Lobenswerte Bürgerbeteiligung – das Tannachwäldchen ist gerettet!

Einen symbolischen „Unterschriftenscheck“ über 5618 Unterschriften übergaben Angehörige des Netzwerkes „Hände weg vom Tannachwäldle“ Bürgermeister Hubert Buhl (rechts) vor der Stadtratssitzung. Foto: Eva Veit

Nun kann wieder Ruhe einkehren in Sonthofen: Das Tannachwäldchen ist gerettet. Der Stadtrat hat sich in einer Sondersitzung vergangenen Donnerstag für die Variante 4 als Grundlage für das von der ISEK-Strategiekonferenz zu erarbeitende Strukturkonzept entschieden. Danach sollen in der Grüntenkaserne vor allem Grün- und Wohnanlagen entstehen, in der Jägerkaserne ist der Bereich Bildung, Kultur und Dienstleistung sowie ein Mischgebiet mit nicht-produzierendem Gewerbe angedacht. Das Tannachwäldchen bleibt bestehen, Gewerbe könnte entlang der B19 in Rieden angesiedelt werden.

„Ich hoffe, dass heute ein Beschluss gefasst wird, damit diese Phase abgeschlossen und in die Detailplanung gegangen werden kann“, betonte Bürgermeister Hubert Buhl zu Beginn der Stadtratssitzung. Zuvor hatte er die knapp 90 Zuhörer gebeten, die Sitzung nicht zu stören. Auch wies er darauf hin, dass „das Tannachwäldchen eigentlich nur eine Randerscheinung“ im Gesamtprozess des Konversionsprozesses sei, der die gesamte Stadt betreffe. Im Vorfeld der gut besuchten Stadtratsitzung hatten Angehörige des Netzwerkes „Hände weg vom Tannachwäldle“ dem Bürgermeister drei Ordner mit insgesamt 5618 Unterschriften überreicht. Die Unterschriften waren in der Stadt und per Online-Petition gesammelt worden, um Stadtrat und Bürgermeister zu signalisieren, dass ein Großteil der Bevölkerung Sonthofens den „Bürgerwald“ Tannach, die angrenzenden Heimgärten, Abenteuerspielplatz und Skate-Park erhalten möchte. Das vom Stadtrat zu beschließende Strukturkonzept sei eine „informelle Planung im Vorfeld der Detailplanungen“, erläuterte Städteplanerin Dr. Susanne Wolf. Auf Basis des Schwerpunktes „Wohnen und Bildung“, den der Stadtrat im November letzten Jahres beschlossen hatte, sei in den letzten Monaten ein Konzept für die grundsätzliche Struktur der Flächennutzung der Kasernenareale erstellt worden. Dieses Konzept müsse nun festgelegt werden als Grundlage für eine Kosten- und Finanzierungsübersicht, für eine Überprüfung der Machbarkeit. Vier Varianten mit Vor- und Nachteilen Die ISEK-Strategiekonferenz hatte in Zusammenarbeit mit Fachleuten und Behörden vier mögliche Varianten für ein Strukturkonzept erarbeitet. Die Varianten orientieren sich am Schwerpunkt „Wohnen und Bildung“, binden aber auch Gewerbe mit ein, da „ohne Gewerbe keine Stadtentwicklung“ stattfinden kann, so Buhl. Die Überlegungen der ISEK-Strategiekonferenz hatten zu großer Unruhe in der Bevölkerung Sonthofens geführt, da in Variante 2 das Tannachwäldchen als Gewerbegebiet ausgeschrieben werden sollte. Laut Landschaftsplaner Michael Voit wurde in dieser Variante aber lediglich geprüft, ob es Sinn mache, auf dem Areal der Grüntenkaserne ausgedehnte Grünflächen zu schaffen und im Gegenzug im Tannachwäldchen Gewerbe anzusiedeln. