Haus Oberallgäu in Sonthofen künftig ohne Pächter

Erst mal auf Probe

+
Die Stadt ist zuversichtlich, dass das Haus Oberallgäu künftig auch ohne festen Pächter gut angenommen wird.

Sonthofen – Seit Anfang Januar hat das Haus Oberallgäu keinen Pächter mehr. Ständig steigende Betriebsdefizite haben die Stadtverwaltung veranlasst, über ein neues Betriebskonzept des ehemaligen Soldatenheimes nach- zudenken. Vergangenen Freitag lud die Stadt nun zu einem Informationsabend. Eingeladen waren unter anderem die Vereine, die im Haus Oberallgäu „zu Hause“ sind oder dort ihre Veranstaltungen durchführen.

In den vergangenen sieben Jahren, seit die Stadt das Haus Oberallgäu von der Evangelischen Landesarbeitsgemeinschaft Bayern für Soldatenbetreuung übernommen hat, habe das Haus drei verschiedene Pächter gehabt, erläuterte Helmut Maier. Der Leiter des Fachbereiches Sport/Kultur hat gemeinsam mit Manfred Maier, dem Persönlichen Referenten des Bürgermeisters und Franz Friedberger, Leiter des Baureferats in den vergangenen Monaten in einer Projektgruppe an dem neuen Betriebskonzept für das Haus Oberallgäu gearbeitet.

Hohe Betriebskosten, Qualitätsmängel, eine hohe Dichte gastronomischer Betriebe in Sonthofen, mangelnde Auslastung der Veranstaltungsräume und nicht zu Letzt das ständig steigende Betriebsdefizit (2011 musste die Stadt noch 89.000 Euro Defizit decken, 2014 schon 135.000 Euro) hätten gezeigt, dass das Betriebskonzept so nicht mehr tragbar sei. Maier gab zu Bedenken, dass die Nachbargemeinden mit ihren Veranstaltungshallen – der Hofgarten in Immenstadt, das Kitzebichl in Bolsterlang – auch Probleme hätten, positiv zu Wirtschaften.

Das neue Betriebskonzept sieht keinen Pächter und somit auch keinen eigenständigen Gastronomiebetrieb mehr für das Haus Oberallgäu vor. Für die Verpflegung bei Veranstaltungen sorgt künftig Walter Kaufmann, der schon erfolgreich das Tennisheim in der Illersiedlung geleitet hat, mit seiner Firma BavariaBarCatering. Kaufmann kümmert sich auch um Veranstaltungsequipment wie Licht- und Tontechnik. Mit diesem Konzept will die Stadt „möglichst allen Ansprüchen der Veranstalter gerecht werden“, so Maier. Auch externe Veranstalter sollen mit diesem „Rundum-Paket“ angezogen werden. Das Haus Oberallgäu solle damit besser vermarktet, die Frequenz der Veranstaltungen erhöht und damit das Betriebsdefizit verringert werden. Veranstaltungen in den ersten beiden Januarwochen hätten gezeigt, dass das neue Konzept gut ankäme, erläuterte Maier. Auch für Februar und März seien schon einige größere Veranstaltungen im Haus Oberallgäu geplant, es habe auch schon mehrere Anfragen aus anderen Gemeinden gegeben.

Das neue Betriebskonzept soll zunächst einmal bis Ende Juni 2015 getestet werden. Die Vereine und Verbände sollen natürlich auch in Zukunft wie gewohnt die Räumlichkeiten nutzen können. Derzeit werde ein Belegungsplan erstellt, es fehle allerdings noch die Rückmeldung einiger Vereine, wann und wie oft sie Räumlichkeiten brauchen, so Maier weiter. In den kommenden Wochen werde die Stadt Getränke-, Kaffee- und Snackautomaten aufstellen, damit die Grundver- sorgung gewährleistet sei.

