Holz hat Zukunft

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JOSEF GUTSMIEDL, Immenstadt – Die Höhen und Tiefen des Holzgeschäftes im vergangenen Jahr streiften auch die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FGB. Vor allem die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Finanzkrise schlugen auf den regionalen Holzmarkt durch: Zurückhaltung beim Einschlag; die Rezession trifft die Sägewerksbranche. Dennoch sieht sich die FGB weiterhin gut aufgestellt und auf dem richtigen Weg. Die Bergwaldoffensive sei eine „einmalige Chance“, die Waldstruktur nachhaltig zu verbessern. Der auf weiteres Wachstum ausgerichtete Holzmarkt litt unter dem Mitte des Jahres 2008 aufziehenden „Gewitter“ der internationalen Finanzkrise. Als Gastreferent sprach der ehemalige Forstamtsleiter in Bad Reichenhall, Dr. Georg Meister, über „das alte Thema“ der Wild-Wald-Problematik. Der Erste Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FBG, Johann Jordan, zeichnete anlässlich der Mitgliederversammlung in Immenstadt-Stein das Bild des Holzmarktes in vergangenen Jahr nach. Zwar seien früh im Jahr „erste Dellen“ in den Grafiken zur Entwicklung des Holzpreises ersichtlich gewesen, doch bis zum Sommer habe sich die Lage wieder beruhigt. Dann aber sei der Exportmarkt zusammen gebrochen. „Der Preisrückgang hat uns mit voller Wucht erwischt“, sagt Jordan. Spürbare Beben Auch in der Region war das „Beben“ zu spüren. Immerhin waren Kapazitäten von 7 Millionen Festmeter geschaffen worden – in der Hoffnung auf weiteres Wachstum. „Die FBG ist bemüht, durch eine breite Streuung die Risiken für ihre Mitglieder zu minimieren“, betont Johann Jordan. „Befolgen Sie unsere Ratschläge – Sie profitieren davon“, gab Jordan den Mitgliedern mit auf den Weg. Detaillierter beschrieb FGB-Geschäftsführer Roman Prestele, die zurückliegenden Monate. „Eigentlich ein gutes Jahr; aber die Märkte sind nun einmal wie sie sind...“, meinte er. Zwar sei der Schnittholzmarkt eingebrochen, doch entsprechend „massiv“ zog die Nachfrage nach Pellets an, eigentlich „Abfall“, Nebenprodukt der Sägewerke. Dennoch seien Wunschpreise oft nicht erreichbar gewesen, musste Prestele einräumen und lobte die Mitglieder für „Markt orientiertes Verhalten“, weil der Holzeinschlag reduziert worden war. Andererseits dürfe man nicht zu lange spekulieren. Ein schneller Markt verlange schnelle Reaktionen. Prestele hofft, dass das Konjunkturpaket wieder zu einer Belebung des Marktes führt. „Vielleicht kommt bei uns was an.“ Einen leichten Einbruch gab es für die FBG beim Vermarktungsergebnis: Nach 66400 Festmeter im Jahr 2007 wurden im vergangenen Jahr „nur“ 61500 Festmeter verkauft. Auch das laufende Jahr sei bislang nicht so gut angelaufen wie Ende des Vorjahres erhofft, als viele den noch guten Erlös nutzten. Drei Viertel des Umsatzes werde lokal getätigt, erläuterte Roman Prestele: Wir sind regional aufgestellt.“ In den Export gingen 16 Prozent. Zum „interessanten Markt“ mauserte sich offenbar die Energieholz-Nutzung. Holzheizungen seien im Aufwind, die Nachfrage nach Pellets und Hackschnitzel steige. Prestele: „Vor zehn Jahren wurde dieser Sektor noch belächelt – heute ist es ein interessantes Geschäft.“ Als „buntes Klientel“ bezeichnete Prestele die besondere Struktur der Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu. 70 Prozent der Mitglieder besitzen jeweils Waldflächen, die kleiner als fünf Hektar groß sind. Andererseits halten allein 26 Mitglieder rund die Hälfte der Fläche von 20000 Hektar im Bereich der FBG. „Die Leute kommen zu uns“, sagte der Geschäftsführer. Offenbar seien sie mit dem Dienstleistungsangebot der FBG zufrieden. Auch bei den so genannten Waldbetreuungen macht Prestele einen Zuwachs aus. Die FBG verstehe sich als Interessenvertreter der Waldbesitzer in der Region, fasste Prestele die Leitgedanken der FBG zusammen. Dazu gehöre auch eine politische Einflussnahme. Märkte gewinnen und halten, sei der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu verpflichtende Aufgabe. So werde man auch das Jahr 2009 meistern, meinte er optimistisch. Und Vorsitzender Jordan kommentierte die Bilanz des Geschäftsführers: Im Team sind wir stark. Bei der FBG geht’s bergauf.“ Man sei „an allen Fronten aktiv“ und werde auch in Zukunft „die Kurve kriegen“. Aktueller denn je, werde wohl die Frage nach der Rolle der Jagd, unterstricht Johann Jordan mit Blick auf die Herausforderung der „Bergwaldoffensive“. Jordan: „Eine einmalige Chance, die es gilt zu nutzen.“ Was die Beteiligung der Forstbetriebsgenossenschaft angehe, wünsche er sich eine Schlepper geeignete Feinerschließung – und Schritte, den Wildbestand zu reduzieren. Massive Schäden „Die Abschussplanungen müssen so gestaltet sein, dass die Naturverjüngung Vorrang hat“, forderte Jordan. Er verwies auf die Ertragsausfälle durch Schälschäden. Allein diese Schäden beliefen sich in Bayern auf durchschnittlich auf 55 bis 70 Euro pro Hektar. Jordan: „Der Waldbesitzer verliert.“ „Die Bergwaldoffensive muss ein Erfolg werden. Viele Millionen dürfen nicht in Wildmägen landen...“, schloss Jordan seinen Bericht.. Zu einem ähnlichen Fazit kommt auch der ehemalige Forstamtsleiter in Bad Reichenhall, Dr.Georg Meister, den die FBG für einen Kurzvortrag anlässlich der Mitgliederversammlung gewonnen hatte. Der Förster und Jäger hatte sich im Lauf seiner Berufstätigkeit zu einem leidenschaftlichen Anwalt des naturnahen Waldes gemacht und seinen jahrzehntelangen Kampf gegen Jagdlobby und Bürokratie in seinem Buch „Tatort Wald“ dokumentiert. Meister kritisierte die traditionelle, gängige Ansitzjagd. „Erfolgreich ist nur die Drückjagd, wie es der Wolf macht“, betonte Meister. Der Leiter der Abteilung Forsten am Amt für Landwirtschaft und Forsten Kempten, Dr.Ulrich Sauter, skizzierte die Strategie der im Vorjahr angestoßenen „Bergwaldoffensive“. Möglichst alle Waldbesitzer sollen für das Ziel, einen naturnahen en Anforderungen der Zukunft gewachsen sein wird, zusammen arbeiten mit Behörden und Forstlichen Einrichtungen und auch der Jagd. Erste Gespräche seien positiv verlaufen. Sauter griff schließlich die aktuelle Diskussion über das so genannte Vegetationsgutachten auf. Die Bestandserhebungen im Abstand von jeweils drei Jahren laufen derzeit im Landkreis Oberallgäu an. „Das Verfahren ist sehr gut geeignet“, sagte Sauter. Er rät zudem den Jagdgenossenschaft: Lieber weniger Jagdpacht, aber stattdessen gute Jäger.

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