Inseln in steilem Gelände

Diese "Inseln" sollen aufgeweitet werden, damit Licht auf den Waldboden fällt und die Verjüngung bessere Bedingungen bekommt.

Von „außen“ sieht man nicht viel. Doch im Projektgebiet Grünten der Bergwaldoffensive geht es „rund“. Mit einem Sammelhieb werden auf neun kleinräumigen Flächen rund 1500 Festmeter Fichte gefällt, um anschließend per Hubschrauberbringung aus den Steillagen zum Abtransport in Tallagen geflogen zu werden.

Die „Kunst“ bei dieser Maßnahme im Rahmen der Bergwaldoffensive sieht der zuständige Revierförster, Robert Baldauf, darin, eine stattliche Zahl von Waldbesitzern unter einen Hut gebracht zu haben. Denn die einzelnen Parzellen sind hier an der Westflanke des Burgberger Hörnles ausgesprochen schmal und langgestreckt – oft nur 30 bis 50 Meter breit und 300 bis 500 Meter lang. „Das Gelände ist zudem ausgesprochen steil. Eine Bewirtschaftung ist hier kaum möglich“, erläutert Baldauf. Bis zu 40 Grad steigen die Flächen an; weglos. Früher, vor ein, zwei Generationen brachte man einzelne Stämme in natürlichen Rinnen und Gräben nach unten, Richtung Burgberg. Heute lohnt sich das längst nicht mehr. Einzige Möglichkeit, hier noch wenigsten seinen kleinen Erlös für die Waldbesitzer zu erzielen, sei schließlich ein Sammelhieb im Zuge der Bergwaldoffensive gewesen, so Baldauf weiter. Auf rund 80 Euro schätzen Baldauf und Einsatzleiter Bernd Schulze vom Unternehmen „Flugholz“ die Kosten – von der Fällung über den Abtransport bis zur Vermarktung. Bei einem ordentlichen Holzpreis und dem Zuschuss aus Mitteln des Freistaates blieben unterm Strich rund 20 Euro pro Festmeter Fichte für den Besitzer. Nach vielen Gesprächen und Überzeugungsarbeit hatte Förster Baldauf den Sammelhieb von rund 1500 Festmeter zusammen. „Ohne diese Koordination wäre es nie und nimmer wirtschaftlich gewesen“, bringt Baldauf die Aktion auf den Punkt. Um den überalterten Wald, vor allem 120 bis 150 Jahre alte Fichtenbestände, zu verjüngen, werden an neun Standorten des Projektgebietes bestehende offenere Inseln im Steilhang ausgeweitet. „Damit mehr Licht in den Wald kommt. Dann haben neben der Fichte andere Waldbäume, vor allem Laubgehölze, eine Chance“, so Baldauf. Welche Bäume „geerntet“ werden, wurde mit den Waldbesitzern abgesprochen. Ein schlagkäftiger dreiköpfiger Fälltrupp aus Rumänien hat in den zurückliegenden drei Wochen „gute Arbeit“ in schwierigem Gelände geleistet, wie Baldauf und Schulze bestätigen. Der Trupp hat die vorher markierten Bäume gefällt und entastet, flugtauglich gemacht. Demnächst kann der Hubschrauber eines schweizerischen Spezialunternehmens 1500 Festmeter Fichtenstämme talwärts auf einige Sammelplätze fliegen. Dort werden die Stämme weiter auf Sägewerksmaße zugeschnitten und von der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu vermarktet. In die „Schlitzhiebe“ werden später junge Waldbäume gepflanzt, vor allem Buche, Ahorn, Fichte, Weißtanne und einzelen Lärchen. „Damit der Umbau zum Mischwald voran kommt und die natürliche Verjüngung unterstützt wird“, beschreibt Förster Robert Baldauf vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Kempten das Ziel. Dabei müsse auch die Jagd beachtet werden, kommt er auf einen Knackpunkt zu sprechen.

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