Hoffen auf "grüne" Reviere

Ludwig Geitner (links) von der Forstverwaltung hofft wie Peter Fink von der Arge Jagdgenossenschaften auf aussagekräftige Beschreibungen des nächsten „Forstlichen Gutachtens“. Foto: Josef Gutsmiedl

Schon ganz im Zeichen der bevorstehenden „Verjüngungsinventur“ im Wald stand die Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Bayerischen Bauernverband / Kreisverband Oberallgäu. In seinem Bericht unterstrich der 1. Sprecher der ArGe, Peter Fink, dass sich immer wieder zeige: Waldbegänge bringen Erfolg und Misserfolg der Jagd ans Licht. Die Neuerungen, die ins anstehende „Forstliche Gutachten“ eingebettet sind, setzen diesmal ebenfalls auf Augenschein vor Ort und lokale Details im Waldbild, um die Aussagen des Gutachtens zu untermauern.

Von Waldbegängen, bei denen die Situation erläutert und diskutiert wird, verspricht sich Peter Fink, Sprecher der ArGe Jagdgenossenschaften, einiges. Die Neuerung bei der „Verjüngungsinventur“ sei zwar aufwändiger als die bloße Kontrolle auf Verbiss an jungen Waldbäumen. Er hoffe aber auf aussagekräftigere Beschreibungen und „ein gutes Ergebnis“, so Fink. Waldbegänge dienten der Abschussplanung, die letztlich dem Wald diene, rät Fink den Jagdgenossen. Die beiden Waldbegänge der Arbeitsgemeinschaft im nördlichen Landkreis Oberallgäu hätten erneut gezeigt: hoher Wildbestand bremst die Naturverjüngung aus. „Null Verbiss ist kaum möglich; aber wenn Naturverjüngung flächendendeckend aufkommt, ist viel gewonnen“, so Fink. Mit der neuen Version des Forstlichen Gutachtens, das nunmehr „Verjüngungsinventur“ heißt, solle das Verfahren und vor allem seine Aussagen transparenter werden, schickte Ludwig Geitner vom Landwirtschaftsamt Kempten seinen Erläuterungen voraus. Weiterhin gelte der Grundsatz „Wald vor Wild“, so Geitner, und eine waid- und waldgerechte Jagd. Am Verfahren der „Inventur“ wird festgehalten. „Das ist ein statistisch und wissenschaftlich gesichertes Verfahren und von Fachleuten bestätigt“, räumte Geitner mit dem Vorwurf auf, man könne dabei „steuern“ oder „tricksen“, indem etwa die Kontrollfläche gezielt gewählt werde. Allein im Landkreis Oberallgäu werden zwischen März und Mai in den bestimmten Aufnahmefläche rund 55000 Pflanzen in Augenschein genommen. Dabei werden auch Waldpflanzen ohne Verbissspuren erfasst. Anschließend wertet die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft die Daten aus. Dort, wo im letzten Gutachten im Jahr 2009 die Verbissbelastung als „zu hoch“ oder „ deutlich zu hoch“ bewertet wurde (sogenannte „rote“ Hegegemeinschaften), erstellt die Forstbehörde ergänzende revierweise Ausagen. Das seien gutachtliche Feststellungen aufgrund der örtlichen Erkennnisse und Erfahrungen der zuständigen Forstbeamten, erklärte Geitner diese Neuerung. "Das ist kein Basar, wo verhandelt wird", stellte Geitner hiertzu fest. In den „grünen“ Hegegemeinschaften - jenen mit „günstig“ oder „tragbar“ charakterisierten Hegegemeinschaften - werden die ergänzenden Aussagen nur auf Antrag von zumindest einem Beteiligten erstellt. Zudem wird es in Zukunft in jedem Landkreis ein bis zwei Dauerbeobachtungsflächen geben, damit die Entwicklung der Verjüngung besser beurteilt werden kann. Gemeinsame, freiwillige Revierbegänge sollen Standard werden. „Alle Beteiligten sollen sich in dem Verfahren wiederfinden und die Ergebnisse mittragen“, sagte Geitner und ergänzte: „Das kann auch zu Streit führen...“ Immerhin geht es um die Abschusszahlen. Auf den Tisch kommt die Endfassung - das Gutachten und die revierbezogenen Aussagen - gegen Ende des Jahres. „Dann streiten wir wieder. Wie alle Jahre“, kann sich Ludwig Geitner schon heute vorstellen. Ziel dieser neuen Bewertung sei es, die Spreu vom Weizen zu trennen, „die Guten von den Schlechten“. Und Geitner deutete schon an, wohin die Reise gehen könne: „Wer die Schwachen schont, schädigt die Guten.“ Die Diskussionsrunde bestätigte den Eindruck, dass das Ziel, eine vollwertige Naturverjüngung ohne Schutzeinrichtungen hochzubringen, ohne „gute Jäger“ nicht zu erreiche sei. Der Sache sei nicht gedient, wenn der Jäger lediglich sein Gewehr herumtrage“, meinte Hermann Strunz von der Jagdgenossenschaft Rettenberg. „Brauchbare Jäger“ müsse man motivieren und versuchen, zu halten. „Soviele Brauchbare gibt’s gar nicht.“ Und Manfred Werne, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Kempten, riet: „Miteinander reden und frühzeitig mit allen Betroffenen klären was, schief läuft und was gut läuft.“ Es gehe nur im Miteinander, nicht mit Alleingängen. Ein Jagdvorsteher zweifelte schließlich an, ob seit der Einrichtung des Forstlichen Gutachtens im Jahr 1986 „etwas passiert“ sei und meinte lapidar: „Wohl gar nichts.“ Er hoffe, dass es mit der weiterentwickelten Fassung besser werde. Einen anderen Aspekt, der unmittelbar mit der Wild-Wald-Thematik tun hat, zeigte Rolf Eberhard vom Naturpark Nagelfluhkette auf: Störungen des Wildes und des Jagdgeschäftes durch Freizeitaktivitäten hätten in manchen „Ecken“ besorgniserregende Ausmaße angenommen. Eberhard erläuterte das Projekt „Respektiere deine Grenzen“, das die wachsende Freizeitnutzung der freien Natur mit Belangen der Land- und Forstwirtschaft, von Jagd- und Naturschutz zusammen bringen will. Das in Vorarlberg bereits bewährte Modell setzt auf Gebote und Aufklärung statt auf Verbote. In Burgberg im Oberallgäu und im Naturpark Nagelfluhkette soll „Respektiere deine Grenzen“ heuer noch an den Start gehen, berichtete Eberhard.

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