Platzes abgerissen. Das Stadtbild Sonthofens habe sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur durch den Abriß des alten Bahnhofes sehr verändert, so Brendler. Mit dem anstehenden Abzug der Bundeswehr aus Jäger- und Grüntenkaserne und der künftigen zivilen Nutzung der Areale werde es sich weiter verändern. Auch deshalb freue es ihn, dass die Stadt Sonthofen an vielen Orten Schilder, die die Erinnerung an die Vergangenheit wahren, aufgestellt habe.

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