Baustelle Heimat

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Dreharbeiten zum Kurzfilm „Moorsequenzen“ von Veronika Dünßer-Yagci im Moorbad Oberstdorf.

Oberstdorf – „Tourismus macht Heimat“ ist das Jahresprojekt 2014 des Architekturforums Allgäu. In offenen Gesprächen will der Verein alle Akteure an einen Tisch bringen um herauszufinden, wie Tourismus und eine attraktive (Landschafts-)Baukultur zusammenpassen.

Bereits 2001 haben sich in Kempten Architekten, Bauingenieure und Architekturinteressierte aus allen Berufssparten zum „Architekturforum Kempten“ zusammengeschlossen. Durch das große Interesse wuchs der gemeinnützige Verein in den folgenden Jahren immer weiter über Kempten hinaus. Im Januar 2013 wurde schließlich aus dem „Architekturforum Kempten“ das „Architekturforum Allgäu“. Das Ziel des Vereines ist es, eine breite Öffentlichkeit für einen kritischen Umgang mit der Qualität der Allgäuer Landschaft mit seinen Siedlungen und seiner gebauten Infrastruktur zu gewinnen. Frei nach dem Motto „Baukultur ist gestaltete Umwelt, die jeden angeht.“ In diesem Jahr befasst sich das Architekturforum Allgäu mit dem Thema Tourismus – unter dem Motto „Tourismus macht Heimat“. Die Beteiligten im südlichen Oberallgäu beschäftigen sich bereits seit mehr als zwei Jahren intensiv mit den Veränderungen in der Oberallgäuer Landschaft. Der große Einfluss, den der Tourismus in der Region auf das Landschafts- und Ortsbild hat, wurde in vielen Diskussionen offenbar. Die Schönheit der Landschaft im Oberallgäu ist wichtig für die Region als Lebensraum und Urlaubsziel. Nicht nur die hohe Versiegelung im Allgäu und die wachsenden Gewerbegebiete drohen die Kulturlandschaft des Allgäus zu verändern, so Franz Schröck vom Architekturforum Allgäu.

In einer Gesprächsreihe mit dem Titel „Baustelle Heimat“ will das Architekturforum alle Akteure – Vertreter aus Gemeinden, aus der Landwirtschaft, dem Hotelgewerbe, Verschönerungsvereinen, Einheimische und Touristen – an einen Tisch bringen, um auf Augenhöhe über die regionale Baukultur zu sprechen. Zwei öffentliche Veranstaltungen – eine Gesprächsrunde zum Waltenberger Haus und eine Podiumsdiskussion zur Gestaltungssatzung von Oberstdorf – fanden bereits im Vorfeld von „Tourismus macht Heimat“ statt.

Die Auftaktveranstaltung von „Tourismus macht Heimat“ – „Baustelle Heimat_03“ – wird am 22. August im Moorbad Oberstdorf stattfinden. Dort soll das Thema „Baukunst und Fremdenverkehr“ diskutiert werden. Das Moorbad wurde bereits in den 1880er Jahren vom Verschönerungsverein Oberstdorf angelegt als attraktives Angebot für die Touristen, damals noch Sommerfrischler genannt. Der Fremdenverkehr steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen, und Oberstdorf war einer der Vorreiter. Dort erkannte man, dass sich der Ort attraktiv für seine Gäste präsentieren muss, um wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen. 1929 wurde das Bad umgebaut, für damalige Begriffe hochmodern. „Für den Gast das Beste“, war der Leitspruch. Das noch heute bei Einheimischen wie auch Touristen sehr beliebte Ausflugsziel wurde seitdem kaum umgebaut und ist nach wie vor attraktiv.

Zu Beginn der Veranstaltung wird Gemeindearchivar Eugen Thomma in die Geschichte des Moorbads einführen. Architekt Klaus Noichl informiert die Diskussionsteilnehmer über den Architekten des Moorbads, Willi Huber. Es folgen das von der BR-Moderatorin Bettina Ahne moderierte „Tischgespräch“ und zwei Videopräsentationen der Künstlerin Veronika Dünßer-Yagci. In ihrem ersten Film hat Dünßer-Yagci „Statements zum Projekt“ eingeholt und diese mit eigens komponierter Musik von Rupert Volz unterlegt. Die Statements sollen dem Zuschauer Denkanstöße geben. Auch der zweite Film „Moorsequenzen“ ist mit sphärischer Musik von Rupert Volz unterlegt und zeigt gestische Bewegungen, aufgenommen im Moorbad.

Zwei weitere Veranstaltungen zu „Tourismus macht Heimat“ stehen noch auf dem Programm: Im Oktober soll in Bad Hindelang über Perspektiven zwischen hartem und sanftem Tourismus gesprochen werden, im Oktober findet die Präsentation von „Raum Spur Hotel – Tourismus und (Beherbergungs-)Kultur“ statt, eine Videoperformance und Raum-philosophische Betrachtung. Die Ergebnisse der Gesprächsreihe sollen schließlich in einer Ausstellung und einer Publikation präsentiert werden. Die Tourismusindustrie arbeitet mit starken Bildern – beispielsweise dem sogenannten „Jodelstil“ als typisch bayerisch. Auch ein typisch Allgäuer Baustil wird den Urlaubern suggeriert, mit der Begründung „Der Gast will das so“. Aber gibt es ihn eigentlich, den typischen Allgäuer Baustil? Wie wird die Landschaft, wie die Baukultur im Allgäu wahrgenommen? Auch dies möchte das Architekturforum in einer Studie in Zusammenarbeit mit der FH Kempten herausfinden, bei der Einheimische als auch Touristen zum Thema befragt werden.

Wer an der Veranstaltung „Baustelle Heimat_03“ am Freitag, 22. August, um 20 Uhr im Moorbad Oberstdorf (Unkostenbeitrag 9 Euro, inklusive Essen und einem Getränk) teilnehmen möchte, möge sich bitte unter info@architekturforum-allgaeu.de oder auf der Facebokkseite von Tourismus macht Heimat anmelden.

Eva Veit

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