Sanierung der Oberstdorfer Skiflugschanze

"Ein Stück Oberstdorfer Heimat"

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Oberstdorf – Der Oberstdorfer Gemeinderat hat beschlossen, 1,1 Millionen Euro zur Restfinanzierung für die Sanierung der Skiflugschanze zur Verfügung zu stellen. 2018 soll im Stillachtal die Skiflug-Weltmeisterschaft stattfinden. Derzeit besitzt die Anlage kein gültiges Zertifikat für die Durchführung von Skiflugveranstaltungen. Nach kurzer Diskussion und einigen Detailfragen stimmte der Gemeinderat mit zwei Gegen- stimmen der Grünen-Fraktion für eine Bezuschussung.

Sportamtsleiter Peter Jokschat betonte die internationale Bedeutung der Anlage. Sie sei ein Wahrzeichen der Region von sportlicher und touristischer Bedeutung. Die erforderlichen Baumaßnahmen stellte Architekt Hans Martin Renn vor. So sind Erdbewegungen und Aufschüttungen im Auslauf, Korrekturen beim Anlaufbauwerk und eine Erweiterung des Kampfrichterturms notwendig, um ein neues FIS-Zertifikat zu erhalten. Dazu Verbesserungen der Infrastruktur im Zuschauerbereich, bei den Rettungswegen und der Wasserversorgung für die Beschneiung. Das Athletendorf muss neu gebaut, die Banden und die Wettkampftechnik erneuert werden. Der alte Sessellift soll durch einen Schrägaufzug ersetzt werden.

Die Gesamtkosten betragen 11,03 Millionen Euro. Davon schießen Bund und Land je 3,7 Millionen zu. Weitere 1,4 Millionen sollen vom bayrischen Wirtschaftsministerium für die Erneuerung der Aufstiegshilfe kommen. Der geplante Schrägaufzug muss von der übrigen Förderung abgekoppelt werden und nach dem EU-Beihilferecht ausgeschrieben werden. Für den Restbetrag sollen Landkreis und Gemeinde mit je 1,1 Millionen aufkommen. Durch den Verzicht auf einen Neubau der Gastronomie und die Einrichtung eines Skiflugmuseums, konnten die Gesamtkosten bei den Zuschussverhandlungen um fast 1,6 Millionen gesenkt werden.

Viel Lob von den Gemeinderäten gab es für die Verantwortlichen, die die Verhandlungen mit Bund und Land erfolgreich geführt haben und für alle, die sich politisch für Oberstdorf eingesetzt haben. Die Finanzierungsgespräche hatten sich schwierig gestaltet, da die Schanze als reine Wettkampfanlage nicht in die Förderrichtlinien des Bundes passt. Eine Sonderförderung konnte durch die bundesweite Einzigartigkeit der Anlage erreicht werden.

Die Grünen begründeten ihr Nein vor allem damit, dass sich der Internationale Ski-Verband (FIS) nicht an den Kosten beteiligt. Die FIS genieße „Narrenfreiheit“, so Bergith Hornbacher-Burgstaller und kritisierte, dass nur der Steuerzahler für die Kosten aufkommt. In die gleiche Kerbe hieb ihr Fraktionskollege Siegmund Rohrmoser: „Die FIS macht die Vorgaben und kassiert die Einnahmen aus den TV-Rechten. Bei der Finanzierung taucht sie mit keinem Euro auf“, forderte er „mehr Transparenz“.

„Die Skiflugschanze gehört genau so zu uns wie die Vierschanzentournee“ verteidigte Peter Titzler von den Freien Wählern den Zuschuss. Christian Raps nannte die Schanze „ein Stück Oberstdorfer Heimat“. „Wir sind mit null Prozent gestartet und sind jetzt bei 90 Prozent Förderung“, zeigte sich Bürgermeister Laurent Mies zufrieden. Er sprach von einer „gemeinsamen Aufgabe, die es zu schultern gilt“. Den Zeitplan hält er für realistisch. Die Bauarbeiten müssen 2016 abgeschlossen werden, damit im Winter 2017 die Vor-WM stattfinden kann.

Landkreis beteiligt sich auch

Auch der Oberallgäuer Kreistag hat sich in seiner Sitzung am Freitag mehrheitlich für eine Beteiligung an den Umbaukosten der Skiflugschanze in Oberstdorf ausgesprochen. Damit können die Planungen des Umbaus jetzt in die nächste Phase gehen.

Bereits im Kreisausschuss am Montag vergangene Woche hatte sich ein klares Votum für eine Beteiligung des Landkreises an den Kosten für den Umbau abgezeichnet. In der Kreistagssitzung am Freitag stimmten denn auch außer sechs Grünen-Kreisräte alle für einen Zuschuss des Landkreises in Höhe von 1,1 Millionen Euro – genauso viel, wie der Markt Oberstdorf zuzahlt.

Wie im Oberstdorfer Gemeinderat störten sich auch im Kreistag die Grünen daran, dass „die FIS die Gewinne einstreicht und die Verluste vor Ort lässt“, wie Thomas Gehring es ausdrückte. Die Fraktion regte zudem an, eine Art Förderver- band zu gründen, falls in Zukunft weitere Umbaukosten – ein FIS-Zertifikat gilt lediglich für fünf Jahre – anfallen.

Über den touristischen Nutzen der Skiflugschanze in Oberstdorf – die einzige in Deutschland, weltweit gibt es lediglich fünf Skiflugschanzen – war sich der Kreistag einig. Auch über Oberstdorf hinaus sei die Skiflugschanze ein Ausflugsziel, an dem die Gäste sehen könnten, in welche Tiefen sich die Skiflieger eigentlich stürzen. Eine gute „Werbung für das gesamte Allgäu“, wie Stephan Thomae (FDP) herausstellte. Wie sehr das Skifliegen in Oberstdorf verwurzelt ist, hob Klaus Häger (SPD) hervor. Wichtig sei zudem die historische Bedeutung der Schanze, schließlich sei sie 1950 vor dem Hintergrund errichtet worden, dass deutsche Sportler nach dem Zweiten Weltkrieg „geächtet“ waren und nicht an internationalen Wettkämpfen hatten teilnehmen dürfen.

Landrat Anton Klotz zeigte sich mit dem Förderanteil von knapp 90 Prozent an den Kosten durch Bund und Freistaat – „mehr geht gar nicht“ – sehr zufrieden. Kreiskämmerer Reinhard Reitzner erläuterte, dass nach den Richtlinien des Landkreises Einrichtungen, die die Marke Allgäu transportieren, keine erheblichen ökologischen Einschnitte bedeuten und keiner anderen Einrichtung im Landkreis Konkurrenz machen, förderwürdig seien.

Oberstdorfs Bürgermeister Laurent Mies entkräftete Vorwürfe, der Kreistag sei bei der Entscheidung zur Bewerbung Oberstdorfs zur Skiflug-WM nicht über mögliche Kosten in dieser Höhe informiert worden: Zum Zeitpunkt der Bewerbung sei noch nichts über Änderungen der FIS bekannt gewesen, außerdem habe FIS-Renndirektor Walter Hofer damals bei einer Begehung versichert, dass „nicht viel gemacht werden“ müsse an der Schanze.

Heinrich Bonert/Eva Veit

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