"Kaiser-Marsch" zum Abschied

Der Kaiser dankt ab

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Zum Abschied kein „leises Servus“, sondern ein fetziger Marsch: Vize-Landrat Toni Klotz (2. von links) überreichte nach der Uraufführung des „Oberallgäuer Kaiser-Marsches“ dem scheidenden Landrat Gebhard Kaiser (links) die Partitur der neuen Komposition.

Sonthofen – Nach 18 Jahren geht am 30. April die Amtszeit des Oberallgäuer Landrates, Gebhard Kaiser, zu Ende. In einer bewegenden Abschiedsrede zog der 65-Jährige eine positive Bilanz seiner politischen Arbeit über einen Zeitraum von 42 Jahren. 

„Vergelt's Gott für 18 Jahre Landrat.“ Vize-Landrat Toni Klotz skizzierte die Laufbahn Kaisers: Zwei Drittel seiner Lebenszeit habe er seit den 1970er Jahren für seine Heimat gearbeitet – und Vieles erreicht. Nicht die Zahl der Jahre sei von Bedeutung, sondern viel mehr ihr Wert, den sie durch unsere Tätigkeit in ihnen erhielten, griff Klotz ein Zitat auf.

Begonnen habe das schließlich mehr als vier Jahrzehnte währende politische Wirken Kaisers mit „einem Aufbegehren eines jungen politischen Talents gegen das Establishment“ mit dem Sprung in den Wiggensbacher Gemeinderat im Mai 1972, sagte Toni Klotz anlässlich der Abschlusssitzung des Kreistags Ende April. Dann folgte eine steile politische Karriere: das jüngste Gemeinderatsmitglied wird im Alter von gerade mal 26 Jahren 1975 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Wiggensbach – und damit jüngster Bürgermeister in Bayern. Weitere Stationen ließen nicht lang auf sich warten: Landtagsabgeordneter, Mitglied vieler Gremien, 1996 schließlich Landrat im Oberallgäu.

„Ein Macher durch und durch“, brachte es Toni Klotz auf den Punkt. „Seiner Leistung begegnen wir mit allergrößter Hochachtung.“ Und dem jugendlichen Aufbegehren blieb Gebhard Kaiser treu. „Auch kräftiger Gegenwind hat Dich nie geschüttelt!“ Bei allen Ecken und Kanten, die Kaiser gekennzeichnet hätten, habe er sich immer für das Gerechte und Soziale eingesetzt. Stets habe er bei seiner Arbeit die Menschen im Mittelpunkt gesehen. Kaiser sei ein Volkstribun, dem man vertraue und gerne um Hilfe bitte. „Danke für mehr als 40 Jahre erfolgreiche kommunalpolitische Arbeit.“

Der scheidende Landrat hatte in seiner Abschiedsrede vor dem Kreistag keine Zweifel daran gelassen, dass ihm die kommunalpolitische Arbeit stets Herzensangelegenheit und ständige Herausforderung zugleich war. „Wenn man nach 42 Jahren Politik hier steht und dankt und mit Freude sagen kann 'mir hat es Spaß gemacht, ich würde das Meiste wieder so machen' ist das nur möglich, wenn die Familie mitmacht, Verständnis aufbringt, den Weg begleitet und unterstützt.“ Seine Frau Brigitte, so Kaiser zum Ende seiner letzten offiziellen Rede im Oberallgäuer Kreistag sichtlich bewegt, sei ihm stets eine gute Beraterin mit Gespür für das Machbare gewesen. „Ich habe in der Familie einen Ort der Geborgenheit vorgefunden, Halt, Kraft und Mut getankt...“

Kaiser streifte in seinem Rückblick auf mehr als vier Jahrzehnte politische Tätigkeit die wesentlichen Stationen. Schon zum Auftakt als junger Gemeinderat und bald darauf als junger Bürgermeister sei es um die Ausgestaltung der Bayerischen Gemeindegebietsreform und der kommunalen Selbstverwaltung gegangen. Viel Überzeugungsarbeit und Durchsetzungsvermögen seien immer wieder erforderlich gewesen. „Doch gerade die ständigen neuen Herausforderungen machen das Arbeitsleben und auch die Politik spannend“, so Gebhard Kaiser. Dass manches kontrovers diskutiert worden sei und er, Kaiser, dabei einiges an Kritik einstecken musste, räumte der scheidende Landrat freimütig ein und betonte: „Am Ende haben wir alle gemeinsam an einem Strang gezogen. Und das war und ist das Sc höne an der Kommunalpolitik!“ Um einige Beispiele war Kaiser vor dieser persönlichen Einschätzung dann nicht verlegen. Die „unendliche Geschichte“ der B 19 zwischen Immenstadt und Waltenhofen etwa. Das Projekt kam erst nach der Hochwasserkatastrophe in die Gänge, nachdem eine befriedigende, neue Lösung, gefunden war. Oder die Neuordnung der „Krankenhauslandschaft“ im südlichen Landkreis. Dies sei nicht ohne Einschnitte gegangen, doch heute schrieben die einstigen Defizitbetriebe schwarze Zahlen. Als Vorsitzender des Abfall-Zweckverbandes ZAK habe er für eine modernes Müllheizkraftwerk in Kempten gekämpft – gegen massiven Widerstand. Heute sei der ZAK nicht nur Müllentsorger, sondern wichtiger Energielieferant. Diese Beispiele hätten ihm immer wieder gezeigt: man dürfe nicht dem Zeitgeist verfallen, müsse seine Linie konsequent halten. Dennoch sei manches Wunsch geblieben in diesen 18 Jahren als Landrat, so die Eingliederung von Fachbehörden wie Wasserwirtschaftsamt, Straßenbau- und Landwirtschaftsämtern. „Ein politischer Fehler“, wie Kaiser meinte.

Kaiser zog schließlich sein persönliches politisches Fazit: „Es waren schöne und gute Jahre für unser Oberallgäu.“ Das sei aber nur möglich gewesen durch „gute Sachpolitik in den Gremien und eine hervorragende Verwaltung“, so Kaiser weiter. „Der Landkreis ist auf einem erfolgreichen Weg und ist gut gerüstet für die Zukunft.“ Dass er den Platz an der Landkreisspitze nicht gerne verließ, war Gebhard Kaiser deutlich anzumerken. Die Wehmut, die den scheidenden Landrat gegen Ende seines „Schlusswortes“ umfing, machte aber bald der Freude Platz, als ein Bläserensemble den eigens für Kaiser komponierten „Oberallgäuer Kaiser-Marsch“ überraschend in einer Uraufführung im Sitzungssaal präsentierte: Droben im hohen Süden...! Treffender ging's kaum, hatte Kaiser „seinen Landkreis“ doch unermüdlich bei vielen Gelegenheiten als „den schönsten Landkreis Bayerns und Deutschlands“ gepriesen.

Josef Gutsmiedl

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