Wer der Mächler und Tüftler

Immenstadts Alt-Bürgermeister Gerd Bischoff (vorne von links), der Landtagsabgeordnete Adi Sprinkart und der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, begleiteten Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, beim Rundgang im Bosch-Werk in Seifen. Fotos: Josef Gutsmiedl

Mit einem offiziellen Festakt und einem großen Mitarbeiterfest feierte das Bosch-Werk in Blaichach sein 50-jähriges Bestehen. „Innovation hat Tradition“ lautet das Jubiläumsmotto. Und offenbar schrieb die Verbindung von schwäbischen Tüftlern und Allgäu Mächlern tatsächlich eine Erfolgsgeschichte. Das Werk Blaichach ist das „Leitwerk“ im internationalen Fertigungsverbund für Fahrzeugsicherheitssysteme. Der Innovationsgeist der „Bosch’ler“ soll das Unternehmen und den Standort Blaichach auch in Zukunft vorne halten.

Ein wenig als „Nabel der Welt“ könne das Bosch-Werk in Blaichach gesehen werden, meinte Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, in seiner Festrede, und verwies auf die Weltkarte, die die internationalen Verbindungen des Leitwerks Blaichach zu den Fertigungsstandorten in aller Welt zeigt. „So gesehen ist das 50-jährige Jubiläum dieses Standorts mehr als ein lokales Ereignis.“ Und den klangvollen Namen, den Oberstdorf im Zusammenhang mit dem Skisport verbuchen könne, gelte in der Welt der Automobilindustrie für Blaichach, so Fehrenbach. Wenn in der Unternehmenszentrale in Stuttgart von Blaichach oder Immenstadt die Rede sei, dann „immer mit hohem Respekt und Anerkennung“, sagte Fehrenbach nach den Werkbesichtigungen im Blaichach und Immenstadt-Seifen. Den guten Ruf habe sich das Werk hart erarbeitet. „Wenn ich ‘Werk’ sage, meine ich damit die Mitarbeiterinnen und Mitbeiter.“ Und die seien mit überwältigender Mehrheit stolz darauf, für Bosch zu arbeiten, ergänzte Fehrenbach seine Betrachtungen. Das Werk Blaichach/Immenstadt ist mit mehr als 3000 Mitarbeitern der größte industrielle Arbeitgeber in der Region. Bosch hat in den vergangenen 50 Jahren insgesamt mehr als 775 Millionen Euro in Blaichach und Immenstadt investiert. Von den Investitionen in Anlagen und Gebäude kommt ein erheblicher Teil den mittelständischen Unternehmen der Region zugute. Die Verbindung, die die Schwaben und Allgäuer eingingen, als Bosch 1960 in das Werk der ehemaligen Spinnerei und Weberei in Blaichach kam, habe sich als fruchtbar erwiesen. Statt Baumwollfäden wurden fortan Kupferdrähte gewickelt und Bosch fertigte im neuen „Zünderwerk“ für die boomende Automobilbranche Zündspulen und Zündverteiler . Als es später darum ging, neue Komponenten der Automobilsicherheit zu entwickeln und zu produzieren war Bosch mit dem Werk Blaichach erneut an der Spitze. Dass der Allgäuer Standort bei der Ausschreibung letztlich das Rennen machte, beschreibt der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Professor Dr. Hermann Scholl, als „trickreich“. Die Blaichacher hätten einfach behauptet, die notwendige Fläche zu haben und man müsse nicht bauen. Bald schon platze das Bosch-Werk in Blaichach aus allen Nähten und bei der Suche nach neuen Produktionsflächen wurde Bosch im benachbarten Immenstadt mit offenen Armen empfangen und bei der Ansiedlung unterstützt. So entstand bei Immenstadt-Seifen eine maßgeschneiderte „Fabrik aus einem Guss“, wie es Dr. Scholl bezeichnet. „Für mich das schönste Werk von Bosch.“ Von der Schönheit kann man nicht abbeißen: Bosch setzt auf seine Tradition der Innovation und will sich nicht ausruhen. Dem strategischen Leitmotiv „Technik fürs Leben“ entsprechend will Bosch „Lösungen für mehr Lebensqualität und Lebenssicherheit“ bieten und sich ökologischen Herausforderungen stellen. Der Schwerpunkt Automobil-Sicherheitssysteme und -Elektronik werde weiterentwickelt. „Unser Allgäuer Werk bleibt ein Werk der Innovationen“, stellt Fehrenbach fest. Als anschauliches Beispiel für die Aktualität des Slogans „Innovation aus Tradition“ verweist Franz Fehrenbach auf die Nutzung der Wasserkraft im Werk Blaichach. Das „Erbe der Textilfabrik“ sei Bosch lieb und teuer, sagte Fehrenbach. So habe man das Kraftwerk am Schwarzenbach ständig saniert und erweitert. Jetzt steht die grundlegegende Modernisierung ins Haus, die noch heuer beginnen soll. Das neue Kraftwerk könnte den Strombedarf von rund 1600 Einfamilienhäusern decken.

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