Hochprozentiges aus der Kreisstadt

Nachdem die Enzian-Wurzeln mit dem Hochdruckreiniger gesäubert wurden... Fotos: Eva Veit

Es war ein ungewohntes Bild, dass sich kürzlich vor der Enzianbrennerei Turra in der Sonthofer Fußgängerzone darbot: lagen doch Unmengen Wurzeln auf der Straße, die mit einem Hochdruckreiniger gereinigt wurden. Sechs Tonnen Wurzeln des Gelben Enzians säuberten Stefan Weber und seine Angestellten für die weitere Verarbeitung zum beliebten Sonthofer Enzian.

Der Gelbe Enzian zählt zu den geschützten Pflanzen. Um seine Wurzeln ausgraben zu dürfen, benötigt Weber neben dem sogenannten „Grabrecht” eine Bescheinigung der Regierung von Schwaben, wo und wieviel er graben darf. Alle drei bis vier Jahre muss er deshalb zunächst einen regen Schriftverkehr mit den Behörden führen, bevor er sich den „Rohstoff” für seinen Schnaps besorgen kann. Einen Teil der Enzianwurzeln haben Stefan Weber und seine Helfer in diesem Jahr im Oberjoch selbst gegraben – eine mühevolle Arbeit. Das nostalgische Logo der Enzianbrennerei Turra, ein Mann in Lederhosen mit einer Spitzhacke auf einer Gebirgswiese, verdeutlicht die harte Arbeit des Wurzelgrabens: Die Pflanzen wachsen erst ab 1000 Metern Meereshöhe, der Boden dort ist steinig, und die teils armdicken Wurzeln lösen sich oftmals nur widerwillig aus dem Untergrund. Da die erlaubte Grabungsmenge in Deutschland beschränkt ist und kultivierter Enzian rar, muss Weber weitere Wurzeln aus Frankreich zukaufen. Nachdem die Enzianwurzeln mit dem Hochdruckreiniger von Erde gesäubert wurden, müssen sie zunächst zerkleinert und eingemaischt werden. Hierzu füllt Weber große Kunststoffkanister zu gleichen Teilen mit Enzianwurzeln und Wasser. Zugegebene Hefe setzt den Gärungsprozess in Gange. Nun muss die Maische täglich gerührt, der Enzian untergehoben werden. Nach drei Monaten ist die Gärung abgeschlossen, der Brennprozess kann beginnen. Gebrannt wird in drei Schritten in einer Anlage aus den 1920er Jahren, die trotz ihres Alters zuverlässig ihren Dienst verrichtet. Ist das Brennen abgeschlossen, muss der Enzian erst mal ruhen. Mit den Jahren reift er, sein Geschmack rundet sich ab. Pur kann das Destillat nicht getrunken werden, es ist einfach zu bitter. Deshalb wird es nach seiner Reifung mit Wasser und Neutralalkohol vermischt. Je nach Verschnitt hat der normale Enzian 38 Volumenprozent, der Edel-Enzian 40 Volumenprozent Alkohol. Das fertige Produkt verkauft Weber, der im übrigen einer von nur zwei Enzian-Brennern im Allgäu ist, zu einem großen Teil direkt in seinem Laden. Zudem wird der „Allgäuer Gebirgs Enzian” in seinen typischen Steingutflaschen inzwischen auch über einen Online-Shop vertrieben.

Meistgelesene Artikel

Sonthofen und die Bundeswehr: eine fruchtbare "Ehe"

Sonthofen – Traditionell laden die Stadt Sonthofen und die Bundeswehr zum gemeinsamen Neujahrsempfang. Schließlich, so 1. Bürgermeister Christian …
Sonthofen und die Bundeswehr: eine fruchtbare "Ehe"

Gut-bürgerlich auf italienisch

Ofterschwang – „Gutes vom Dorf“ gibt es jetzt auch als original italienische Pizza! Das Restaurant im Ofterschwanger Haus – direkt an der …
Gut-bürgerlich auf italienisch

"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Sonthofen – Beim „Hochwasserschutz Ostrach“ arbeitet das Wasserwirtschaftswerk Kempten derzeit am letzten Bauabschnitt. Gestern wurden dafür im …
"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Kommentare