Auch die Soldatenbetreuung behält ihren Platz im Haus Oberallgäu. Zudem sollen Teile des Haus Oberallgäu fest vermietet werden; der erste Mieter steht schon fest: Der lokale Radiosender „AllgäuHit“ wird künftig aus dem Haus Oberallgäu senden – aus einer Art „gläsernem Studio“.

Das Haus biete wesentlich mehr Möglichkeiten als bislang genutzt, führte Maier weiter aus. So sei im Untergeschoß ein schöner Ballettraum eingerichtet, und auch die Kegelbahn funktioniere noch. Hierfür hätten sich auch schon Interessenten gemeldet, die die Räume anderweitig nutzen wollten, beispielsweise eine Tanzschule. Das Haus Oberallgäu wird künftig nicht mehr den ganzen Tag offen stehen – nur bei Veranstaltungen. Die Vereine und Gruppierungen bekommen Schlüsselkarten, um ins Haus zu kommen. „Die Gruppen und Vereine sollen sich hier heimisch fühlen“, hob Maier hervor. In den kommenden Mona- ten sei das Büro im Haus Oberallgäu montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr besetzt, für weitere Rückfragen, Reservierungsanfragen etc.

Derzeit arbeite die Stadt auch an einem neuen „Mietspiegel“ für das Haus Oberallgäu. Auf Nachfrage des Schachclubs Sonthofen, wie hoch denn die Miete sei, antwortete Bürgermeister Christian Wilhelm, dass die Stadt bemüht sei, die Raummiete so gering wie möglich zu halten, insbesondere für kleine Vereine. Dr. Joachim Unger von der Gesellschaft „Freunde der Musik“ gab zu bedenken, dass Sport und Kultur gleich behandelt werden sollten – die Sportvereine zahlten schließlich auch nichts für die Nutzung der städtischen Sporthallen.

„Wir können vorher nicht sagen, wie viele Besucher überhaupt etwas essen, wie viele nur eine Kleinigkeit, und wieviele mehr essen wollen“, formulierte Vorsitzender Gerd Rüben die Sorgen der Sonthofer Fasnachtszunft bezüglich des Caterings bei ihren Faschingsbällen. Der Verein fürchte, er werde auf den Kosten für zu viel bestelltes Essen sitzen bleiben. „Alles, was vakuumverpackt ist und tiefgekühlt bleibt wird nicht berechnet“, versuchte Walter Kaufmann die Vereine zu beruhigen. Probleme müssten besprochen werden, „es gibt immer Lösungen“. Speisen wie Wienerle und Pommes könnten gut portioniert gelagert werden.

„Für solche Fälle muss man nach Lösungen suchen“, betonte auch Bürgermeister Christina Wilhelm. Man müsse versuchen, das Risiko zu minimieren. „Bislang hing das Risiko halt am Pächter“, so Wilhelm weiter; auch das sei einer der Gründe für das hohe Betriebsdefizit gewesen. Als Alternative verwies Wilhelm auf die Markthalle als Veranstaltungsort. Dort könnten die Vereine günstig ihre Veranstaltungen durchführen und seien für die Bewirtung selbst verantwortlich. Wilhelm zeigte die Faschingsfreunde Hillaria als Beispiel auf.

Eva Veit

Meistgelesene Artikel

"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Sonthofen – Beim „Hochwasserschutz Ostrach“ arbeitet das Wasserwirtschaftswerk Kempten derzeit am letzten Bauabschnitt. Gestern wurden dafür im …
"Kein schönes Bild, aber notwendig"

Integration als großes Thema auf dem Arbeitsmarkt

Allgäu – Mit dem Wort Stabilität lassen sich die Ergebnisse des Arbeitsmarktes im Geschäftsbereich der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen im …
Integration als großes Thema auf dem Arbeitsmarkt

Drogen: Streit in Immenstadt eskaliert

Immenstadt - Am späten Dienstagabend eskalierte ein Streit unter zwei Paaren im Alter von 20 bis 30 Jahren in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses …
Drogen: Streit in Immenstadt eskaliert

Kommentare