Tag der offenen Tür und Einweihung des Grünen Zentrums in Immenstadt

"Leuchtturm" für das Allgäu

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Symbolische Schlüsselübergabe von Martin Kaiser (SWW) an Landrat Anton Klotz (Mitte, beide mit Weißtännchen).

Immenstadt – Zufriedene Gesichter waren bei der Einweihungsfeier des Grünen Zentrums am neuen Immenstädter Kreisel in der Kemptener Straße zu sehen. Das prägnante dreigeschossige Gebäude mit einer Fassade aus heimischem Fichtenholz ist gemäß Dr. Ulrich Sauter, Vorsitzender des Vereins Grünes Zentrum Immenstadt e.V., „die beste Werbung für Holzbau und für das Allgäu!“

Die zahlreichen Gäste aus Wirtschaft, Behörden und Politik wurden von SWW-Geschäftsführer Martin Kaiser herzlichst begrüßt. Er dankte besonders Altlandrat Gebhard Kaiser für dessen Engagement, denn ohne ihn „wäre das Projekt nicht zustande gekommen.“ Bei diesem Bauvorhaben sei alles gut geworden dank der hervorragenden Arbeit der Planer und Handwerker. Das Gebäude sei „eine handwerkliche Meisterleistung“.

Ministerialdirigent Hubert Bittlmayer, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, lobte in seiner Festansprache die Oberallgäuer Bauern und Forstwirte: „Sie sorgen dafür, dass unser Land so schön bleibt. Sie erhalten unsere Landschaft, stärken den ländlichen Raum und liefern mit ihren Rohstoffen die Lebensgrundlage für Millionen Menschen.“ Das Grüne Zentrum stehe für eine selbstbewusste Land- und Forstwirtschaft, bei der viele Partner eng zusammen arbeiten, um die Region voranzubringen.

Hoher Stellenwert des Agrarsektors

Für Bittlmayer ist der Agrarsektor sehr wichtig, komme ihm doch eine Schlüsselrolle bei der Lösung wichtiger Zukunftsaufgaben zu: Die Weltbevölkerung wächst stetig, ihre Ernährung muss sichergestellt werden. Weiter trägt der Agrarsektor zum Erhalt der Artenvielfalt im Zeichen des Klimawandels bei – und er hilft bei der Sicherstellung des steigenden Bedarfs nach nachwachsenden Rohstoffen. Auch wenn die Stimmung im Agrarbereich gerade schlecht sei, stehe fest: „Landwirtschaft ist und hat Zukunft!“ Dabei gelte es, nicht auf Massenproduktion in der Landwirtschaft zu setzen. Es käme viel mehr auf die Menschen und ihr Können an, um Betrieben unabhängig von ihrer Größe und Ausrichtung eine Zukunftsperspektive zu geben. Es sei wichtig, Premiumprodukte zu erzeugen (regional und bio), Energie dezentral zu produzieren, in der Wertschöpfungskette „Wald – Land – Holz“ zu kooperieren und sich zusätzliche unternehmerische Standbeine zuzulegen.

Bayern, so der Ministerialdirigent weiter, sei Agrar- und Forstland Nummer 1 in Deutschland, weil die Land- und Forstwirte fleißig, gut ausgebildet, innovativ und kooperativ seien. Die Herausforderungen für die Land- und Forstwirtschaft seien enorm. Deshalb sei eine effiziente Verwaltung mit geballter Kompetenz und passenden Dienstleistungsangeboten an einem zentralen Ort das richtige strategische Konzept. Gerade hier setze das Grüne Zentrum Immenstadt als Leuchtturmprojekt an und eröffne der Region gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Landrat Anton Klotz dankte dem Team von f64-Architekten BDA mit Architekt Philip Leube für die großartige Leistung. Das Gebäude erfülle hohe Standards in Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Es sei ein Paradebeispiel für die Wertschöpfungskette „Wald – Land – Holz Allgäu“. Der Landkreis habe sich am Grünen Zentrum mit 405 000 Euro beteiligt, und so die Realisierung des Grünen Zentrums ermöglicht. Die Einweihung des Grünen Zentrums sei „ein besonderer historischer Moment in der Geschichte der Oberallgäuer Forst-, Holz-, Alp- und Landwirtschaft“. „Es ist der Beginn einer neuen partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen zehn staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen unserer Region. Ein echtes Kompetenzzentrum.“ Hier habe sich sein Vorgänger, Landrat a.D. Gebhard Kaiser, besonders verdient gemacht.

