Gegenwind für Windräder

An den Windrädern führt kein Blick vorbei: Hans-Peter Weber (von links), Christian Keller und Karl Heininger haben versucht, möglichst realistisch darzustellen, wie sich die Windrad-Landschaft in der Bergstätte ausnehmen würde. Foto: Josef Gutsmiedl

Etwas „überfahren“ kommen sich die Menschen in der Bergstätte schon vor. Alles sei bislang eher hinter den Kulissen abgelaufen. Selbst der Immenstädter Stadtrat sei von der Möglichkeit, dass sich auf den Höhenzügen nördlich des Alpsees 200 Meter hohe Windräder drehen könnten, überrascht worden, kritisieren die Vertreter der neuen Bürgerintiative Alpsee-Bergstätte.

„Die persönliche Betroffenheit vieler Knottenrieder Bürger ist nicht unser Hauptthema“, betont Karl Heininger von der Initiative. „Es geht vielmehr um das Landschaftsbild. Bislang sind wir immer sehr behutsam mit diesem Kapital umgegangen.“ Alle, mit denen die Spitze der Bürgerinitiative bislang über die Windkraftpläne gesprochen habe, so pflichten Christian Keller und Hans-Peter Weber bei, hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Karl Heininger: „Der Tourismus hier steht und fällt mit dieser einzigartigen Landschaft.“ Und ein Blick auf die Werbeauftritte nahezu aller Ort zeige: sie alle setzen auf Begriffe wie „malerische Blick“ – „einzigartiges Alpenpanorama“ – „großartige Kulisse“. Auch wenn derzeit eine Art Goldgräberstimmung in Sachen Regenerativer Energie herrsche und der Bürgermeister diese neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten „zum Wohle der Stadt“ in Betracht ziehen müsse, sollte man sich fragen, wo die Grenzen seien, meint Christian Keller. Ob die zu erwartenden zehn Millionen Euro Einnahmen für die Stadtkasse im Laufe von zehn Jahren dafür stünden, bezweifelt nicht nur Keller. Die Karte, die der Planungsverband jetzt vorlegte, zeigt zwei Gebiete in der Bergstätte, die sowohl die erforderliche Windhäufigkeit und -qualität – mehr als 5 Meter pro Sekunde – bieten, als auch wirtschaftlich sinnvoll nutzbar wären. Bei Knottenried sind sechs bis acht große Windkraftanlagen denkbar; bei Zaumberg, keine drei Kilometer weiter, ist die Anzahl noch nicht bekannt. Moderne Windräder überragten die „Buckel“ in der Landschaft unübersehbar. Windräder bei Knottenried würde man etwa schon von der B19 bei Thanners aus sehen. „Und erst recht vom Bergbauernmuseum aus oder vom Alpseeufer...“, gibt Karl Heininger zu bedenken. Es gehe also nicht um ein paar unmittelbare Anwohner in den Ortschaften, sondern um die gesamte Gegend um den Großen Alpsee. „Das bewegt mich, treibt mich an.“ Die Initiative verweist auf das „Kapital“ der intakten Landschaft. Die öffentliche Hand habe große Summen in eine umsichtige Entwicklung des Tourismus gesteckt, begleitet von vielen privaten Investitionen. „Die Urlaubsgäste kommen doch nicht zuletzt wegen genau diesen Vorzügen. Nicht wegen einer Windrad-Kulisse, die sie womöglich daheim vor der Haustüre haben...“, sagt Christian Keller. Die Überlegungen zum Windpark Bergstätte haben offenbar bei den Grundstückseigentümern bislang wenig Euphorie ausgelöst, zeigten die Beobachtungen der Bürgerinitiative. Auch wenn da etwas Geld zu verdienen sei. „Druck“ in der Frage der regenerativen Energien voranzukommen, sieht man bei der Bürgerinitiative auch im Ziel des Landkreises, bis zum Jahr 2020 etwa 70 Prozent des Strombedarfs „alternativ“ zu decken. Die Grenze des sogenannten Ausschlussgebietes in dem große Windkraftanlagen tabu seien, werde wohl etwas nach Süden verschoben, so der Verdacht bei Keller und seinen Mitstreitern.

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