Kampf um Gipfel und Grate

Das Jägerdenkmal auf dem Grünten.

Sonthofen - Am 12. und 13. September findet wieder der traditionelle „Grüntentag“ statt. Eine besondere Bedeutung erhält die Veranstaltung in diesem Jahr durch die Erinnerung an die Entstehung der deutschen Gebirgstruppe vor 100 Jahren.

Mit der Gedenkveranstaltung wird seit vielen Jahren an die schrecklichen Folgen von Gewalt, Terror und Kriegen erinnert. Insbesondere wird der Gebirgssoldaten aller Nationen gedacht, die in den beiden Weltkriegen gefallen, ihren Verwundungen erlegen, in Kriegsgefangenschaft verstorben oder aber durch Kriegsverbrechen ums Leben gekommen sind. Aber auch die Gebirgssoldaten der Bundeswehr, die im Einsatz für Frieden und Freiheit ums Leben gekommen oder bei Auslandseinsätzen gefallen sind, werden mit einbezogen.

Die zentrale Veranstaltung findet wie immer am Jägerdenkmal auf dem Grünten statt. Mit diesem Denkmal ist den Gefallenen des Jägerregiments 3 aus dem Ersten Weltkrieg und der Gebirgstruppe der Wehrmacht sowie den Toten und Gefallenen der Bundeswehr ein würdiges Mahnmal gesetzt.

Zahlreiche Abordnungen von Soldatenverbänden aus dem In- und Ausland, wie etwa Italien und Österreich, werden zum Grüntentag 2015 mit ihren Fahnen erwartet. Vertreter der Gebirgstruppe der Bundeswehr werden ebenfalls teilnehmen. Auch dies ist bereits Tradition. Seit 1956 legen unter anderem Vertreter der Bundeswehr und der Stadt Sonthofen bei der Gedenkveranstaltung am Jägerdenkmal Kränze nieder. Umrahmt wird die Gedenkfeier auf dem Grünten durch die Musikkapelle Rettenberg, die Alphornbläser aus Burgberg und die Oberallgäuer Feuerschützen. Die Feier findet bei jedem Wetter statt.

Die Truppen- und Gebirgsjägerkameradschaft „Grünten“ lädt alle ehemaligen sowie aktiven Soldaten und Reservisten mit ihren Angehörigen und Bekannten, aber auch alle Mitbürger ein, am „Grüntentag 2015“ teilzunehmen, um der ungezählten Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken und um ein Zeichen gegen das Vergessen und für den Frieden zu setzen.

100 Jahre Gebirgstruppe

Vor 100 Jahren wurde mit der Aufstellung des Alpenkorps die deutsche Gebirgstruppe gegründet. Anlass dafür war in erster Linie die Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn im Mai 1915. Das Alpenkorps mit einer Gesamtstärke von ca. 26.000 Mann wurde zunächst an die Frontlinie in den österreichischen Dolomiten entsandt, um dem verbündeten Österreich-Ungarn damit Unterstützung gegen Italien zu gewähren. Die eigentlichen Gebirgstruppen Österreichs waren an der Ostfront in Galizien und Serbien gebunden.

Später kämpfte das Alpenkorps an beinahe allen Kriegsschauplätzen des Ersten Weltkrieges. Es bestand in etwa zur Hälfte aus bayerischen Einheiten. Bis auf Sachsen kämpften alle deutschen Kontingente im Alpenkorps.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gab es in der Reichswehr einige Truppenteile, die zum Kampf im Gebirge befähigt waren. In der Wehrmacht schließlich wurden zahlreiche Gebirgsdivisionen aufgestellt.

Bei der Planung für die Aufstellung der Bundeswehr waren wiederum Gebirgstruppenteile vorgesehen. Hierbei haben sicher die Erfahrungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges eine wesentliche Rolle gespielt, wonach Gebirgstruppen nicht nur im Hochgebirgseinsatz, sondern auch in schwierigem Gelände und unter härtesten Witterungsbedingungen Besonderes zu leisten vermögen.

Nach Auflösung der 1956 aufgestellten Gebirgsdivision gibt es heute in der Bundeswehr nur noch die Gebirgsjägerbrigade 23 als „klassichen“ Gerbirgstruppen-Verband. Sie kann Einsätze im gesamten Einsatzspektrum durchführen, auch im schwierigen bis extremen Gelände einschließlich großer Höhen und unter extremen Klima- und Wetterbedingungen. Dazu gehören auch Einsätze im städtischen Umfeld, im Gebirge und im Hochgebirge, in der Wüste und in arktischen Bereichen.

Jägerdenkmal auf dem Grünten

Das Jubiläum ist gerade auch vor dem heutigen sicherheitspolitischen Hintergrund Anlass dafür, der unzähligen Opfer von Krieg und Gewalt in den vergangenen 100 Jahren zu gedenken. Insbesondere an die Opfer der gegnerischen und eigenen Gebirgssoldaten soll erinnert werden. Ein Beispiel hierfür ist das ehemalige Jägerregiment 3, das allein in den Jahren 1915 bis 1918 rund 3000 Tote zu beklagen hatte. Diese hohen Verluste waren der Grund dafür, dass durch die „Kriegskameradschaft der ehem. 3er-Jäger“ in den Jahren 1923 / 1924 das Jägerdenkmal auf dem Grünten errichtet wurde.

Die gedankliche Verbindung von 1915 bis heute bilden die Gedenktafeln am Mahnmal für die Toten der 3er-Jäger, der Gebirgsjäger der Wehrmacht und der Gebirgssoldaten der Bundeswehr.

Für den 7. September vor 85 Jahren plante die Kriegskameradschaft ehem. 3er-Jäger eine Gedenkfeier auf dem Grünten, bei der die Fahne der Kriegskameradschaft geweiht werden sollte. Wegen schlechten Wetters fand die Weihe allerdings in der Pfarrkirche Rettenberg statt. Die Kameradschaftsfahne – noch heute im ursprünglichen Zustand – zeigt auf der Vorderseite das Emblem der früheren Schneeschuhtruppe und nennt die Einsatzräume Dolomiten, Serbien, Vogesen und Karpathen. Auf der Rückseite sind das Abzeichen des „Karpathenkorps“, in dem das Jägerregiment 3 ebenfalls gekämpft hatte, mit Edelweiß und Hirschgeweih sowie die Namen der Einsatzgebiete Flandern, Verdun, Marne und Italien zu sehen. Anlässlich der Übergabe des Jägerdenkmals an den Grüntendenkmal-Erhaltungsverein Sonthofen e. V. beim Grüntentag 1958 ging die Fahne an den Kameradenkreis der III. / Gebirgsjägerregiment 99 über. Diese Vereinigung wurde später in Gebirgsjägerkameradschaft Sonthofen umbenannt. Nach deren Auflösung 2003 wurde die Fahne der Truppen- und Gebirgsjäger-Kameradschaft Grünten übergeben, die sie bis heute führt.

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