Kein Etikettenschwindel

Der Europaabgeordnete Markus Ferber (links) und Alfons Zeller setzen auf Bündelung der Interessen, um die Zukunft der Berglandwirtschaft zu sichern. Foto: Josef Gutsmiedl

Das „Ja“ zur Berglandwirtschaft, zur Alpwirtschaft war in den Reden und Grußworten bei der Mitgliederversammlung des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA nicht zu überhören. Dennoch dürfe es nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben, wenn die bäuerliche Landwirtschaft und damit die Alpwirtschaft dauerhaft gesichert und gestärkt aus der bevorstehenden Neuordnung der EU-Agrarpolitik hervorgehen solle. Die regionalen Unterschiede in den Produktionsbedingungen müssten in der Agrarpolitik Platz haben - und die gesellschaftlichen Leistungen eine finanzielle Entgeltung erfahren. Einem Etikettenschwindel mit dem Begriff „Alp“ will der AVA weiter entgegentreten.

Vor pauschaler Verurteilung der EU-Agrarpolitik warnte Alfons Zeller, Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen in Bayern. „Nur die gemeinsame EU-Agrarpolitik ist berechenbar.“ Man könne immerhin ab 2014 eine Zeitspanne ohne große Veränderungen erwarten. Umso wichtiger sei es aber jetzt, in Brüssel klar zu machen, dass es Unterschiede gebe. „Entscheidend ist, dass wir unsere Vorstellungen eingebracht haben“, unterstrich Zeller. Der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, stelllte fest: „Agrarpolitik ist Gesellschaftspolitik.“ Gesunde Lebensmittel, intakte Natur und Pflege der Kulturlandschaft werde es auch in Zukunft nicht zum Nulltarif geben können. Diese Tatsache müsse stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden, dazu gehörten auch die regionale Vielfalt und die regionale Vermarktung der heimischen Produkte. Landrat Kaiser mahnte „lebbare Rahmenbedingungen“ für die bäuerliche Landwirtschaft an. „Dazu gehört auch eine zeitgemäße Erschließung.“ Wo es notwendig und sinnvoll sei, müsse ein Wegebau mit Augenmaß möglich sein. Kaiser: „Die Alpwirtschaft und die Berglandwirtschaft sind Herzstück unseres Landkreises!“ Die zukünftige gemeinsame Agrarpolitik GAP der EU sei auch eine Chance, wenn die Unterschiede in der Ausgestaltung Platz fänden, gab der Vorarlberger Landesrat, Erich Schwärzler, zu bedenken. „Wir brauchen ein starkes Miteinander. Dann hat die Alpwirtschaft Zukunft!“ Dabei müsse man auch die Verantwortung in die Regionen bringen. Das Wort „Subventionen“ will Schwärzler im Zusammenhang mit der Berglandwirtschaft ohnehin nicht hören: „Diese Zahlungen sind als Leistungsabgeltungen zu verstehen.“ Wesentlich sei es, „einen klaren Produktionsauftrag“ in der Region zu halten. Sonst fehlten Arbeit und Heimat für die Menschen, warnte Schwärzler. Dazu gehöre auch die Viehhaltung, da es keine Alternative in der Bewirtschaftung gebe. „2012 wird ein entscheidendes Jahr: Was wir beschließen, gilt bis ins Jahr 2020“, stellte der CSU-Europababgeordnete, Markus Ferber, fest. Zahlen konnte er bei der Mitgliederversammlung des Alpwirtschaftlichen Vereins noch nicht nennen. „Die entscheidende Frage ist, wieviel Geld wofür zur Verfügung steht.“ Der Verteilungskampf sei längst im Gange. Wichtig sei es, die Interessen im gesamten Alpenraum zu bündeln und einzubringen. Zumindest sei es gelungen, eine einheitliche Flächenprämie in allen EU-Staaten abzuwenden. Regionale Unterschiede und besondere Produktionsbedingungen sollen mit der sogenannten Zweiten Säule ausgeglichen werden. Beim EU-Agrarkommissar hätten er, Ferber, und seine Kollegen „Verständnis für solche Dinge“ gefunden. Andererseits könnte es auch dazu kommen, dass die Förderung der Landwirtschaft in Konkurrenz stehe zu anderen Maßnahmen zur Entwicklung ländlicher Räume, etwa dem Internet-Ausbau. Zwei, drei Monate vor dem neuen Alpsommer zog AVA-Geschäftsführer, Dr. Michael Honisch, noch einmal Bilanz mit dem Blick auf die Alpwirtschaft im Jahr 2011. Der Alpsommer sei insgesamt betrachtet gut gewesen; der Bestoß mit Alpvieh - insgesamt mehr als 31000 Tiere - weiterhin erfreulich. „Bei der Älpung von Milchvieh ist analog zur Milchviehhaltung in den Tallagen ein anhaltender Abwärtstrend zu beobachten“, bedauert Honisch. Für Franz Hage, den Ersten Vorsitzenden des AVA, ein Alarmsignal: „Ohne Talbetriebe keine Alpwirtschaft.“ Hage befürchtet einen Rückgang der Viehhaltung in benachteiligten Gebieten und damit ein Ausscheiden von wenig attraktiven Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion. Der Alpwirtschaftliche Verein wendet sich vehement gegen Verbrauchertäuschung und Etikettenschwindel. Der Zusatz „Alm“ oder „Alp“ oder „Berg“ tauche immer wieder auf Verpackungen von Molkereiprodukten auf, obwohl die Milch von Kühen stamme, die noch nie einen Berg gesehen hätten. „Wo Alp draufsteht, muss auch Alp drin sein“, so Honisch.

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