Mit "Grindweh" durch den "Fasching"

Mit dem Vortrag „Die Rettung der Allgäuer Mundart“ von Dialektforscher Dr. Manfred Renn griff der Heimatdienst Hindelang ein „heißes Eisen“ auf. Rund 100 Zuhörer wollten wissen, wie weit der Verlust von Dialekt als Umgangssprache im Oberallgäu schon fortgeschritten ist - und was man möglicherweise tun könnte, um den Niedergang der Mundart zu stoppen. Denn, so Dr. Renns Fazit: Das Oberbaierische setzt sich mehr und mehr durch, als eine Art salonfähiger Dialekt. Die lokalen „Originale“, also etwa der Dialekt wie er im Ostrachtal „daheim“ ist, geraten zunehmend ins Hintertreffen und drohen zu verschwinden.

„Wenn Heimatdichter zu Exoten werden, ist es schon fünf nach zwölf“, meinte der Vorsitzende des Heimatdienstes Hindelang, Wolfgang Keßler, als er - selbst überrascht - unerwartet vielen Zuhörer begrüßen konnte. Die Pflege der Mundart sei ureigene Aufgabe des Vereins und „liegt dem Heimatdienst am Herzen“. Allerdings komme ihm der Kampf um den Dialekt vor wie das Anstürmen gegen Windmühlen á la Don Quichote. Das sei traurig, aber wohl nicht aufzuhalten, selbst wenn er bei den Jungen wieder viel Sinn für Tradition ausmache. „Richtiger“, nämlich ungekünstelter, ungefärbter Dialekt werde in Deutschland ohnehin nur im privaten Kreis gesprochen, ergänzte Dr. Manfred Renn. Renn hat an der Uni Augsburg lange Zeit in der Dialektforschung gearbeitet und maßgeblich am „Kleinen Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben“ mitgearbeitet. Das Buch beschreibt die Dialekt-Landschaft und die Feinheiten der Mundarten der Regionen. Prägnant bringt Dr. Renn die Situation auf den Punkt: Selbst wenn ein höherer Beamter des Landwirtschaftsamtes vor Bauern über Tierzucht spreche, sei es hierzulande absolut unüblich, den Vortrag im Dialekt zu halten. „Das mag man bedauern, es ist aber Tatsache“, betont Renn. Dennoch sei der Dialekt noch lange nicht tot. „Eine dialektnahe Umgangssprache ist alltäglich.“ Immerhin wird vielen Dialekten im deutschen Sprachraum eine gewisse Sympathie entgegengebracht. Nicht umsonst habe das Land Baden-Württemberg damit geworben, dass seine Menschen „alles können außer Hochdeutsch“. Doch genau hier erkennt Renn die wahre Bedrohung für die Mundarten der Region. Zunehmend werde die dialektnahe Umgangssprache verwässert: Ein durch die Medien verbreitetes Oberbaierisch greife um sich und verdränge die regionalen Dialekte in Bayern mehr und mehr. Gleich zweifach sieht Renn die alemannischen und schwäbischen Dialekte in Bedrängnis: Einmal durch die „Verpreußung“ durch die Schriftsprache. Zum anderen durch die dialektnahe Umgangssprache, eine Art Fernsehserien-Baierisch. Baierische Ausdrucksformen wie „geht’s“ und habt’s“ statt „gänd’r“ und „händ’r“ - also „geht ihr“ oder „habt ihr“ sind Renn zufolge schon Gang und Gäbe. „Das ist uns oft nicht bewußt.“ Die Macht der Medien: Die in München ansässigen Medien verbreiteten das Baierische auf allen Ebenen und verliehen diesem Dialekt eine priviliegierte Stellung, kritisiert Dr. Renn. „Andere Mundarten werden integriert oder ignoriert.“ Unter dem Strich werde den Zuhörern und Zusehern das Gefühl vermittelt: Meine eigene Mundart, sei es Schwäbisch oder Fränkisch in einer ihrer vielfältigen Facetten, ist nicht salonfähig, ja minderwertig. Dieser Entwicklung entgegentreten? Ja, aber wie? Dr. Renn rät zu mehr Selbstbewusstsein und fragt, ob etwa auf einer Allgäuer Speisekarte ein „Haferl Kaffee“ angeboten werden müsse? Das Allgäu sei schließlich kein „westliches Anhängsel“ Oberbayerns, betont Renn. Also Schluss mit „Fasching“, wenn es um „Fasnacht“ geht.

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