Hexenwerk auf dem Acker

Sonthofen - Nur alle drei Jahre führt der Heimatdienst Sonthofen das „Egga-Spiel“ auf, ein Pantomimen-Theater, das den Kampf einer Bauernfamilie in früher Zeit schildert und den Kampf der Menschen mit Naturgewalten – und Hexen und Dämonen. Heuer war es wieder soweit und mehrere Hundert Zuschauer verfolgten das einstündige Spiel, das mit der Gefangennahme der Hexe endet, auf dem Marktanger in Sonthofen.

Wenn nichts gelingen will und da und dort die Arbeit in Haus und Hof nicht klappt, heißt es im Allgäuer Dialekt „es egget“. Von diesem Ausdruck leite sich die Bezeichnung für das uralte Pantomimenspiel ab, das „Egga-Spiel“, berichtet Hermann Kracker, Erster Vorsitzender des Heimatdienstes Sonthofen. Kracker erläutert während der Aufführung auch die Thematik und die Handlung. Sonst sei es für den Beobachter, der die Geschichte, die im Egga-Spiel erzählt wird, kaum zu verfolgen, betont Kracker. Das knapp einstündige Stück zeigt den Arbeitsalltag einer Bauersfamilie, wie sie vielleicht vor vielen Jahrhunderten im Allgäu gelebt haben mag. Die Wurzeln des Egga-Spiels gehen jedenfalls bis in die vorchristliche, alemannische Zeit zurück. Bei der Feldarbeit kämpfen Bauer und Knecht mit seltsamen Geschehnissen: Die Pferde spielen verrückt, und auch das Ochsengespann will kaum gehorchen, Missverständnisse und Streit auf dem Acker – kurz: es egget an allen Ecken und Enden. Und auch im Haus scheint es zu spuken, als Gerätschaften durch die Luf fliegen und Geschirr offenbar ohne zutun von Bäuerin und Magd zu Bruch geht. Schließlich kommen die Bauersleute darauf: Hinter den ganzen bösen Streichen steckt die Hexe, die dann in einer „Saukiste“ gefangen wird. Der Heimatdienst präsentiert das „Egga-Spiel“ seit ... im Turnus von jeweils drei Jahren. In den urigen Kostümen steckten bis ins Jahr 1993 nur Buben und junge Männer. „Es war ein recht patriarchalisches Stück“, räumt Hermann Kracker ein. Doch seit 1993 dürfen auch Mädchen und junge Frauen mitspielen. Für die großen Figuren, etwa das Pferde- und Ochsengespann, müssen schon kräftige Burschen in die Masken schlüpfen. „Die beiden Pferdeköpfe sind wie alle Masken aus massivem Holz geschnitzt und wiegen jeweils knappe acht Kilogramm“, weiß Kracker. Das müsse man schon eine kräftige Nackenmuskulatur haben, um das einstündige Spiel durchzuhalten. Mit nur drei Proben war die 17-köpfige Mannschaft diesmal für die Egga-Aufführung fit. „Da war es gut, dass einige bereits vor drei und sechs Jahren mitgespielt haben“, berichtet Christa Fischer vom Heimatdienst. Mit Feuereifer sind jedenfalls alle Darsteller mit dabei – von der Katze über den Hofhund bis zur Hexe, die übrigens von einem Mann gespielt wird.

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