Grünen-Kreisrätin Ulrike Hitzler will Oberallgäuer Landrätin werden

Starke Grüne fürs Allgäu

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Der Grüne Landtagsabgeordnete Ulli Leiner (von rechts) gratulierte gemeinsam mit Kreissprecherin Elfriede Roth der Landtagskandidatin der Grünen Ulrike Hitzler.

Immenstadt-Stein - Ohne Gegenstimme nominierten die Mitglieder der Grünen-Kreisverbände Oberallgäu und Kempten Ulrike Hitzler zur Landratskandidatin für die Kommunalwahl im März 2014. Sie habe die Hälfte ihres Lebens im Oberallgäu verbracht, kenne sich im Landkreis bestens aus und traue sich zu, eine Verwaltung wie das Landratsamt zu leiten, so Hitzler.

Die 52-jährige gebürtige Oberpfälzerin arbeitet als Lehrerin in Immenstadt und kam über die Stationen Weißenhorn und Augsburg nach Weitnau. Sie gehört seit 18 Jahren dem Kreistag an und ist seit 1998 Vorsitzende der Grünen-Fraktion. Angesichts der Zukunftsthemen sei es wichtig, dass sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik engagieren. „Mit meiner Kandidatur möchte ich auch das Signal setzen: Frauen haben die Fähigkeiten Politik in der ersten Reihe zu machen”, unterstrich die Kandidatin. 

Als ein zentrales Ziel im Allgäu sieht Hitzler den Stopp der Landschaftszersiedlung. „Für Einkaufszentren, Baumärkte und Outlet-Center auf der grünen Wiese ist unsere Landschaft zu kostbar.” Auch mit Blick auf den Hochwasserschutz müsse die Flächenversiegelung ein En-de haben. Bei der Energiewende im Oberallgäu sei man nach einem parteiübergreifenden Kreistagsbeschluss auf einem guten Weg. Durch Seehofers Ruf nach größeren Abstandsflächen bei Windrädern und angesichts der Koalitionsverhandlungen in Berlin gebe es leider keine Planungssicherheit mehr. Windräder, die mit Zustimmung und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger fertig geplant sind, könnten darum nicht gebaut werden. „So funktioniert das nicht. Wir brauchen starke Grüne, damit die Energiewende vor Ort gelingen kann”, so Hitzler. 

Bei der Verkehrsentlastung setzt sie – neben anderen Bausteinen – auf die „Regionalbahn Allgäu”. 1996 von den Grünen vorgestellt, könnte diese schon längst verwirklicht sein. Trotz positiver Resonanz habe es bei der Umsetzung bis heute am politischen Willen der Mehrheit gefehlt. „Wir Grüne wollen das endlich umsetzen, um das Allgäu für Einheimische und Gäste noch attraktiver zu machen.” Überrascht zeigte sich die Kandidatin von den Aussagen des Geschäftsführers eines Oberallgäuer Bauunternehmens, der anlässlich einer Straßeneinweihung vor einer grünen Landrätin gewarnt hatte. Die Grünen hätten in den letzten Jahren lediglich einzelne, für sie unsinnige Straßenbauprojekte abgelehnt, wie die Umgehung Sulzberg. Aber noch nie Radwegeprojekte. Als grüne Landrätin werde sie allerdings darauf achten, dass es keine Kostensteigerungen beim Straßenbau mehr gibt wie bei der Brücke in Thanners. 

Zusammen mit dem Bildungspolitiker Thomas Gehring will sie dafür sorgen, dass die Schulen auf dem Land erhalten bleiben: „Unsere Kinder sollen nicht Busfahren lernen, sondern in gut ausgestatteten Schulen eine optimale Förderung erhalten.” Schulen seien – ebenso wie Kindergärten und Kitas – enorm wichtige Standortfaktoren. Angesichts des demographischen Wandels werde es zukünftig darum gehen, das Oberallgäu für junge Familien noch attraktiver zu machen. In der Gesundheitspolitik müssten die Anstrengungen der Krankenhausfinanzierung, den Problemen bei der ärztlichen Versorgung auf dem Land und der besseren Bezahlung von Pflegekräften gelten. Besonders hob sie den Einsatz ihrer Fraktion bei der Reform der Krankenhäuser hervor. 

„Immer mehr Menschen wollen gentechnikfreie, biologisch und regional erzeugte Lebensmittel”, sprach Hitzler sich für die Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft im Oberallgäu aus. Beim Tourismus seien zufriedene Gäste die beste Werbung. Sport-Großveranstaltungen seien dagegen umstritten, wie zuletzt die Bürgerentscheide zu Olympia in Oberbayern gezeigt hätten. Man werde sich weiterhin hartnäckig gegen Bauvorhaben in der Alpenschutzzone C wie am Riedberger Horn wehren. Auch Wasserkraftwerke in dreifach geschützten Gebieten ließen sich weder mit Naturschutz noch mit einer sinnvollen Tourismusentwicklung vereinbaren. „Das Allgäu braucht starke Grüne – die Menschen, die hier leben, unsere Gäste, unsere Landschaft und Natur”, schloss Hitzler ihre Rede. 

Zu den ersten Gratulanten zählte der Landtagsabgeordnete Ulli Leiner, der Hitzler auch im Namen seines Kollegen Thomas Gehring die volle Unterstützung der Abgeordneten im Wahlkampf zusagte. Lob aus der Versammlung gab es vor allem, dass Hitzler Umweltthemen in den Mittelpunkt ihrer Bewerbung gestellt hatte und für die Bereitschaft, als Frau das Landratsamt „zu erobern.” „Frauen setzen einfach andere Akzente”, findet Kreissprecherin Elfriede Roth die Kandidatur „einfach super.”

Heinrich Bonert

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