Nicola Förg im Kreisbote-Interview

Scharfe Schüsse im Bergwald

Oberallgäu - Mit dem Alpen-Krimi „Platzhirsch“ legt die Bestsellerautorin Nicola Förg ihren jüngsten Roman vor. Bei aller Regelmäßigkeit, die sich seit ihren ersten „Allgäu-Krimis“ entwickelt hat, ist die Schriftstellerei für die gebürtige Oberstaufnerin keine Fließbandarbeit.

Im Gegenteil: jeder ihrer Regionalkrimis setzt eine intensive Recherche voraus, viele Gespräche mit „Menschen vom Fach“, die die Thematik hinter den Verbrechen kennen. Der KREISBOTE interviewte die Schriftstellerin.

Regionalkrimis scheinen weiterhin zu boomen. Was steckt hinter dem ungebrochenen Reiz am „Mord ums Eck“?

Nicola Förg: Ehrlich gesagt, sehe ich mich schon länger nicht mehr so ganz im Eck der Regionalkrimis per Definition. Ich halte eigentlich wenig von schenkelklopfender Heiterkeit und Büchern, die mehr Kabarett und Slapstick als Buch sind. Letztlich spielen Krimis immer irgendwo, die Landschaft, das Wetter, die Historie, die Mentalität prägen die Menschen. 

Sie selbst sind ja ein 'alter Hase' im Krimigeschäft. Offenbar gehen Ihnen die Themen nicht aus. Aber ohne Tiere scheint es nicht zu gehen? 

Nicola Förg: Nein, ohne Tiere geht es nicht, weil das eben meine Lebensrealität inmitten von Pferden, Katzen und Kaninchen ist – und am Land auch die Realität vieler Menschen. Sei es im Bereich der Nutztiere wie beim Bruder meiner Kommissarin, seien es Haustiere, die heiß geliebt werden. Meine Themen sind immer ein klein wenig „aufklärerisch“ und so kommen eben auch Leute mit „Tierischem“ (verpackt in den Krimi) in Berührung, die sonst vielleicht mit einem Thema wie Animal Hoarding oder eben der Jagd gar nichts zu tun hätten. 

Gerade im Allgäu wird seit Jahren eine emotionsgeladene Debatte geführt: Fressen Hirsche und Rehe heute den Wald auf, den wir ein den kommenden Jahrzehnten brauchen? Längst habe sich die Jagd von ihrer Rolle als regulierender Faktor im Naturhaushalt verabschiedet zugunsten eines mehr oder weniger elitären Hobbys. Kann – und will - Ihr Buch dazu beitragen, hier zwischen den Fronten zu vermitteln? 

Nicola Förg: Ich wäre genial, wenn ich in wenigen Sätzen eines Interviews etwas zu einem so komplexen Thema sagen könnte, das immer polemischer diskutiert wird und wo sich die Fronten immer mehr verhärten. Eins ist sicher: Die Hirsche und Rehe fressen nicht den Wald für unsere Kinder auf! Hätten die Tiere genug störungsfreie Äsungsflächen mit Boden(!)vegetation, dann wäre die Verbissproblematik eine geringe. Und es stimmt auch sicher nicht, dass die Jagd den regulierenden Faktor verloren hat, es gibt genug vernünftige, waidgerecht agierende Jäger. Es gibt aber auch und tatsächlich einige, die ihr Wild lieber „mästen“, um dann mit geldigen Spezln zu jagern. Wie immer im Leben, sieht die Öffentlichkeit, und die Presse erst Recht, gerne die Extrempositionen, dazwischen liegt die Wahrheit und im Buch ist es sicher so, dass unterschiedliche Protagonisten unterschiedliche Positionen leben – im Buch kann und soll und muss jeder Leser selber denken. Wenn das Diskussionen auslöst, freu ich mich, denn eines muss uns allen klar sein: Die Natur spiegelt nur menschliches Versagen in den letzten paar hundert Jahren! 

Wie schwierig haben sich Ihre Recherchen zum jüngsten „Fall“ für das Ermittler-Duo Irmi und Kathi erwiesen, wo „die Jagd“ doch eher eine traditionelle Männerdomäne ist? 

Nicola Förg: Ich hatte viele Gespräche mit ganz unterschiedlichen Interessensgruppen. Ich habe Bekannte, die Jäger sind. Die um jeden Abschuss ringen. Die zögern, die nachdenken. Die eben auch in einem Ökonomie-Ökologie Konflikt stehen. Ich hatte sehr kompetente und nie propagandistische Hilfe im Bayerischen Jagdverband. Und ich hatte einige Informanten, die wissen, warum sie lieber unerwähnt bleiben wollen angesichts ihrer Geschichten von Waffennarren, skrupellosen Wildern und reinen Trophäengierigen. Ich habe auch mit Jägerinnen gesprochen, nicht jede ist besser als die männlichen Kollegen, Frauen sind nicht unbedingt die besseren Menschen und ja: Jagd ist trotzdem eine Männerdomäne. 

Der „Platzhirsch“ geht über die Theken der Buchläden. Gibt es schon eine neue Idee? Was möchten Sie in Zukunft vielleicht noch anpacken bei Ihren Krimis? 

Nicola Förg: Ich denke, es wird tierisch bleiben. Und natürlich thematisch dicht am Leben der Menschen am Alpenrand. Rumänische Mädchenhändler oder Massenmörder sind mir zu konstruiert. Aber Pferdefleischskandale, überhaupt Lebensmittelskandale. Der Wahnsinn Biogasanlagen … es gibt leider genug, wo man trefflich morden kann. 

Gibt es womöglich mal ein Comeback für Kommissar Weinzirl aus dem Allgäu – oder ist der abgehakt? 

Nicola Förg: Für alle Weinzirl Fans: Im September kommt er wieder. Mit einem kniffligen Fall im Auerbergland, der sich mit der Römerbesiedlung des Berges beschäftigt. Und Weinzirl, Evi, Jo und Baier haben es mit jeder Menge skurriler Typen zu tun. Und ich hatte viel Spaß, es war wie ein Treffen mit guten alten Bekannten. Die Pause hat dem Weißbiersüchtigen Weinzirl gut getan! 

Was Banales: Macht das Krimischreiben nicht eine Menge Arbeit? Mit aller intensiven Recherche erst recht. Wie sieht denn ein typischer „Arbeitstag“ der Krimiautorin Nicola Förg aus? Bleibt da ausreichend Raum für die Tiere der Katzen- und Pferdenärrin? 

Nicola Förg: Doch, das ist Arbeit. Das erfordert konsequentes und konzentriertes Arbeiten. Normalerweise sitze ich nach dem Cappuccino, den ich mit Frau Mümmelmeier von Atzenhuber und Herrn Rossi von Unterried teile (also nur den Milchschaum!) vor acht am PC und versuche auf jeden Fall bis Mittag zu schreiben. Das gelingt nicht immer, weil ich ja auch journalistische Geschichten schreibe und nach einer Reportage für meine Tierseite im Münchner Merkur oder auch für Skimagazine, kann ich nicht auch noch am Buch arbeiten. Zum Ausgleich geht’s dann Pferde ausmisten, reiten, mit Kindern und Pferden arbeiten. Und je nach Terminlage auch wieder am späteren Nachmittag an den PC. Nachts schlaf ich – ohne genug Schlaf bin ich ein Zombie!

Josef Gutsmiedl

Rubriklistenbild: © Kreisbote

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