Diskussion um allgäuweite Kooperationen bei den Kliniken neu entfacht

Kommt die große Fusion?

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Eine Privatisierung der Krankenhäuser wie etwa der Füssener Klinik ist laut der Verwaltungsratsvorsitzenden des KU, Maria Rita Zinnecker, aktuell kein Thema.

Landkreis – Bereits vor gut zwei Jahren wurde hinter den Kulissen über eine mögliche allgäuweite Kooperation der Klinik-Verbunde nachgedacht (der Kreisbote berichtete).

Passiert ist bis dato zwar nichts, doch nun kommt offenbar wieder Bewegung in die Sache: Beim jüngsten Cheftreffen der Allgäu GmbH haben Politiker und Wirtschaftsvertreter nun wieder offen über gemeinsame Interessen des Allgäus beraten. Die Klinikverwaltungsratsvorsitzende des Klinikverbundes Ostallgäu-Kaufbeuren (KU) und Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) war zwar selbst nicht beim Treffen dabei, hat dem Kreisboten aber auf Anfrage hierzu ihre Sicht der Dinge geschildert. 

Wie im Kreisbote berichtet, hatten die Verantwortlichen bereits vor zwei Jahren hinter den Kulissen an einer allgäuweiten Kooperation des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu und des Klinikverbundes Ostallgäu-Kaufbeuren gearbeitet. So brachte der damalige Landrat Johann Fleschhut (FW) eine „Allgäu AG“ oder „Holding“ ins Gespräch, denn „von einer noch engeren Zusammenarbeit würden grundsätzlich die Medizin und die Wirtschaftlichkeit profitieren“, betonte damals Fleschhut. 

Der Geschäftsführer des Klinikums Kempten-Oberallgäu, Andreas Ruland, warb damals im Kemptener Stadtrat ebenfalls für eine engere Zusammenarbeit der Krankenhäuser über Landkreisgrenzen hinweg. Man sei im Allgäu sehr „kleinteilig unterwegs“, so Ruland, unter dessen Leitung die Kliniken Kempten und Oberallgäu vor zwei Jahren zusammengelegt wurden. Grundsätzlich mache daher eine verstärkte Kooperation Sinn, so Ruland seinerzeit. 

Unterstütz wurde Ruland dabei von Dr. Ulrich Netzer (CSU), Ex-Oberbürgermeister und damaliger Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Kempten-Oberallgäu: „Wir sind alle der Auffassung, dass wir enger zusammen arbeiten müssen“. So dürfe man nicht nur die Teilregionen betrachten, sondern müsse die Gesamtregion sehen. Dies bedeute auch, das Unterallgäu und Memmingen ebenfalls mit ins Boot zu holen, sagte Netzer vor gut zwei Jahren gegenüber dem Kreisboten. 

Erst am Anfang 

Doch inzwischen ist viel passiert, vor allem im Ostallgäu. Statt der ursprünglich fünf Kliniken im Klinikverbund sind es nur noch drei. Marktoberdorf und Obergünzburg wurde im Zuge der Umstrukturierungsmaßnahmen geschlossen. Auch die damaligen Akteure wie Fleschhut und Netzer haben die politische Bühne verlassen. Jetzt sind unter anderem mit der neuen Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker andere Entscheidungsträger in der Pflicht. Sie wollen das Thema von vor gut zwei Jahren wieder in den Fokus rücken. Dennoch stehe man bei diesen überregionalen Diskussionen erst ganz am Anfang, eine erste Gesprächsrunde soll laut der Landrätin erst im Januar stattfinden, „Hier sollen Synergieeffekte geprüft werden“. 

Mögliche Themen könnten beispielsweise gemeinsame Beschaffungen und Einkauf sein. Auch sollte man über Kooperationen grundsätzlich nachdenken. Außerdem sieht Zinnecker einen großen Vorteil im gegenseitigen Informations- und im Erfahrungsaustausch. „Wie erfolgreich wir insgesamt sein können, wird sich zeigen“, so Zinnecker. Dass etwaige Kooperationen die Reformbemühungen im KU Ostallgäu-Kaufbeuren gefährden könnten, sieht die Klinik-Verwaltungsratsvorsitzende aktuell nicht. „Im Gegenteil, alles was uns weiterbringt unterstütze ich vollumfänglich. Aber derzeit funktioniert es nicht einmal zwischen Memmingen und dem Unterallgäu“. 

Vor allem das hohe Defizit des Klinikverbundes im Ostallgäu sei im Hinblick auf eine mögliche Kooperation ein Thema im Ober- und Unterallgäu. Laut Zinnecker erfüllt der Umstand, dass das Defizit nach wie vor zu hoch ist, „uns natürlich mit großer Sorge“.

 Reformen kommen 

Ungeachtet dessen halte man an dem eingeschlagenen Weg der Reformen im KU fest. „Die Diskussion um eine Privatisierung beziehungsweise strategische Partnerschaft ist aktuell im Ostallgäu nicht eröffnet“, so Landrätin Zinnecker. Für den Verwaltungsrat der Kliniken seien die Langzeitprognosen wichtig. „Wir müssen aber grundsätzlich offen sein für alle Wege und für denjenigen, der es dann am besten macht“, so Maria Rita Zinnecker abschließend.

Kai Lorenz/Matthias Matz

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