40 Jahre Frauen Union Oberstdorf

Der lange Atem der Oberstdorfer Frauen Union

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Hoher Geburtstagsbesuch: Staatsministerin Beate Merk (hintere Reihe von rechts) gratulierte mit CSU-Ortsvorsitzendem Adalbert Schall und dem Landtagsabgeordneten Eric Beißwenger der Frauen Union Oberstdorf mit Marga Schreiber (rechts), Barbara Ess (von links) und Irene Kraus zum 40-jährigen Jubiläum.

Oberstdorf – Ende des Jahres 1975 wurde der Ortsverband der Frauen Union in Oberstdorf gegründet. Jetzt feierten die heutige „Mannschaft“ des rührigen Ortsverbandes das 40-jährige Jubiläum - mit einer ganzen Reihe von Gründungsmitgliedern. Der kurzweilige Rückblick zeigte auf, welche Themen in diesen Jahrzehnten die „große Politik“ bestimmten, aber auch, was vor Ort die Menschen – und die Frauen in der Frauen Union – bewegte.

Gerade noch rechtzeitig waren die Frauen damals in Oberstdorf in die Gänge gekommen, 1975 – im „Jahr der Frau“. Eine Handvoll engagierter CSU-naher Frauen hob im Dezember den Oberstdorfer Ortsverband der Frauen Union aus der Taufe. Erstes Thema der kleinen Gruppe war eines der „heißen Eisen“ jener Jahre: Umweltschutz. Die Frauen Union in Oberstdorf organisierte eine Glassammlung, um ihre Kasse zu füllen und andere Projekte anzustoßen und zu fördern.

Ganze 17 Jahre lief später das Projekt „Essen auf Rädern“. Gründungsmitglied Toni Geiger erinnert sich: Das war gar nicht so einfach. Nicht wenige Wirte im Ort hatten Bedenken, dass unsere Aktion das Geschäft kaputt machen würde.“ Mit viel Durchsetzungskraft hätten sie und ihre Kolleginnen der Frauen Union diesen Service durchgesetzt. „Das klingt heute alles so einfach...“, meint die resolute Dame. „I bin scho in den Neunzgar...“, fügt sie hinzu und plaudert über alte Zeiten.

Noch ganz lebhaft in der Erinnerung ist der Frauen Union-Mannschaft der Oberstdorf-Besuch von Kanzlerkandidat Helmut Kohl in den 1980er Jahren. „Da haben wir uns was ganz besonderes einfallen lassen“, so die heutige Vorsitzende, Irene Kraus. Die Oberstdorferinnen besorgten sich 400 weiße Nelken und schafften es tatsächlich, die Blütenblätter mit Tinte weißblau einzufärben. „Wie das ging, verraten wir nicht. Wir hätten auch 1000 dieser Nelken verschenken können“, erinnert sich Elisabeth Andreas-Arnold an diesen gelungenen Wahlkampfeinsatz der FU Oberstdorf.

Die Oberstdorfer Frauen Union machte sich später mit Unterschriftenaktionen stark für den Erhalt der Geburtshilfeabteilung am Krankenhaus Oberstdorf – leider vergeblich. Die Polizeiinspektion dagegen konnte – auch Dank des Engagement der FU – in Oberstdorf gehalten werden. Seit längerem schon läuft die Aktion „Zur Plastiktüte sag‘ ich Nein...“, mit der die Oberstdorfer FU gegen die Flut von Plastiktüten kämpft und aktiven Umweltschutz propagiert.

„Es ist nicht einfach, einen Ortsverband über so lange Zeit am Leben zu halten“, unterstrich Beate Merk, Bayerns Ministerin für Europa-Angelegenheiten, in ihrer Gratulation zum Jubiläum. „Die Frauen Union ist ein wertvolles Element der CSU – und das soll so bleiben!“

In den Kinderschuhen steckte die Frauenbewegung damals nicht, wie oftmals behauptet werde, so Merk. Immerhin habe sie in jenen Jahren ihr Studium begonnen – wie viele junge Frauen. Aber auch heute müsse „noch mehr getan werden“, meinte die Minsterin. Das oft zitierte partnerschaftliche Modell zur Ausgestaltung von Familie und Kariere sei bei den meisten Arbeitgebern „noch nicht angekommen“.

Frauen brächten Entscheidungen mit Herz und Gefühl zu Wege, lobte Landrat Anton Klotz das Engagement vieler Frauen in der Politik. „Das fehlt auch heute noch oft.“ Mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingskrise schließt Klotz: „Wer engagiert sich denn? Viele Helferkreise werden von Frauen gegründet und geleitet. In hervorragender Art und Weise.“

Quotenregelungen seien nicht der Weisheit letzter Schluss, findet der Oberallgäuer CSU-Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger. Früher hätten die Männer die Spielregeln festgelegt. „Heute setzen sich Frauen auch ohne Quote durch.“ Eine Gesellschaft könne nur Erfolg haben, wenn sich die Frauen einbringen könnten, so Beißwenger. „Demokratie ist nur mit dem Engagement der Frauen zukunftsfähig.“ Es gelte in der Tat: ohne Frauen sei kein Staat zumachen.

Die Frauen Union Oberstdorf zählt rund 30 Mitglieder. „Die Werbung neuer Mitstreiterinnen gestaltet sich in der Tat schwierig“, betont die Erste Vorsitzende, Irene Kraus. Es sei generell nicht einfach, gerade junge Menschen für ein Engagement in Vereinen und Organisationen zu gewinnen, ergänzt Elisabeth Andreas-Arnold. Und wenn es dann gar um politische Arbeit gehe, sei der „Widerstand“ besonders groß, bedauert sie.

Die Aussicht auf das 50-jährige Jubiläum untermauerte Albert Titscher – das einzige männliche Fördermitglied der FU Oberstdorf – mit der Ankündigung, dass es dann, den Statuten der Marktgemeinde zufolge, ein Geldgeschenk der Kommune gebe: „Dann gibt‘s Kohle.“ Diesmal trage er jedoch gerne die Kosten der Jubiläumsfeier.

Josef Gutsmiedl

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