Mit Werten durch die Krise

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Fischen - „Was wirklich zählt. Christliche Werte in unserer Gesellschaft“ lautete das Thema zu dem Professorin Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann beim diesjährigen Raiffeisen Forum in Fischen sprach. Und die Pastorin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover ließ keinen Zweifel daran: der christliche Glaube biete einen großartigen Gegenentwurf zu Geldgier, zu Orientierungslosigkeit und weltweiten Krisen. Aber man müsse die Werte im Kern des christlichen Glaubens auch leben – und nach außen tragen.

Mit dem Thema „Christliche Werte“ habe die Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu offenbar den Nerv der Menschen getroffen, meinte Vorstandsvorsitzender Heinrich Beerenwinkel. Immerhin war das Raiffeisen Forum mit über 700 Besuchern mehr als ausgebucht. Für die Raiffeisen- und Volksbanken jedenfalls, so Beerenwinkel, spielten die genossenschaftlichen Werte „eine wesentliche Rolle“. „Wir haben Sie nicht eingeladen, weil wir große Krisen befürchten, sondern weil uns christliche Werte wichtig sind“, kommentierte Beerenwinkel schließlich die Bemerkungen Margot Käßmanns, die die „neue Wertigkeit der Zehn Gebote“ aufgezeigt habe. Eine christliche Grundausrichtung sei nach wie vor wichtig für die Gesellschaft.

Neu erfinden muss man „die Werte“ offenbar nicht. Für die renommierte Pastorin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover sind die Inhalte der Bibel und die Zehn Gebote ganz brauchbare Regeln für das menschliche Zusammenleben. „Lebensregeln für eine gute Welt“, fasst Margot Käßmann die rund 3000 Jahre alten Grundsätze zusammen. „Die Gebote können auch heute Regeln sein für ein gutes Zusammenleben der Menschen.“

Im Kern stellten die Gebote die Spielregeln auf. Wie gehen wir mit den alten Menschen um? Welchen Stellenwert hat menschliches Leben? Eigentum? Wahrheit? Respekt vor anderen Meinungen und Glaubensrichtungen?

Grundregeln, die sich durchaus auch in einer globalisierten Welt und Weltwirtschaft anwenden lassen, wie Käßmann meint. Mit Martin Luther müsse man fragen: Woran hängt Dein Herz? „Am Konsum, am Besitz?“, fragt Käßmann. „Woran hängt das Herz unserer Gesellschaft? Was ist ihr wichtig? Wie geht’s dem Dax?“

Wirtschaft geprägt von christlichen Werten müsse sich am Zusammenleben aller Menschen ausrichten und andere Motive haben als eine Schnäppchenjagd um jeden Preis. Irgendjemand zahle den Preis für spottbillige Kleidung und Lebensmittel, gibt die langjährige Bischöfin zu bedenken. „Gerechtigkeit macht sich nicht nur am Geld fest.“ Wenn etwa der Stundenlohn eines Top-Managers höher sei als das Monatseinkommen einer Erzieherin im Kindergarten, stimme es nicht mehr. Käßmann plädiert für eine Ökonomie des Miteinanders, die nicht zuletzt jene Leistungen berücksichtige, die oft nicht direkt bezahlt würden: Pflege, Erziehung, Ehrenamt. „Jeder trägt etwas bei zur Gesellschaft.“ Unternehmerisches Handeln müsse dem Gemeinwesen dienen: Wirtschaften für das Leben, damit alle Menschen gut Leben können.

Das münde in eine Solidarität getragen von Verantwortung, Nächstenliebe und Selbstliebe – in eine „Ethik des Genug“ und in Dankbarkeit. Käßmann: „Der Slogan ‘Geiz ist geil’ sagt viel über den Zustand unseres Landes.“ Der Mensch in unserer Zeit brauche schließlich auch Kultur und Tradition, nicht nur Innovation, gibt Margot Käßmann zu bedenken. „Menschen können nicht nur kurzlebig sein....“ Zu diesem „Handgepäck“ an Kultur rechne sie nicht zuletzt die Geschichten um die Werte wie sie etwa in der Bibel erzählt werden. Die christlichen Werte hätten Europa schließlich maßgeblich und nachhaltig geprägt. Der „Christen-Club“ dürfe sich nicht in eine Ecke verkriechen, sondern sollte seine Überzeugung zeigen. „Jeder ist aufgerufen, diese Werte im Alltag umzusetzen. Dann gibt es Zuversicht, die Krisen der Welt zu bewältigen.“

Josef Gutsmiedl

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