Landkreis Oberallgäu: Die Unterkünfte für Asylbewerber werden knapp

"Nur eine Notlösung"

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Bislang stehen 20 Betten – „solide aber günstig“, wie Pressesprecher Andreas Kaenders betont – in der Turnhalle der Berufsschule für Asylbewerber zur Verfügung. Bei Bedarf werden mehr Stockbetten aufgestellt.

Immenstadt – 800 Asylbewerber leben derzeit im Oberallgäu, 20 davon seit heute in der Turnhalle der Berufsschule Immenstadt. Die neue Gemeinschaftsunterkunft ist eine Notlösung – der Landkreis findet keine weiteren Gebäude, in denen er Flüchtlinge unterbringen kann. Die Grüntenkaserne in Sonthofen, ursprünglich als Gemeinschaftsunterkunft geplant, dient seit Monaten als Erstaufnahmeeinrichtung, die durchgehend mit 200 zusätzlichen Asylsuchenden voll belegt ist.

Der Hallenboden ist mit Holzplatten abgedeckt. Zehn Stockbetten, Tische und Stühle, vier große Kühlschränke. Spinde fehlen noch. Sie werden erst am nächsten Tag geliefert. Auf den Betten liegen je eine Decke, ein Kissen, Bettwäsche und eine Packung Waschmittel. In Nebenräumen Waschmaschinen und Wäschetrockner, Waschräume und Toiletten für Männer und Frauen. Im ersten Stock befindet sich die Essensausgabe. Trist, keine Privatsphäre, so der Eindruck in der Turnhalle der Berufsschule Immenstadt.

Es ist Mittwoch. Am nächsten Tag sollen die ersten 20 Asylbewerber hier einziehen. Eine Notlösung, die schlechteste aller Lösung, hoffentlich nur eine Übergangslösung sagen die Mitarbeiter des Landratsamtes, die am Mittwoch den Pressevertretern die Gemeinschaftsunterkunft vorstellten.

Die Flut an Asylsuchenden reißt nicht ab, das Landratsamt arbeitet inzwischen im Krisenmodus, weil die Mitarbeiter, die eigentlich mit den Belangen der Asylbewerber betraut sind, in Arbeit versinken. Bis Ende des Jahres werden wohl 1.600 Flüchtlinge im Oberallgäu leben – doppelt so viele wie im Moment. Peter Wagenbrenner, der für die Unterkünfte zuständig ist, ist erst mal „froh, dass jetzt Unterstützung aus dem Landratsamt kommt“. Unter anderem wurden Hausmeister angestellt, die ihn in seiner Arbeit entlasten.

Trotz allem will der Landkreis die Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen, wie Landrat Anton Klotz in einer Informationsveranstaltung in Oberstdorf kürzlich hervorhob. Doch die Wohnkapazitäten reichen einfach nicht mehr aus. „Ich versuche immer noch, die Solidarität in den Gemeinden zu wecken“, sagte Klotz im Gespräch mit dem Kreisboten. „Zwangszuweisungen“ an die Gemeinden will er nicht vornehmen. Nach wie vor haben nicht alle Gemeinden Asylbewerber aufgenommen.

Roland Hölzle vom Landratsamt hofft, dass die Menschen „nicht zu lange“ in der Turnhalle bleiben müssen, dass die Halle quasi als Zwischenunterkunft dient, bis neue Objekte gefunden werden. Maximal 150 Leute können in der Halle untergebracht werden – weitere Betten stehen bereit. „Wir tun alles, um das zu verhindern“, sagt Hölzle. An der Halle ist 24 Stunden am Tag ein Sicherheitsdienst aktiv. Nur die Bewohner dürfen in die Halle. Derzeit arbeitet der Dienst in drei Schichten à zwei Personen. Wenn mehr Menschen in der Halle unterkommen, wird auch der Sicherheitsdienst aufgestockt.

„Nach meiner Erfahrung gibt es an jedem Ort, an dem Asylbewerber unterkommen, immer ein paar, die dagegen sind“, sagt Peter Wagenbrenner. Aber die Akzeptenz insgesamt sei dann doch sehr groß. „Die Menschen sind dankbar, dass sie hier sind“, weiß Günter Zeller vom Fachbereich Soziales zu berichten. „Spitzbuben“ gebe es überall, genauso wie Streitigkeiten. Insgesamt sei im Oberallgäu die Stimmung recht gut – viele Menschen engagieren sich in Helferkreisen und unterstützen die Asylsuchenden. Eine gute „Willkommenskultur“ ist wichtig, unterstreicht auch Landrat Anton Klotz. Mit zunehmender Zahl an Asylbewerbern steige auch die Zahl ihrer Gegner – hier müsse man gegenarbeiten.

eva

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