Asylbewerber kommen in leerstehendem Kasernengebäude unter

Eine Bresche für Asylsuchende

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„Mit Nachdruck verfolgt“ hat der Oberallgäuer Landrat Toni Klotz (Mitte) die Überlassung des Gebäudes 4, das er jetzt mit Lutz Leide (links) von der Bima und Sonthofens Bürgermeister Christian Wilhelm (rechts) offiziell als Asylunterkunft „in Dienst“ stellte.

Oberallgäu - Länger warten wollte der Oberallgäuer Landrat nicht. Angesichts wachsender Asyslberwerberströme „beschlagnahmte“ Toni Klotz das Gebäude 4 in der ohnehin weitgehend geräumten Grüntenkaserne in Sonthofen, um es als Unterkunft für Asylsuchende im Landkreis zu nutzen. Vergangenen Mittwoch sind schon sind die ersten Personen in das Gebäude eingezogen.

„Ein erfreulicher Termin“, begrüßte Landrat Klotz den Mitarbeiter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Bima in Bonn, Lutz Leide, vor dem Gebäude 4 der Grüntenkaserne. Nach einer kurzen Hausbesichtigung gab’s dann die offizielle Schlüsselübergabe.

Vor drei Wochen hatte Klotz in der Sitzung des Oberallgäuer Kreistages appelliert: „Es brennt!“ Der Landrat hatte alle Gemeinden aufgefordert, Wohnraum für Flüchtlinge und Asylbewerber zur Verfügung zu stellen.

Dass das seit längerem als „Möglichkeit“ diskutierte Gebäude 4 in der Grüntenkaserne nicht sofort genutzt werden könne, ging Klotz nicht in den Kopf. Fast im Handstreich und mit Rückendeckung des Allgäuer Bundestagsabgeordneten Dr. Gerd Müller „sicherte“ der Landrat das leer stehende Gebäude für den Landkreis. „Wir haben zur Zeit rund 350 Asylbewerber im Landkreis und rechnen in den kommenden Wochen und Monaten mit mehr als 250 weiteren“, beschreibt Klotz die durchaus angespannte Situation. „Warum können da leer stehende Kasernen nicht genutzt werden?“

Geschenkt gab’s das Gebäude 4 allerdings nicht. Intensive Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, quasi der „Hausverwaltung“ für alle Bundesimmobilien, gingen in den vergangenen Wochen über die Bühne. Und letztlich sind die Mietverträge noch nicht unter Dach und Fach, zumal die Stadt Sonthofen bereits als Erwerber fest steht, wenn die beiden Kasernen später verkauft werden.

„Der Bund und die Bundeswehr hat sich als aufgeschlossener Verhandlungspartner erwiesen“, lobt Klotz das gute Miteinander bei der Suche nach einer Lösung. „Manchmal muss man Dinge eben mit etwas Nachdruck verfolgen“, so der Oberallgäuer Landrat im Rückblick.

Vorerst ist der Landkreis erst einmal Mieter des Gebäudes 4. Die Bausubstanz sei sehr gut. Allerdings müsse das Gebäude noch für eine zivile Wohnnutzung umgemodelt werden, so die Vertreter der Stadt- und Kreisverwaltung. Vor allem gelte es, Küchen einzurichten. Erforderliches Mobiliar wird bereits aus Depots in die Grüntenkaserne gebracht. Die Verpflegung der ersten Bewohner soll zunächst das MSA übernehmen.

Die Infrastruktur steht weitgehend. Das THW Sonthofen errichtete einen Bauzaun, der das Areal vom übrigen Kasernengelände abtrennt. Später soll ein richtiger Zaun folgen. Die Bäuhöfe der Stadt Sonthofen und des Landkreises haben in den vergangenen Tagen einen eigenen Eingang für die Asylunterkunft geschaffen. Bei der Erfassung von Wasser-, Wärme- und Stromverbrauch werde man sich zwischen Bund, Stadt und Landkreis einig werden, sind Bürgermeister Christian Wilhelm und Landrat Toni Klotz optimistisch. Eine eigene Heizanlage zu bauen, sei „wirtschaftlich unsinnig“, betont Klotz.

Als überaus vorteilhaft sieht der Landrat die Lage des Kasernenareals an: fußläufig zur Stadtmitte und zu den Einkaufsmöglichkeiten. „Wir wollen keine Asylbewerber- unterkünfte weit vom Schuss...“

Josef Gutsmiedl

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