Kombiklasse Missen: Gemischte Zwischenbilanz

Erster Bürgermeister Hans-Ulrich von Laer (von links), mit der Abgeordneten Ulrike Müller und Andrea Walser, Leiterin der Grundschule Missen.

Missen - Ein Inklusionskind in einer auch noch neu eingeführten, sehr großen Grundschul-Kombiklasse der Jahrgangsstufe eins und zwei: Mit ganz besonderen Herausforderungen startete die Grundschule Missen im September in das laufende Schuljahr. Die Bilanz zum nahenden Halbjahr fällt durchwachsen aus, stellte sich bei einem Besuch der Freie-Wähler-Landtagsabgeordneten Ulrike Müller heraus.

„Es ist die Quadratur des Kreises, die wir hier versuchen“, sagt Schulleiterin Andrea Walser. Doch in ihren Worten schwingt auch eine Spur Stolz mit. Die Kombi-Klasse, eine neue Form, bei der zwei Jahrgangsstufen zu einer zusammengefasst werden, bringe für die Kinder einige Vorteile mit sich. „Die Großen helfen den Kleinen. Und oft haben die Großen was davon, wenn sie den Stoff nochmal wiederholen können“, erläutert Klassenleiterin Anke Zettler-Hörmann. 

Doch gleichzeitig für 23 Kinder in zwei Klassenstufen plus ein „sozial-emotional“ behindertes Kind zuständig zu sein, sei eine enorme Herausforderung und koste Kraft, berichtet Zettler-Hörmann der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Freie-Wähler- Landtagsfraktion. Denn eine solche Behinderung stelle „eine viel größere Belastung dar“ als etwa ein körperbehindertes Kind, so die stellvertretende Schulleiterin weiter. 

„Hier zeigt sich, dass im Landtag ein Inklusionsgesetz beschlossen wurde, ohne den Konsequenzen Rechnung zu tragen. Die wären in diesem und ähnlichen Fällen, mehr Personal zur Verfügung zu stellen“, so Ulrike Müller und fügt an: „Seit Jahren fordere ich zudem eine Begrenzung der Klassenstärke in Grundschulen. Ideal wäre ein Durchschnitt von etwa 16 Schülern. Ich werde hier auch weiterhin nicht lockerlassen, um unseren Kindern eine für ihre Entwicklung adäquate Lern- und Schulsituation zu ermöglichen.“ 

Um die Kombi-Klasse in dieser Form überhaupt in Missen anbieten zu können, war eine gute Vorbereitung zweier Lehrerinnen nötig. „Mit großem Engagement haben sich Anke Zettler-Hörmann und Sylvia Welsch in Lehrgängen auf die Aufgabe vorbereitet. Dazu kommt, dass man die erste und zweite Klasse mehrfach durchlaufen haben muss, um eine Kombi-Klasse führen zu können“, erläutert Schulleiterin Walser und sagt: Viele anfängliche Schwierigkeiten seien „dank des großen Engagements der Lehrkräfte und der idealen Unterstützung der Gemeinde“ nun überwunden. 

Doch zum Ende des Schuljahres stehe die Landschule vor neuen Schwierigkeiten, berichtet Walser. Sollte die erste Klasse, wie die derzeit vorliegenden Zahlen vorgeben, mit 18 Kindern starten, müsste die Kombiklasse mit den jetzigen Schülern als zwei-drei weiterlaufen, so Walser weiter, was pädagogisch nicht ideal sei, „denn die Großen bleiben die Großen, die Kleinen bleiben die Kleinen.“ 

Mit Einführung der Kombi-Klasse streicht das Kultus-Ministerium im kommenden Schuljahr obendrein die Sekretärin, die bisher als Entlastung der Schulleitung einige Stunden pro Woche Verwaltungsarbeit übernommen hatte. „Meine große Befürchtung ist, dass dieser erst 2010 sanierten Landschule das Aus droht“, so Ulrike Müller. Sie fordert: „Wir müssen alles daran setzen, dass eine möglichst nahe Schule für die Kinder in den speziellen ländlichen Strukturen des Allgäus erhalten bleibt. Sechs- und Siebenjährigen ist eine tägliche eineinhalbstündige Busfahrt nicht zumutbar. Außerdem profitieren alle von einem intakten, behüteten Umfeld der Kinder, wie wir es hier noch vorfinden.“

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