Honig für den Thronfolger

Allgäu – Zu Weihnachten erhielt der britische Prinz Charles ein ganz besonderes Geschenk aus dem Allgäu: Eine Auswahl bester Bienenhonige wurde der Königlichen Hoheit zum Weihnachtsfest „unter den Tannenbaum gelegt“. Seit dem Sommer bietet der Imkerverein Kempten-Oberallgäu einen Frauenimkerkurs an und regelmäßig treffen sich die Teilnehmerinnen mit ihren Vereinskollegen zu Fortbildungen. Jetzt standen nicht nur Pflegemaßnahmen der Bienenvölker vor dem Winter auf dem Programm, sondern auch ein Päckchen für „Your Royal Highness...“ – so beginnt das Schreiben, das sie der Sendung beigelegt haben.

Die Imker und Imkerinnen tun dies aus Sympathie und Protest. Sie unterstützen mit ihrer Aktion den königlichen Kampf gegen Agro-Gentechnologie. Denn im August dieses Jahres hatte Prinz Charles in einem Interview der Zeitung „Daily Telegraph“ scharfe Kritik an der Agro-Gentechnik und an den Exzessen der industriellen Landwirtschaft geübt. Der Einsatz von Gentechnik führe „zur größten Umweltkatastrophe aller Zeiten", so der Kronprinz seinerzeit. Die Saatgutbetriebe hätten ein Experiment gestartet, das „ernsthafte Folgen hat, die nur schwer zu unterbinden sind." Die Äußerungen von Prinz Charles wurden von der Gentechnik-Lobby kritisiert und verunglimpft. Daraufhin hat sich eine Reihe von Imkerverbänden entschlossen, ihm in dieser Debatte öffentlichkeitswirksam den Rücken zu stärken. Weltweit senden Imker nun ein Glas Honig als Ausdruck ihrer Unterstützung nach London. Toni Stiefenhofer, Tierwirtschaftsmeister und Vorsitzender des Imkervereins Kempten-Oberallgäu, und seine Frau Rosi haben den Honig für das Päckchen gespendet. „Wir Imker im Allgäu freuen uns, dass sich Prinz Charles so klar für eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft ausspricht“, so Rosi Stiefenhofer. „Die Aussagen des englischen Thronfolgers decken sich mit den Erfahrungen unserer Imkerkollegen. Bienen und andere Blütenbestäuber sind durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft mit Pestiziden und gentechnisch veränderten Pflanzen in ihrer Existenz gefährdet“, erklärte sie. In Augsburg habe bereits der Imker Karl Heinz Bablock seine gesamte Ernte in der Müllverbrennungsanlage entsorgen müssen. Ein Schaden von rund 10000 Euro sei entstanden, weil in seinem Honig Pollen des veränderten Mais „MON 810" nachgewiesen wurden. „Das ist eine Katastrophe. Wenn das weiter geht, hören viele Imker auf“, weiß Toni Stiefenhofer. „Bienen- und Imkerfleiß sorgen jährlich in Bayern für 6000 bis 8000 Tonnen Honig, das ist ein Drittel der deutschen Ernte“, berichtete Stiefenhofer. Der volkswirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung liege mindestens um das Zehnfache höher als der Erlös aus Honig und Wachs. „Ohne Imker keine Bienen, ohne Bienen keine Bestäubung und ohne Bestäubung keine Äpfel, keine Birnen, keine Ölsaaten. Rund ein Drittel aller menschlichen Nahrungsmittel werden von Bienen bestäubt", erklärt er. Weitere Informationen zum Frauenimkerkurs gibt Toni Stiefenhofer unter der Telefonnummer 08370/1585. Näheres zur Aktion „Honig für Prinz Charles“ gibt es im Internet unter www.mellifera.de.

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