SPD kritisiert Sparkurs auf Kosten der Jugendarbeit

Nichts von dem Beschluss des Marktgemeinderates Oberstdorf das Jugendhaus „Bullwinkel“ zu schließen hält die Oberstdorfer SPD. Die SPD Oberstdorf fragt: Wie viel ist Oberstdorf seine Jugend wert? Nicht mal 56000 Euro?

„Diese 56000 Euro sind die Einsparungen, die jährlich bei Schließung des Jugendhauses Bullwinkel erzielt werden. In der finanziellen Gesamtlage Oberstdorfs nicht mehr als der klassische Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Kathrin Bäuerle, Erste Vorsitzende des Oberstdorfer SPD-Orstvereins. Kathrin Bäuerle: „Wie schnell dieser Tropfen auf dem riesigen heißen Schuldenberg verdampfen wird, ist sicher allen klar gewesen. Doch standen offenbar einige der gewählten Vertreter bei ihrem mehrheitlichen Beschluss zur Schließung des Jugendhauses zum Jahresende unter enormem Erfolgsdruck, vermutet sie weiter. „Ein kurzfristiger Erfolg, der sich ausschließlich in Zahlen misst, nämlich in einer Reduzierung des Haushaltsdefizits.“ Die Oberstdorfer SPD halte nichts von einem solchen vermeintlichen Erfolg, der allein in Zahlen gemessen werde. Kathrin Bäuerle: „Wir sprechen hier von dem Erfolg für Oberstdorf, als der Landkreis Oberallgäu grünes Licht für die geförderte Einrichtung eines Jugendhauses in Oberstdorf gab. Wir sprechen von dem Erfolg für den Aufbau einer Jugendkultur mit zahlreichen Veranstaltungen, mit denen sich das ‘Bullwinkel’ auch weit über das Allgäu hinaus einen Namen gemacht hat. Wir sprechen von dem Erfolg für die Jugendlichen aus Oberstdorf und die Schülerinnen und Schüler aus dem Einzugsgebiet von Hauptschule und Gymnasium, die dort einen Platz mit pädagogischer Betreuung finden, der ohne bestimmte Voraussetzungen erfüllen zu müssen für alle zugänglich ist.“ Darüber hinaus sei das ‘Bullwinkel’ für Jugendliche aus einem schwierigen Lebensumfeld ein Ort, wo sie „eine Art Zuhause gefunden haben“, das sie sonst nicht hätten. „Und wir sprechen schließlich vom langfristigen Erfolg für eine Gemeinde, die Jugendarbeit aktiv und innovativ gestaltet und damit ihre Zukunft sichert!“, betont die Oberstdorfer SPD-Vorsitzende. Doch um die Jugendarbeit innovativ zu gestalten und vor allem den Bedürfnissen unserer Zeit anzupassen, reiche es nicht, sich auf die herkömmlichen Strukturen wie Vereine, Kirchen, Schulen und Familien zu berufen. Karthrin Bäuerle fasst es mit dem Begriff „Heile-Welt-Strukturen“ zusammen. Aber diese heile Welt gebe es auch in Oberstdorf nicht mehr. Künftig immer mehr gefragt sein würden offene Strukturen wie das bisherige Jugendhaus in Oberstdorf, die für alle Jugendlichen unabhängig von ihrem Geldbeutel, ihren Interessen, ihrer Herkunft da seien, meint Kathrin Bäuerle. Vereine dagegen kosteten Geld, seien meist an Mitgliedschaften gebunden. „Warum wird hier der Rotstift angesetzt, bevor mögliche Alternativen gefunden und mit fachlicher Beratung beispielsweise durch das Jugendamt abgeklopft wurden?“, will die Oberstdorfer SPD wissen. Und auch, warum der Antrag des SPD-Gemeinderats und Sozialreferenten Alexander Rößle mehrheitlich abgelehnt wurde. Rößle hatte gefordert, das Jugendhaus wenigstens noch ein weiteres Jahr zu betreiben, und in dieser Zeit neue Konzepte zu erarbeiten, um es – möglicherweise sogar ohne finanzielle Unterstützung des Marktes – erhalten zu können. Rößle zufolge bestehe durchaus die Möglichkeit, die offene Jugendarbeit in Oberstdorf auszubauen und beispielsweise mit dem Angebot von Ganztagesschulen und der Anstellung von Jugendsozialarbeitern sinnvoll zu verknüpfen. „Die Entwicklung dieser neuen Konzepte ist natürlich mit Arbeit verbunden, aber das sollte uns unsere Jugend wert sein. Wenigstens hier sollten einmal die langfristigen Auswirkungen und nicht immer nur der kurzfristige Gewinn einer Entscheidung berücksichtigt werden!“, appelliert Kathrin Bäuerle. Die SPD Oberstdorf fordere gemeinsam mit ihren Vertretern im Oberstdorfer Gemeinderat ein gründliches Überdenken des Beschlusses und den Erhalt des Jugendhauses – für unsere Jugendlichen, für die Zukunft Oberstdorfs, schließt Kathrin Bäuerle.

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