Zu wenig Platz für Biber

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Der Biber fühlt sich in Bayern offenbar wohl und erobert sich ständig neuen Lebensraum - oft zum Leidwesen der Bauern. Wenn die Gewässer mehr Platz hätten, so meint Bibermanager Gerhard Schwab, gäbe es wohl keine Probleme beim Comeback des Biber.

Oberallgäu - Der Biber ist schon längst angekommen in Bayern – und im Oberallgäu. Während die einen nach „mehr Biber“ rufen, beobachtet die andere Seite, vor allem die Landwirtschaft, die Rückkehr des großen Nagetiers mit Sorge. Immer häufiger kommt es zu Konflikten. Im Landkreis Oberallgäu will man die punktuell auftretenden Probleme Ernst nehmen und eine Strategie entwickeln, um Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung unter einen Hut zu bringen.

„Der Biber ist halt ein Tier, das die Landschaft gestaltet...“ Mit dieser Feststellung beschreibt Gerhard Schwab, der Biber-Manager für Südbayern das „Treiben“ des zweitgrößten Nagetieres der Erde. In der Praxis bedeutet das: Der Biber biegt sich den vorgefundenen Lebensraum bestmöglich zurecht – durch Graben von Höhlen und Röhren, durch Anlage von Burgen und Dammbauten, um Wasser auszustauen, und durch seine auffälligen Fällarbeiten. Dabei macht der Nager auch vor dicken Stämmen nicht Halt.

Unterm Strich Dinge, die den Lebensraum für viele Arten verbessern, so Schwab, der den Biber in der Rolle einer „Flaggschiff-Art“ sieht, die anderen Arten den Weg bahne. Überall in Bayern wo der Biber nach seiner Ausrottung vor gut 100 jahren wieder heimisch sei, nehme die Artenvielfalt deutlich zu. Wo es Probleme mit dem Biber gebe, zeige sich letztlich, dass die Gewässer zu wenig Raum hätten.

Begonnen hat der Nager seinen Siegeszug nachdem in den 1960er Jahren Tiere ausgesetzt wurden – mit staatlicher Billigung und Förderung. Dass er sich derart gut schlagen würde, ahnte damals kaum jemand. Heute leben wieder mehr als 16000 Biber in Bayern. Die bis zu 25 Kilogramm schweren Tiere sind etwa so groß wie ein Reh und perfekt an das Leben am und im Wasser angepasst.

Im Landkreis Oberallgäu gibt es etwa an der Iller bei Altusried einen Schwerpunkt, wo Biberaktivitäten die Interessen der Landwirtschaft massiv untergraben. Über normale Wildschäden durch Rehe wolle er angesichts der Biberplage schon gar nicht mehr reden, klagt etwa Armin Fleschutz. „Der Biber frißt mir den Wald an der Iller zusammen – Weichholzbäume ebenso wie Hartholz. Das ist nicht mehr lustig!“

Fleschutz ist nicht der einzige Landwirt im nördlichen Landkreis Oberallgäu, der nichts vom „Erfolg“ der Biberansiedlung Ende der 1960er Jahre und der erfolgreichen Ausbreitung der Nager hält. Auch Albert Hörmann stellt massive Schäden in seinem Wirtschaftswald fest, den er einmal als Rentenversicherung betrachtet habe: „Das ist inzwischen ein Riesenproblem.“

Selbst 40 Kilometer weiter Iller-aufwärts fühlt sich der Biber offenbar wohl. Hannes Meyer jedenfalls findet die Aufstaubauwerke und Grabarbeit der Nagetiere nicht so toll wie Naturschützer. Der dadurch erhöhte Wasserspiegel führe zu Eintrag von Oberflächenwasser in landwirtschaftlich genutzte Flächen und somit mitunter zu Futterverschmutzung.

Und Franz Hage aus Untermaiselstein meint: „Das geht so nicht weiter.“ Immer wieder verbauten Biber die Drainagen und Entwässerungsgräben und setzen somit die Retensionsräume an der Iller mehr oder weniger außer Funktion. Man brauche den Biber ja nicht aufs Neue auszurotten, sollte ihn aber „auf ein erträgliches Maß begrenzen“, fordert Hage. „Wenn er überhand nimmt, ist es zu spät!“

Eine Strategie, die Biber unter Kontrolle zu bringen, sieht Biber-Fachmann Schwab letztlich darin, den Gewässern allgemein mehr Raum zu geben. Sprich: ein rund 20 Meter breiter Uferstreifen bleibt reiner Naturraum ohne jede land- oder forstwirtschliche Nutzung. Ganz ähnliche „Wünsche“ brachte auch Armin Rieg vom Wasserwirtschaftsamt Kempten vor.

Der Informationsabend in Niedersonthofen zeigte: die Landwirte sind nicht gut zu sprechen auf den Biber. „Es kocht doch da und dort gewaltig“, zeigte sich auch Landrat Anton Klotz überrascht vom Echo, das sein Gesprächs- und Informationsangebot gefundfen hatte. Wie man den Biber beikommen kann, soll in weiteren Gesprächen ausgelotet werden. Die Jagd jedenfalls kann nicht als „Feuerwehr“ einspringen: der Biber ist als geschützte Art nicht jagdbar; jede „Entnahme“ muss im Einzelfall genehmigt werden. Landrat Klotz versichert: wenn es der Biber zu bunt treibe, werde auch mal ein Biber „entnommen“ – durch Fang oder Erlegung. „Darauf können Sie sich verlassen“, gab Klotz den mehr als 100 Landwirten zum Schluss der Informationsrunde mit auf den Weg.

Thomas Frey vom Bund Naturschutz regt an, „den Umgang mit dem Biber zu überdenken“ und sich auf ein Zusammenleben mit dem Nagetier einzurichten. Es gäbe Wege für eine „Koexistenz“. Der Biber sei zudem „ein Urallgäuer“.

Die betroffenen Landwirte sind jedenfalls aufgefordert, jeden Biberschaden umgehend zu melden. Der Landkreis will ein Bibermanagement aufbauen. Verbesserungbedarf sehen die Landwirte auch beim Modus der Entschädigung bei Biberschäden. Bislang werde aus einem Topf mit 450000 Euro pro Jahr alle aufgelaufenen Schäden abgegolten; geht der Topf zu Neige, gibt’s entsprechend weniger.

Josef Gutsmiedl

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