"Belastungsgrenze erreicht"

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Oberst Ulrich Kirsch (rechts) zeichnete zusammen mit Oberstleutnant a.D. Hans-Werner Goldner(von links) und Stabsfeldwebel a.D. Willi Arens verdiente Mitglieder der ERH aus: Oberstabsfeldwebel a.D. Manfred Götemann, Oberstleutnant a.D. Alfred Veit und Oberstabs-feldwebel Armin Bohner.

Sonthofen – Im Rahmen des 40-jährigen Jubiläums der selbständigen Kameradschaft ERH Sonthofen nahm Staatssekretär Dr. Gerd Müller in seinem Grußwort eindeutig Stellung zur Bundeswehr.

Kameradschaft sei die Grundlage des Dienstes. Der Dienst der Soldatinnen und Soldaten sei etwas Besonderes, weil sie aktiv für unsere Sicherheit einstehen. Dies sei das Wichtigste, was unser Staat seinen Bürgern garantieren müsse. „Wir in Berlin bekennen uns zum Dienst unserer Soldaten!“ Deshalb spreche er den Soldaten und ihren Angehörigen Dank, Anerkennung und tiefen Respekt aus. 

Er sehe sehr wohl, dass die soziale Lage der Ausgeschiedenen, der Aktiven, insbesondere der Soldaten im Einsatz und deren Angehörigen, verbessert werden müsse. Die Belastungsgrenze im Einsatz, aber auch zuhause, sei erreicht. Den Soldaten dürfe nicht noch mehr abverlangt werden. Dies gelte auch bei der Betrachtung neuer Krisenherde wie z.B. Syrien. „Deshalb sage ich: Kein neuer Auslandseinsatz! Kein Syrien-Einsatz!“ betonte MdB Dr. Gerd Müller, „Das können wir uns nicht leisten!“ 

Umbau Generaloberst Beck-Kaserne gesichert 

Zur großen Freude des 2. Sonthofer Bürgermeisters, Harald Voigt, und für die arg gebeutelte Sonthofer Garnisonsseele, hatte er quasi als Balsam die Zusage mitgebracht, dass die komplette Finanzierung für den Umbau der Generaloberst- Beck-Kaserne stehe, denn der Finanzminister habe seinen grünen Haken darunter gemacht. Diese Kaserne würde dadurch eine der modernsten Bundeswehrliegenschaften werden. In Sonthofen werde somit die größte Baustelle des Bundes in Schwaben stehen. „Es ist und bleibt unser Ziel, den Umzug auf die Burg bis 2018 abzuschließen.“ 

Lage der Bundeswehr 

Zur Festrede beim Festakt „40 Jahre Kameradschaft Ehemalige, Reservisten und Hinterblie-bene (ERH) Sonthofen“ konnte der Vorsitzende Oberstleutnant a.D. Hans-Werner Goldner den Bundesvorsitzenden des Deutschen BundeswehrVerbandes (DBwV), Oberst Ulrich Kirsch, begrüßen. Oberst Kirsch freute sich über die Einladung, weil er ja mit seiner Pensionierung zum Jahresende bald selbst dieser Kameradschaft in Sonthofen angehören werde. 

In seinem Festvortrag zur „Lage der Bundeswehr und Stand der Bundeswehrreform aus Sicht des Deutschen BundeswehrVerbandes“ zeigte er klare Positionen auf. Bei der Neuausrichtung der Bundeswehr sei rein rechnerisch die Zielgröße von maximal 185.000 erreicht. Das Verhältnis von Berufs- und Zeitsoldaten und freiwillig Wehrdienstleistenden müsse sich noch verschieben. Die Reduzierung der zivilen Beschäftigung auf die avisierten 55.000 sei noch lange nicht erreicht. Die Umstrukturierung der Truppenteile und die Reduzierung der Standorte von 394 auf 263 sei noch voll im Gange. Hierbei gebe es Standorte, in denen ein hohes Maß an Unzufriedenheit und Unsicherheit vorherrsche. 

Viele seien unentschieden, ob sie pendeln oder umziehen sollten. Dies belaste die Menschen sehr. Der Deutsche BundeswehrVerband setze sich deshalb für ein dauerhaftes Wahlrecht zwischen Umzugskostenvergütung oder Trennungsgeld ein. Denn dies müsse jeder selbst für sich entscheiden und nicht die Verwaltung vorgeben. 

