Freie Wähler diskutieren mit Milchbauern

Fehlende Signale aus der Politik

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Hans Foldenauer (von links) vom BDM, Hubert Rupp von der Liefergenossenschaft „Allgäuer Bergbauernmilch“, der Landtags-

Oberallgäu – Im Rahmen der Klausurtagung der Landtagsfraktion der Freien Wähler diskutierten die Abgeordneten in Sulzberg mit „Akteuren auf dem Milchmarkt“. Mehrere Milchbauern aus dem Allgäu machten dabei ihrer Verärgerung über die anhaltend niedrigen Erzeugerpreise für Milch Luft.

Auch die Freien Wähler vermissen ein entschlossenes Gegensteuern der Politik, um die Krise zu beenden. Die Milcherzeuger, die bäuerliche Landwirtschaft, brauche jetzt dringend Hilfe, so der Appell von Fraktions-Chef Hubert Aiwanger.

„Irgendwann vergeht dem einen oder anderen eben die Lust – und es geht im die Luft aus.“ Mit dieser Feststellung skizzierte Hans-Peter Uhlemayr, Mitglied im Bund Deutscher Milchviehhalter BDM, die Folgen der Milchmarkt-Dauerkrise. Auf seinem Milchviehbetrieb fehlten jeden Monat 3000 Euro durch die Niedrigpreisphase. Wenn Susanne Nüssel vom Verband der Privaten Milchwirtschaft hier – wie in der Podiumsrunde geschehen – den Begriff „Anpassung“ benutze, sei das „eine Unverschämtheit“, so Uhlemeyr. „Wir müssen ein System installieren, um die Mengenregulierung durchzusetzen“, wiederholt er eine BDM-Forderung.

Sein Berufskollege Herbert Dinser ergänzt: „Es wurde genug schon viel zu lange diskutiert!“ Wie solle ein Milchviehhalter „jungen Leuten eine Perspektive aufzeigen“ angesichts der Dauerkrise auf dem Milchmarkt. „Die sagen doch: behalt dein Zeug, das will ich nicht!“

Eine Situation, die auf Dauer untragbar sei, stellt Hubert Rupp, Vorsitzender der Liefergenossenschaft „Allgäuer Bergbauernmilch“ fest. Die Politik habe die Entwicklung nach dem Aus der Milchquote „einfach laufen lassen“.

Wer „Leitplanken“ fordere, wie etwa der BDM, müsse auch selbst mitmachen, gab Alfred Enderle, Präsident des Schwäbischen Bauernverbandes zu bedenken. Auch BDM-Mitglieder hätten zur Mengensteigerung beigetragen. Zumindest auf EU-Ebene habe man erkannt, „dass Bedarf“ bestehe, verweist Enderle auf die jüngsten Hilfsspakete für die Milchbauern. Hans Foldenauer, BDM-Sprecher, fordert ein Sicherheitsnetz der EU, um in Krisenfällen gewappnet zu sein und intervenieren zu können.

In seinem Fazit meinte Fraktiosn-Chef Hubert Aiwanger: „Die Politik muss jetzt als Schiedrichter auftreten!“ Die Bundeskanzlerin habe bislang kein Wort zur Milchpreiskrise verloren, bedauert er. Es fehle das politische Signal, dass sie die bäuerliche Landwirtschaft erhalten wolle.

Josef Gutsmiedl

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