Die Kripo will im Netz "fischen"

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Einbrecher schlagen oft am helllichten Tag zu und längst nicht „nur“ in der Stadt. Die Kripo will mit Aktionen zur Prävention das Massenphänomen Wohnungseinbruch eindämmen.

Oberallgäu - In etwa auf dem Niveau der Mittelwerte der vergangenen Jahre liegen die Bilanzzahlen der Kripo Kempten für das Jahr 2013. Die bayernweiten Trends - etwa bei der steigenden Zahl der Wohnungseinbrüche - sind auch im Zuständigkeitsbereich der Kripo Kempten zu beobachten.

Die Gesamtzahl der (bekannt gewordenen) Straftaten nahm gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent zu auf 1423 Fälle. Weiterhin sehen lassen kann sich die Kripo Kempten mit der aktuellen Aufklärungsquote von guten 68,8 Prozent - bei einem Wert von 64,1 Prozent für Gesamtbayern.

Dass Einbrecher vor allem nachts „auf Tour“ sind, sei ein weit verbreiteter Irrtum, betont der Allgäuer Kripochef Michael  Haber. Tatsächlich werde jedoch meist über die Mittagszeit und in den frühen Abendstunden „zugeschlagen“. Dann nämlich seien die Täter recht sicher, nicht überrascht zu werden. Noch eine Zahl aus der Kripo-Statistik hat Haber parat: Ein Einbrecher verwende lediglich nur drei bis fünf Minuten für die Suche nach Bargeld oder Wertsachen, da er das beträchtliche Entdeckungsrisiko durch Schnelligkeit verringern wolle.

„Neben einer intensiven Schulung unserer Kolleginnen und Kollegen in der Tatortarbeit und Ermittlungsmethoden wollen wir dem Phänomen auch mit intensiver Präventionsarbeit begegnen und haben die Bekämpfung der Einbruchsdiebstähle zu einem Jahresziel erklärt“, sagt Haber. Zudem, so ergänzt der Kripochef, wirke sich der Verlust des Sicherheitsgefühls in den eigenen vier Wänden bei vielen Geschädigten weitaus schlimmer aus als der materielle Schaden. „Zumal die psychischen Folgen länger dauern und sich auf das Umfeld des Betroffenen auswirken können.“

Auffällig sei dabei, dass die Zahl der Einbrüche in den kreisfreien Städten rückläufig sei, sich aber offensichtlich von der Stadt aufs Land verlagere. Oft sind Häuser in Ortsrand- oder Alleinlage Ziel der Einbrecher. Entgegen dem bayernweiten Trend nahm die Zahl der Wohnungseinbrüche um vier auf 28 ab. Im August konnte die Kripo Kempten eine dreiköpfige Einbrecherbande fassen, die unter anderem für eine Einbruchserie im Raum Kempten verantwortlich war.

Gestiegen ist dagegen die Zahl der Eigentumsdelikte insgesamt von 119 im Jahr 2012 auf mehr als 250 im vergangenen Jahr. Der Grund für diese massive Steigerung sei allerdings vor dem Hintergrund einer „extrem niedrigen Zahl“ im Jahr 2012 zu suchen. Die Deliktzahl nach oben schnellen ließen mehrere Einbruchserien in Geschäfte und Vereinsheime. Fortgesetzt hat sich auch der Rückgang (um vier Fälle) auf 17 Raubdelikte. Die höheren Fallzahlen in den Jahren 2010 und 2011 kann die Kripo auf eine Tätergruppe zurückführen, die nach einer Vielzahl von Straftaten in Haft ging.

Noch nicht abgeschlossen sind dagegen die Ermittlungen beim Mord an einer 63-jährigen Frau im Dezember vergangenen Jahres. Die Kripo hat bislang mehr als 100 Ermittlungsspuren bearbeitet und 130 Personen vernommen. Insgesamt weist die Jahresstatistik mit 19 Delikten „gegen das Leben“ genauso viele Fälle auf wie im Jahr zuvor.

Eine starke Zunahme bei den Sexualdelikten - von 113 auf 174 - kann Kriminaloberrat Michael Haber überwiegend auf die Ermittlung eines Beschuldigten zurückführen, der über Soziale Netzwerke Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnahm und diese aufforderte, sexuelle Handlungen vorzunehmen. In Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt LKA und den Computerspezialisten der Kripo Kempten, konnten etwa 100 Geschädigte ermittelt werden. Daneben lief ein weiteres „Großverfahren“ mit über 50 Anzeigen wegen Erwerbs und Verbreitung von kinderpornografischen Darstellungen.

Der klassische Betrug scheint Schnee von gestern: Auch bei der Kripo Kempten wird beobachtet, dass die Menschen zunehmend im Internet „über den Tisch gezogen“ werden. Dazu gehört auch die Tatsache, dass von 238 Fällen des Computerbetruges nur 75 in der Statistik der Kemptener Kriminalpolizei auftauchen, da die Mehrzahl vom Ausland aus begangen wurden, muss Michael Haber einräumen. In direktem Zusammenhang mit Internet- und Computerkriminalität stünden auch die meisten der zwölf Fälle von Geldwäsche, die im Jahr 2013 bearbeitet wurden.

Tatenlos zusehen wollen dieser „modernen Kriminalität“ die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kripo Kempten aber keinesfalls. „Der besorgniserregenden Entwicklung werden wir mit so genannten ‘Cybercops’ entgegentreten“, kündigt der Kripochef an. Die Kollegen der Kripo erhalten dabei im nächsten Jahr schon Unterstützung durch einen EDV-Spezialisten, der im Zuge einer Sonderlaufbahn zum Polizisten ausgebildet wird.

Um an „die Größeren“ im Drogengeschäft heran zu kommen, befasst sich die Kripo Kempten zunehmend mit „Großverfahren“. Dabei fallen naturgemäß weniger Fälle an als bei kleineren Einzelverfahren. Konkret ist die Fallzahl von 206 auf 184 zurückgegangen. Zunehmend breiten Raum nehmen Haber zufolge die Verstöße nach dem Arzneimittelgesetz in Anspruch mit Ein- und Ausfuhr, Besitz oder Handel mit Dopingmitteln für die Verwendung im Sport. Im Dienstbereich wurden im vergangenen Jahr sieben Rauschgifttote verzeichnet. Der klassische Heroinkonsum sei nur in zwei Fällen Todesursache gewesen; die weiteren Personen starben durch Missbrauch des Drogenersatzstoffes Fentanyl, einem starken Schmerzmittel. Mit einer Aufklärungsquote von 93,2 Prozent konnten fast alle Rauschgiftdelikte aufgeklärt werden.

Josef Gutsmiedl

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