Jana macht ein Fass auf

Brauerei-Chefin Claudia Höß-Stückler (links) mit Jana Neubert, der angehenden Brauerin. Fotos: priuvat

Vor wenigen Wochen hat die 17-jährige Jana Neubert in der Allgäuer Traditionsbrauerei „Der Hirschbräu“ in Sonthofen ihre Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin begonnen: Der Start in Richtung Traumberuf. Und ein Schritt in eine - vermeintliche - Männerdomäne. Dabei ist Bierbrauen längst nicht allein Männersache...

Jana Neubert beobachtet konzentriert Ausbilder Silvio Pampus beim Spindeln. Dann versucht sie es selbst, zunächst etwas zögerlich, dann werden die Handgriffe sicherer. Am 1. September hat die Sonthoferin ihre Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin bei „Der Hirschbräu“ in Sonthofen begonnen. In der dreijährigen Ausbildung durchläuft sie, unterstützt von ihrem Ausbilder Silvio Pampus, alle Bereiche der Brauerei: Sudhaus, Gärkeller, Lagerkeller, Filtration sowie Fass- und Flaschenabfüllung. Die Wahl des Ausbildungsberufes war für die 17-Jährige ein wohlüberlegter Schritt: „Viele Mädchen aus meiner Klasse haben sich für Berufe, wie Bürokauffrau oder Krankenschwester beworben. Ich wollte jedoch lieber etwas Praktisches lernen, etwas, bei dem ich das Ergebnis sofort sehen oder schmecken kann“, erzählt Jana Neubert. Auf den Beruf der Brauerin und Mälzerin ist durch zwei Berufspraktika in der Sonthofener Traditionsbrauerei „Der Hirschbräu“ gekommen, der sich seit über 150 Jahren im Besitz der Familie Höß befindet. Seit 2008 ist Claudia Höß-Stückler alleinige Geschäftsführerin der Brauerei. Sie kann sich gut an die Bewerbung der 17-Jährigen erinnern. „Es passiert natürlich nicht so oft, dass sich ein junges Mädchen für eine Ausbildung im Brauwesen interessiert. Als wir Jana kennenlernten, haben uns ihr Engagement und ihre Motivation sofort begeistert. Schließlich hat sie die Ausbildungsstelle bekommen, jedoch in erster Linie, weil wir von ihr als Person überzeugt waren. Ob Mädchen oder Junge war egal“, so Claudia Höß-Stückler. Nach ihrem ersten Ausbildungsmonat zieht Jana Neubert eine positive Resonanz: „Mir macht die Arbeit mit meinen Kollegen sehr viel Spaß. Ich bin gespannt, was noch alles auf mich zukommt und freue mich darauf. Definitiv habe ich meinen Traumberuf gefunden“, schmunzelt sie. Bierbrauen ist Männersache? Von wegen! Schon bei den Germanen gehörte die Braukunst zu den Aufgaben der Frauen, ebenso wie Kochen und Backen. Heute durchbrechen in Deutschland langsam immer mehr Frauen die Männerdomäne. Frauen tragen nicht nur die Maßkrüge durchs Festzelt oder bezaubern als Bierkönigin. Frauen brauen! So auch bei „Der Hirschbräu“ im Allgäu. „Der Hirschbräu“ verfeinert und entwickelt die Allgäuer Braukunst seit nunmehr 350 Jahren. Seit über 150 Jahren ist das Unternehmen im Besitz der Familie Höß. Claudia Höß-Stückler leitet die Allgäuer Traditionsbrauerei seit 2008 alleine. Damit ist sie die einzige Frau im Allgäu, die einer Brauerei vorsteht. Ein besonderes Herzensanliegen war es ihr daher, den weiblichen Nachwuchs im Brauereiwesen zu unterstützen. „Mir ist es sehr wichtig, jungen Frauen die Chance zu geben, in einer vermeintlichen ‚Männerdomäne’ Fuß zu fassen. Ich selbst leite seit mittlerweile 17 Jahren unsere Brauerei und ganz ehrlich, für mich gibt es keinen schöneren Beruf. Diese Erfahrung möchte ich weitergeben“, so Claudia Höß-Stückler. Auch Braumeister Jörg Weinberger ist von seinem jüngsten Teammitglied begeistert: „Im Vergleich zu den großen Brauereien zeichnet eine kleine Brauerei, die Vielfältigkeit der Biere und die verschiedenen Geschmacksrichtungen aus: Ob Hirsch-Gold, Heller und Dunkler Hirsch, Holzar-Bier, Neuschwansteiner, nur um einige zu nennen, in jedem der Hirschbräu-Biere steckt ein Stück Lebensfreude und bayerische Lebenskultur, da passt Jana perfekt dazu!“

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