Probleme bei der Rekrutierung 

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht sei die Bundeswehr eine Freiwilligenarmee geworden. Eine große Herausforderung sei deshalb künftig die Personalgewinnung. Ein guter Gradmesser sei der freiwillige Wehrdienst. Dieses Konzept sei nicht gerade ein Renner. Während der Bundesfreiwilligendienst mehr Bewerber als freie Stellen habe, hätten sich aktuell gerade Mal knapp 8.500 freiwillig Wehrdienstleistende auf 18.000 Stellen verpflichtet. 

Zudem mache die hohe Abbrecherquote von etwa 30 Prozent deutlich, dass hier ein echter Handlungsbedarf in der Anwerbung bestehe. Auch bei diesem Handlungsfeld sei der Verband nicht nur kritisch, sondern auch konstruktiv. So habe er bereits im Sommer 2010 die „Attraktivitätsagenda 2011“ mit Forderungen für eine attraktivere Bundeswehr veröffentlicht. Getreu ihres Mottos „Wir sind für unsere Mitglieder da“ hätten sie sich im Rahmen des „Beihilfestaus“ mit großem Nachdruck bis auf die Leitungsebene des Bundesverteidigungsministeriums mit Erfolg für Lösungen eingesetzt. 

„Dabei haben wir die Wut,“ so Oberst Kirsch, „das Unverständnis und die Scham der Berechtigten wegen der ausbleibenden Zahlungen und der daraus resultierenden Existenzängste transportiert.“ Eine effiziente Einsatzarmee, welche mit der Neuausrichtung der Bundeswehr erreicht werden solle, bedarf eines angepassten politischen Konzeptes (der internationalen Gemeinschaft), welches bereits zu Beginn eines Einsatzes vorhanden sein müsse. 

Es gehe zum Beispiel darum, wie der jeweilige Staat mit Hilfe Aller wieder stabil gemacht werden könne. Ebenso ist es aus Sicht des DBwV notwendig, dass die Soldatinnen und Soldaten der Parlamentsarmee bei jedem Einsatz den Rückhalt des Bundestages haben sollten, so wie es zuletzt bei der Mission „Active Fence Turkey“, bei der viele Soldaten aus Sonthofen in der Türkei stationiert sind, von Anfang an der Fall gewesen sei. 

Zum Abschluss bedankte er sich bei der Kameradschaft unter Vorsitz von Oberstleutnant a.D. Hans-Werner Goldner für 40 Jahre aktiven Gemeinschaftslebens, Kontakthaltens zwischen Ehemaligen und Aktiven der Bundeswehr und der Unterstützung für die Interessenvertretung des Deutschen BundeswehrVerbandes. 

Enge Verbundenheit mit der Stadt 

Harald Voigt, 2. Bürgermeister Sonthofens, hob hervor, dass die Stadt mit der Bundeswehr eng verwachsen sei. So sei der wirtschaftliche Aufschwung Sonthofens eng mit der Stationierung von Bundeswehreinheiten verbunden gewesen. Diese Verbundenheit möchte die Stadt mit der gemeinsamen Veranstaltung des Blaulichttages und dem Tag der offenen Tür zum Ausdruck bringen. Ebenso sei es der Stadt ein wichtiges Anliegen, mit dem gelben Band ihre Verbundenheit zu „Sonthofer Soldaten im Einsatz“ zum Ausdruck zu bringen. 

Sein besonderer Dank galt den Initiatoren des gelben Bandes von der Geberding Stitung, Kirsten Geberding und Oberstabsfeldwebel d.R. Mike Hartley, sowie den Sonthofer Initiatoren Erika und Paul Boos. Zum Ende erhielten verdiente Mitglieder aus der Hand des Bundesvorsitzenden Auszeichnungen: Stabsfeldwebel Martin Wielenberg eine Treueurkunde, Oberstleutnant a.D. Alfred Veit die Ehrenmedaille und die Oberstabsfeldwebel a.D. Armin Bohner und Manfred Götemann die Ehrennadel in Gold für ihre langjährige Mitgliedschaft.

Hans Ehrenfeld

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