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile seien die Planer und alle Beteiligten zu dem Schluss gekommen, die Variante 2 zu verwerfen. In Variante 3 wurden laut Voit die „Konflikte bereinigt“, allerdings wäre durch die erhebliche Ansiedlung von Gewerbe in der Jägerkaserne die Zielsetzung einer Stärkung der Innenstadt nicht erfüllt. Von Seiten des Kulturbeirates wurde an dieser Variante unter anderem bemängelt, dass das große Hörsaal-Gebäude und das Offizierscasino in der Jägerkaserne nicht erhalten werden. Bürgerbeteiligung und Querdenker Aus den Kritikpunkten und Vorschlägen, die unter anderem in der 4. ISEK-Strategiekonferenz und im Bürgerforum an der Variante 3 laut wurden, entwickelten die Planer eine vierte Variante (siehe Artikel unten). In der Gesamtbetrachtung aller Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten wurde von den Fachplanern die Variante 4 sowohl hinsichtlich der Schwerpunktziele als auch der fachlichen Belange als am günstigsten beurteilt. Sie legten dem Stadtrat deshalb nahe, sich für diese Variante als Grundlage für die weitere Ausarbeitung des ISEK in der abschließenden Projektphase IV zu entscheiden. In der anschließenden Debatte zeichnete sich bei allen Fraktionen eine breite Zustimmung zu Variante 4 ab. Josef Zengerle (CSU) erklärte, dass sich bei der Franktionssitzung drei Tage zuvor noch keine genaue Meinungslage abgezeichnet hatte, durch den Vortrag der Planer habe sich nun gezeigt, dass alle Bedenken eingeflossen seien, weshalb ein Großteil der Fraktion zustimmen werde. Dr. Bernd Heimhuber betonte für die Fraktion der Freien Wähler, dass es richtig und wichtig war, alle Varianten genau zu prüfen und die Meinung von Fachleuten einzuholen. Da Variante 4 nach Meinung der Fachplaner die beste Variante sei, stimme auch die Mehrheit der Fraktion dieser Variante zu. Heimhuber erläuterte weiter, dass die Gewerbeflächenvorsorge ein sehr wichtiger Aspekt sei. Er begrüsste das Engagement der Bürger zum Thema Tannachwäldchen, denn „gute Entscheidungen brauchen Bürgerbeteiligung und Querdenker!“ Er fügte aller dings noch hinzu, dass, wären die Argumente für Variante 2 die besseren gewesen, hätten sich die Freien Wähler mehrheitlich für diese Variante ausgesprochen. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ingrid Fischer, betonte den hohen Stellenwert der Bürgerbeteiligung bezüglich der Tatsache, „dass nun Variante 4 und nicht Variante 2 zur Abstimmung steht.“ Die Fraktion stimme natürlich für die Variante 4. Die SPD habe die Variante 4 laut Fraktionsvorsitzendem Walter Hasemann „für gut empfunden“ und werde ihr deshalb auch zustimmen. Kritik an der Beschlussvorlage äußerte Christian Moritz (FW), da sie nur auf Variante 4 eingeengt sei. Peter Buhl (FW) sieht in dieser Variante „zu viele Nachteile“, da entgegen der Vorgaben doch wieder Insellagen entstünden. „Ich bin jetzt einer der Querdenker“, betonte Engelbert Bechteler (CSU), da seiner Meinung nach erheblich mehr Gewerbeflächen nötig seien als in Variante 4 angedacht. Variante 4 – Wald gerettet! Die Abstimmung zeigte denn auch ein klares Votum für die vorgelegte Variante 4: 23 Stadträte stimmten ihr zu, drei stimmten dagegen. Die Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und des Bürgerforums über den Erhalt des Tannachwäldchens waren mit dieser Abstimmung eigentlich hinfällig, da es in Variante 4 bestehen bleibt. Dennoch stimmte der Stadtrat beiden Anträgen zu. Zum Abschluss der Sitzung bedankte sich Bürgermeister Hubert Buhl bei der Bürgerschaft für ihr Engagement. „Der Prozess hat durch die Bürgerbeteiligung gewonnen“, freute er sich. Er rief die Anwesenden dazu auf, „wachsam zu bleiben“, und bei Problemen ins Rathaus zu kommen und mit den Verantwortlichen zu sprechen. „Wir sind schließlich dafür da, dass das Beste für die Stadt getan wird!“

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