Archäologen in Bühl

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Drei der Steingeräte, die die Archäologen am Alpsee gefunden haben.

Immenstadt-Bühl – Es sind keine Sensationsfunde, aber sie lassen auf mehr schließen: Bei den Grabungen auf dem Gelände des geplanten Chalet-Hotels in Immenstadt haben Archäologen mehrere bearbeitete Steine gefunden, die wohl vor etwa 4000 Jahren von Menschen dort zurückgelassen wurden.

„Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege vermutet, dass es hier eine jungsteinzeitliche Siedlung gab!“, sagte der Archäologe Dr. Leif Steguweit, der die archäologischen Grabungen auf dem Gelände des geplanten „Chalet-Hotels“ am Alpsee in Immenstadt leitet, am Mittwoch gegenüber dem Kreisbote. Die Funde, die sein Team bislang gemacht habe, ließen aber noch keinerlei Rückschlüsse darauf zu, ob hier einst wirklich Menschen gelebt haben.

Vor mehreren Jahren waren am Ostufer des Großen Alpsees, unterhalb der Terasse, auf der das Hotel errichtet werden soll, Hinweise auf jungsteinzeitliche Pfahlbauten gefunden worden. Zudem hat ein Hobbysammler vor einigen Jahren auf dem Gelände bearbeitete Steinwerkzeuge gefunden. Daher rührten auch die Vermutungen auf eine nahe gelegene Siedlung.

Die Stadt möchte wegen des Hotelprojektes für das Gebiet einen „vorhabensbezogenen Bebauungsplan“ erstellen. Im Laufe dieses Verfahrens wurde unter anderem das Landesamt für Denkmalpflege als sogenannter „Träger öffentlicher Belange“ nach seiner Meinung zu dem Vorhaben befragt – es antwortete mit dem Hinweis auf die alten Funde. Die Stadt musste nun abwägen, was zu tun ist – und entschied sich zu den Grabungen, bevor das Bebauungsplanverfahren weiter läuft und etwas gebaut wird. Damit nicht, sollte das Bauprojekt umgesetzt werden, während der Bauarbeiten plötzlich Funde gemacht werden, die die Baumaßnahmen hinauszögern, so Markus Kennerknecht von der Stadtverwaltung.

Dr. Leif Steguweit nimmt an, dass die nun gefundenen Steingeräte gegen Ende der Jungsteinzeit, zwischen 2500 und 2200 vor Christus, hergestellt wurden. An den Steinen sind Abschlagkanten und Rillen zu sehen, die typisch sind für jungsteinzeitliche Erzeugnisse. Ob die Funde wirklich als Werkzeuge genutzt wurden oder ob sie lediglich „Abfallprodukte“ von der Werkzeugherstellung waren, lässt sich so nicht feststellen. Sicher ist jedoch, dass die Menschen in Bewegung waren: mehrere der Funde, wie der hellbraune Hornstein, sind „ortsfremdes Rohmaterial“, wie Steguweit erklärt. Das heißt, diese Gesteinsarten kommen nicht aus der unmittelbaren Umgebung des Alpsees, sondern wurden von weiter weg „eingeschleppt“.

Kommende Woche arbeitet das Archäologen-Team noch kleinflächig und sucht in etwa ein auf zwei Meter großen, flachen Gruben nach Fundstücken. Danach werden größere Flächen durchsucht. Je nachdem, ob und wieviele Hinweise auf eine jungsteinzeitliche Siedlung die Archäologen dann finden, wird das weitere Vorgehen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalschutz und der Stadt Immenstadt abgesprochen.

Eva Veit

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