Klotz: Wir brauchen einen "Oberallgäuer Weg"

Für Klotz ist Innovation wichtig. Es bedürfe eines Oberallgäuer Weges zum Erhalt der Alp- und Landwirtschaft, um die wunderschöne Allgäuer Natur- und Kulturlandschaft zu bewahren. Allerdings, so Klotz weiter, sei die Landwirtschaft durch die aktuelle Preisentwicklung bedroht. Deshalb bedürfe es eines „50-Höfe-Programms“ für den Erhalt der Landwirtschaft im ländlichen Raum. Ebenso gelte es, die Bergwaldoffensive voranzubringen. Bei allen Überlegungen sollte aber auch aus Verbrauchersicht gedacht werden. Der Oberallgäuer Weg sei „gemeinsam und verantwortungsvoll eine nachhaltige Entwicklung im Oberallgäu voranzutreiben mit dem Ziel eines unverwechselbaren Naturraumes.“

Immenstadts 1. Bürgermeister Armin Schaupp zeigte sich sichtlich zufrieden und freute sich über dieses Kompetenzzentrum in seinem Städtle. Tobias Kracker (SWW) und Architekt Philip Leube präsentierten den Gästen die Herausforderungen und die Realisierung des Bauprojektes. Es sei ein prägendes modernes Gebäude entstanden, in welchem die Themen der Wertschöpfungskette des Grünen Zentrums „Wald – Holz – Land Allgäu“ beispielhaft umgesetzt worden sei. Dr. Ulrich Sauter stellte als langjähriger Projektleiter zufrieden fest, dass „aus einer guten Idee nach langer Zeit verbunden mit zäher Beharrlichkeit am Ende alles gut geworden ist.“ Das Gebäude habe eine positive Ausstrahlung, von außen wie von innen.

Erfolgreicher Tag der offenen Tür

Gleich am nächsten Tag öffnete das Grüne Zentrum seine Türen für die Öffentlichkeit. Die Bürger kamen zu Hauf, um das prägnante Gebäude in Augenschein zu nehmen und um sich über Aufgaben- und Leistungsspektrum des Grünen Zentrums zu informieren. Sogar Petrus hatte es gut gemeint und ließ eine Regenpause einlegen nach Wochen ununterbrochenen Regens. Der Andrang war enorm – schließlich hat das Grüne Zentrum auch einiges zu bieten, und die Verantwortlichen hatten sich für den Tag der offenen Tür viel einfallen lassen.

So gab es zum Beispiel stündliche Führungen zum Konzept des Hauses durch die Architekten Philip Leube und Andreas Franz von „f64architekten“. Die Allgäuer Alpwirtschaftsakademie und die Teilzeit-Hauswirtschaftsschule informierten über Ausbildungsmöglichkeiten. Angehende Hauswirtschafterinnen präsentierten eine gedeckte Tafel, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stand für Gespräche bereit. Auch Einblicke in die Arbeit der Fachstelle für Schutzwaldmanagement waren möglich, und die Projekte „Bergwaldoffensive“, „Natura 2000“ und „FFH“ wurden vorgestellt. Außerdem präsentierte die Forstbetriebsgemeinschaft ihre Dienstleistungen, das Holzforum Allgäu informierte über das Netzwerk Wald und Holz im Allgäu und es gab eine Brennstofforgel zu bestaunen. Das neue Haus zeigte sich von seiner besten Seite: offen und informativ, sympatisch und kommunikativ.

Das neue Grüne Zentrum in Immenstadt

Hans Ehrenfeld

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