Scharfe Diskussionen um Krippe und Vereine im Pfarrheim Maria Heimsuchung

Das Kreuz mit der Krippe

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Auch für die Zukunft des Kindergartens Maria Heimsuchung sei es wichtig, eine Krippe dort einzurichten, so die Kirchenverwaltung.

Sonthofen – Die Pläne, an das Pfarrheim Maria Heimsuchung eine Kinderkrippe anzubauen und Räumlichkeiten im Keller Vereinen zur Verfügung zu stellen, sorgten in Sonthofen jüngst für Aufregung. Eine Pfarrversammlung am Dienstag sollte über die Pläne informieren und die Möglichkeit zur Diskussion geben.

„Ich wusste nicht, dass so viele Leute zu einer Pfarrversammlung kommen”, sagte Pfarrer Marek Pokorski zu Beginn der Versammlung im voll besetzten Pfarrsaal. Er hoffe, dass an diesem Abend manches geklärt werden könne. 

Im Juli 2013 war im Stadtrat beschlossen worden, dass an den Kindergarten Maria Heimsuchung eine Krippe angegliedert werden solle. Im Hauptausschuss im November wurden die konkreten Planungen vorgestellt; ein Anbau direkt an den Kindergarten ist nicht möglich, da die Kirche nicht genug Grund besitzt; deshalb soll an das Pfarrheim angebaut werden. Einen Monat später wurde im Hauptausschuss diskutiert, ob in den Kellerräumlichkeiten des Pfarrheimes und der geplanten Krippe den Vereinen insbesondere aus Fluhenstein und Berghofen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Vereinsräume sollen baulich von den Krippenräumen getrennt sein und auch über einen eigenen Eingang verfügen. Besonders wurde darüber diskutiert, dass auch die Schützen dort einen Schießstand erhalten sollen. Der Hauptausschuss stimmte schlussendlich dem Vorschlag zu – er muss aber noch dem Stadtrat vorgelegt werden. 

Mit dem Bekanntwerden der Pläne wurden im Nordosten der Kreisstadt Stimmen nicht nur gegen die Krippe, sondern auch gegen die Verquickung von Kinderbetreuung und Schießstand laut. Angelika Stoffel aus Sonthofen wandte sich in einem offenen Brief unter anderem an Bürgermeister Hubert Buhl, Pfarrer Marek Pokorski, die Kirchenverwaltung und den Pfarrgemeinderat. Sie stellt sich zum einen gegen einen Schießstand im Pfarrheim. Zum anderen spricht sich die Diplom Ehe-, Familien- und Lebensberaterin grundsätzlich gegen die Fremdbetreuung von Babys und Kleinkindern aus. „Krippen und Kitas sind dann notwendig, wenn es darum geht, in Ausnahmefällen Eltern zu unterstützen”, betont sie in ihrem Brief. Ihre Erfahrungen in ihrer 20-jährige Tätigkeit in einer psychologischen Beratungsstelle „bestätigen die Aussagen der Fachleute zum Thema Bindungsstörungen und deren Auswirkungen auf die seelische und körperliche Gesundheit”. Die Kirche dürfe sich nicht zum „Erfüllungsgehilfen einer Politik machen, die im ‘sozialen Mäntelchen’ gekleidet einmal mehr Babys und Kleinkinder missbraucht, um der Wirtschaft, der Pharmaindustrie und einer falsch verstanden Emanzipation zu Diensten zu sein”. 

In seinem Antwortschreiben auf den Brief erläuterte Bürgermeister Hubert Buhl, dass die Entscheidungen über den Krippenausbau in Sonthofen keineswegs ohne Diskussionen im Stadtrat und in den Ausschuss getroffen wurden. Es gehe jedoch nicht mehr darum, eine Krippe bauen zu wollen, sondern den Kindern die Möglichkeit einer Kinderbetreuung zu bieten. Für Buhl dürfen sich „weder die Kirche noch die Kommune noch der Staat” aus der Verantwortung stehlen. „Keine Mutter muss ihr Kind in die Krippe geben”, so Buhl weiter, „sondern sie hat dann die Möglichkeit, wenn sie will”. Die Vereine insbesondere in Berghofen und Fluhenstein benötigten für eine sinnvolle Jugendarbeit dringend Räumlichkeiten, führte Buhl weiter aus. Daher sei es naheliegend, die freien Räume im Pfarrheim Maria Heimsuchung ihnen zur Verfügung zu stellen, sei doch die Jugendarbeit der Vereine für die Zukunft sehr wichtig. 

Auf der Pfarrversammlung am Dienstag erläuterte Kirchenpfleger Horst Lutz die Hintergründe der Entscheidung von Seiten der Kirche. So sei eine Anfrage der Stadt nach Einrichtung einer Kinderkrippe in Maria Heimsuchung intensiv diskutiert worden. Auch im Sprengel der Pfarrei benötigten viele Kinder einen Krippenplatz. Wenn sie in eine andere Krippe gehen, werden sie dort auch später den Kindergarten besuchen. Um den Kindergarten Maria Heimsuchung auch für die Zukunft zu erhalten, sei deshalb eine Krippe vor Ort wichtig. Deshalb habe man sich für den Bau der Krippe entschieden. Zudem sei es „besser, eine katholische Kindertagesstätte betreibt eine Krippe als ein freier Träger!”, betonte Lutz. 

Weiter führte er aus, dass die Gemeinde mit dem Pfarr- und Jugendheim jedes Jahr etwa 20.000 Euro Schulden mache. Da die Berghofer Musik und der Trachtenverein bereits im Pfarrheim sein zu Hause haben, stand man der Anfrage der Stadt nach einer Heimstatt für die Vereine offen gegenüber. Zumal die Räumlichkeiten gemietet würden, also Ertrag abwürfen. Da die Vereinbarung über die nächsten 25 Jahre laufe, sei auch der Erhalt des Pfarrheimes gesichert, so Heinrich Beerenwinkel von der Kirchenverwaltung. Schließlich müsse die Diözese sparen, und über kurz oder lang werde es in Sonthofen wohl nur noch eine Pfarrei geben. 

Kirchenrat und Pfarrgemeinderat hätten sich intensiv Gedanken über die Pläne gemacht, so Beerenwinkel weiter, seien aber unter Berücksichtigung aller Faktoren zu dem Entschluss gekommen, zuzustimmen. Auch die Vereine würden in die Pfarrei integriert, sie bekämen einen eigenen Eingang, und gerade der Schützenverein schieße erst abends – wenn die Krippenkinder schon längst zu Hause seien. 

Im Verlauf der Diskussion gab es, neben der von Angelika Stoffel, noch einige weitere kritische Wortmeldungen zum Thema Krippen. Die Verantwortlichen suchten diese zu entkräften. Cornelia Feller, Leiterin des Kindergarten Maria Heimsuchung, betonte, dass von Seiten des Kindergartens alles getan werde, damit sich die Kleinen in der Krippe wohlfühlten – unter anderem durch eine möglichst lange Eingewöhnungszeit.

Eva Veit

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