Lungenerkrankungen nehmen zu

Dr. Christian Schumann

Immenstadt/Kempten – Privatdozent Dr. Christian Schumann ist Chefarzt der neuen, standortübergreifenden Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin an der Klinik Immenstadt sowie am Klinikum Kempten. Bislang leitete der 42-Jährige die Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Ulm. 

Herr Dr. Schumann, welche Gründe sind ausschlaggebend für die Etablierung einer pneumologischen Hauptabteilung innerhalb des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu?

Schumann: Bundesweit nehmen Lungenerkrankungen weiter zu. Ursachen sind teils die immer älter werdenden Patienten, bei denen mehr und schwerere chronische Erkrankungen festgestellt werden. Gleichzeitig bestehen Defizite in der Versorgung, so kamen im Jahr 2012 auf jeden berufstätigen Pneumologen auf über 42.000 Einwohner. Auch im Allgäu werden Lungenerkrankungen in den nächsten 15 bis 20 Jahren deutlich zunehmen. Die aktuellen jährlichen Fallzahlen des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu liegen derzeit im Fachbereich Pneumologie bzw. pneumologischen Diagnosen bereits bei 800 Fällen am Standort Kempten und bei 400 Fällen am Standort Immenstadt. Wir müssen in unserem Bereich von einer perspektivischen Mehrung auf rund 2000 Fälle pro Jahr ausgehen. Diese Zunahme ist vorrangig auf eine Steigerung von Patienten mit chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD, Asthma), Lungenentzündungen und Lungenkrebs zurückzuführen. Innerhalb des Klinikverbundes wird es künftig ein standortübergreifendes Konzept mit Anwendung neuester Technologien und wissenschaftlicher Erkenntnisse geben, damit die betroffenen Menschen im Allgäu bestmöglich behandelt werden.

Wo liegen die Kernkompetenzen Ihrer künftigen Arbeit?

Schumann: Ein Schwerpunkt wird die interventionelle Bronchoskopie sein. Mit modernsten Instrumenten können Ursachen vieler Lungenerkrankungen aufgeklärt werden. Die flexible Bronchoskopie wird in lokaler Betäubung und Sedierung („Schlaf-Bronchoskopie“) durchgeführt. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht, die Patienten „verschlafen“ den Eingriff. Innovative Techniken stehen z. B. in der Diagnostik von Tumoren wie dem Lungenkrebs zur Verfügung.

Lungenkrebs stellt bekanntlich die bösartigste Form der Krebserkrankung dar. An der Universitätsklinik Ulm haben Sie erfolgreich an neuen Substanzen zur Behandlung dieser Krankheit geforscht. Werden davon auch Ihre Patienten im Allgäu profitieren?

Schumann: Mein Ziel ist es, eine hohe Behandlungsqualität auf die Klinik für Pneumologie in Immenstadt und Kempten zu übertragen und modernste Therapiekonzepte anzubieten. Die besten Heilungschancen bestehen in der Früherkennung. Aber ebenso wichtig ist die Vorbeugung durch Rauchstopp. In Zusammenarbeit mit allen klinischen Kollegen vor Ort werden wir für jeden Patienten eine individuelle Krebsbehandlung anbieten. Überaus wichtig dabei ist die Identifizierung von genetischen Schwachstellen im Tumorgewebe mit der Möglichkeit eine zielgerichtete Therapie einzuleiten. Wir werden neueste Krebs-Medikamente auch im Rahmen klinischer Studien anbieten können. Im Mittelpunkt der Behandlung steht jedoch immer der Patient, sowie dessen Wünsche und bestmögliche Lebensqualität.

Beinhaltet die neue Klinik für Pneumologie auch das Schlaflabor mit der erfolgreichen Arbeit Ihres Lungenfacharzt-Kollegen Dr. Manfred Held?

Schumann: Selbstverständlich wurden die bisherigen Partner in das Gesamtkonzept integriert. Das Schlaflabor genießt einen ausgezeichneten Ruf und wird natürlich in Kempten bestehen bleiben. Dr. Held wird als Oberarzt eine wichtige Stütze der neuen Klinik sein. An der Klinik Immenstadt werden wir zu Beginn rund 20 stationäre Betten anbieten. Die ambulante medizinische Versorgung übernehmen in bewährter Weise wie bisher unsere Kooperationspartner, die Praxis Dr. Heinl/Dr. Pfeifer in Kempten und die Internistische Facharztpraxis (IFAPI) in Immenstadt, die ja auch ein Schlaflabor besitzt.

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