Kriminalitätsstatistik: Weniger Straftaten, sehr hohe Aufklärungsquote

"Eine sehr sichere Region"

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Insgesamt zufrieden mit der Kriminalstatistik für das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West sind (von links) Norbert Radmacher, Regierungsdirektor des Präsidiums, Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel und Leitender Kriminaldirektor Karl-Heinz Alber.

Kempten/Oberallgäu – Über eine „sehr sichere Region“ freute sich Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel, als er letzte Woche die Zahlen aus der Kriminalstatistik 2012 für den Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West bekannt gab

bekannt gab. So konnte er mit Blick auf die Gesamtkriminalität bei exakt 40.364 registrierten Straftaten und einem Minus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr „den niedrigsten Stand seit zehn Jahren“ verzeichnen. 

Zurückgegangen sind laut leitendem Kriminaldirektor Karl-Heinz Alber Straftaten in den Bereichen Diebstahls- und Straßenkriminalität, Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie – marginal um 0,1 Prozent gesunken – Gewaltkriminalität. Einen Anstieg vermeldete er dagegen bei Sexualdelikten, Rauschgift- und Wirtschaftskriminalität. Auch die Häufigkeitszahl (HZ) – die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle, errechnet auf 100.000 Einwohner, inklusive der Straftaten von nicht in der Einwohnerzahl erfassten Menschen wie Durchreisende – ist laut Memel die niedrigste seit zehn Jahren und liegt im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West um gut 41 Prozent unter dem deutschen Durchschnittswert. 

„Besonders stolz“ sei er auf die mit 68 Prozent dritthöchste Aufklärungsquote bayernweit, weil sie Ausdruck der qualitativen Polizeiarbeit sei. Auf „bedenklich hohem Niveau“ sah Memel das Problem der Alkoholisierung, wobei knapp 45 Prozent aller festgestellten Delikte unter Alkoholeinfluss Körperverletzungen gewesen seien. „Man ist alkoholisiert leichter bereit eine ‚Watschn’ zu geben“ oder Vandalismus zu betreiben, wies er darauf hin, dass hier der Umgang auch für die Beamten nicht immer einfach sei. Fast die Hälfte aller alkoholisierten Tatverdächtigen seien jünger als 25 Jahre gewesen. 

Problem Alkohol 

Trotz des geringfügigen Rückgangs um zwei Fälle gegenüber dem Vorjahr „ist die Gewaltkriminalität weiterhin auf hohem Niveau“, wies Alber auf den hier „besonderen Zusammenhang von Alkohol und Gewalt“ hin. „Da wird auch mal nachgetreten“ wenn das meist wahllos herausgegriffene Opfer schon am Boden liege, verdeutlichte er einen „Trend in Richtung massive Gewalt- ausübung“, oft einfach aus „Langeweile“. 

Beleidigungen bis zur Verbreitung pornographischen Materials sind Bestandteile der Internetkriminalität. Zwei Drittel der 938 Fälle im Jahr 2012 aber waren Betrugsdelikte. Gemessen an den 1.266 Fällen im Jahr 2011 zeigt die Statistik zwar einen Rückgang um 25,9 Prozent. Die häufig im Ausland liegenden Tatorte tauchen darin allerdings nicht auf. 

Eine „zunehmende Professionalisierung und Abschottung“ stellte Alber im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität, fest, bei einem leichten Anstieg um 65 Fälle auf insgesamt 2.117. Bei der Beschaffung gewinne hier zunehmend das Internet an Bedeutung. Vor allem wegen damit zusammenhängender Delikte wie Beschaffungskriminalität oder Unfälle unter Drogeneinfluss „gilt diesem Phänomen unser verstärktes Augenmerk“, betonte er. 

Knapp 460 Sexualdelikte und damit 25 mehr als 2011 zeigen einen Anstieg um 5,8 Prozent – wie Alber einräumte, möglicherweise auch in Zusammenhang mit einem veränderten Meldeverhalten der Opfer. Zeigt die Statistik im Vergleich zum Vorjahr bei den Vergewaltigungen einen Anstieg um acht Fälle, sind es beim sexuellen Missbrauch von Kindern 32 Fälle mehr. Sexualdelikte finden laut Alber häufig im bekannten oder familiären Umfeld statt. So zeigen die Zahlen bei den Vergewaltigungen, dass nur in etwa 13 Prozent der Fälle keine Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer bestanden hatte. 

Beschwerden 

Und wie geht die Polizei mit Beschwerden um? „Wir haben eine Fehlerkultur“ betonte Memel, dass die Polizei auch hier versuche immer besser zu werden und „offensiv“ mit der Thematik umzugehen. Fast 90.000 Einsätzen stehen 75 Beschwerdevorgänge – Verkehrskontrollen, Anzeigenaufnahme und ähnliches nicht mit gerechnet – gegenüber. 65 abgeschlossene Beschwerden, davon drei voll- und zwei teilbegründet; 52 abgeschlossene Strafverfahren mit drei Verurteilungen beziehungsweise Strafbefehlen, zog Norbert Radmacher, Regierungsdirektor des Präsidiums, Bilanz für 2012. Kommunikationsprobleme wie Unfreundlichkeit oder Unzufriedenheit mit der Sachbearbeitung seien hier die häufigsten Kritikpunkte.

Christine Tröger


Sicheres Oberallgäu

Vergangene Woche kamen Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel und die für den Landkreis Oberallgäu zuständigen Leiter der Polizeiinspektionen zum jährlichen Sicherheitsgespräch im Landratsamt Oberallgäu zusammen. Dabei stellte Memel die polizeiliche Kriminalitäts- und Verkehrsstatistik (siehe Artikel oben) vor. Die bereits im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West geringe Kriminalitätsbelastung wird laut Memel im Landkreis Oberallgäu nochmals um 20 Prozent unterboten – das Oberallgäu könne durchaus als eine „sehr sichere Region“ bezeichnet werden. Auch die Aufklärungsquote sei im Oberallgäu höher als in allen anderen Landkreisen. Mit 70,5 Prozent liege sie noch 2,6 Prozent über dem Schnitt des Polizeipräsidiums und damit 6,5 Prozent über dem bayerischen Schnitt.

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