Die Milch kocht über

Im Oberallgäuer Milchmarkt „kocht“ es: Auf mehreren Versammlungen informierte die Molkerei Zott aus dem schwäbischen Mertingen Milchlieferanten der „Bergbauern eG“ in Sonthofen über einen möglichen Ausstieg aus der Genossenschaft. Die Bergbauern-Genossenschaft ist Teil der Allgäuland-Käsereien. Die Bauern im Oberallgäu sind vor allem mit dem Milchpreis unzufrieden, der hier „am unteren Ende der Skala“ liege. Allgäuland stoppte inzwischen per Gerichtsbeschluss die Abwerbeversuche der Molkerei Zott und appelliert zu Geschlossenheit.

Auf dem falschen Weg sieht der Aufsichtsratsvorsitzender der Allgäuland-Käsereien die unzufriedenen Milchlieferanten. „Sie wissen nicht, was sie tun“, meint Heinz Lipp zu den Vorgängen in der vergangenen Woche. Die Molkerei Zott hatte Bergbauern-Lieferanten zu Informationsveranstaltungen eingeladen und in Fischen und Thalkirchdorf über ihre Konditionen berichtet. So wurde nicht nur ein deutlich besserer Milchpreis in Aussicht gestellt, sondern auch ein langfristige Bindung angeboten. Eine Versuchung offenbar, denn Allgäuland gilt derzeit als „angeschlagen“. Ein Sanierungsprogramm sieht unter anderem eine Verschlankung des Sortiments vor und die Trennung von unrentablen Unternehmensteilen. Heinz Lipp und Geschäftsführer Marcel Mohsmann sehen Allgäuland „auf einem guten Weg“. In wenigen Wochen soll eine gentechnikfreie Bergbauernmilch in die Regale kommen. Und der Auszahlungspreis für Milch soll in den kommenden Monaten besser werden. Die „äußerst schmerzhafte Lücke“, so Mohsmann, soll bis zum Sommer geschlossen werden. Allgäuland zahlt derzeit rund 25 Cent pro Liter. Dern Milchpreis sieht Bergbauern-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Zengerle als wesentliches Kriterium für die Milchlieferanten im Oberallgäu. Bei rund 200000 Liter Liefermenge pro Jahr kämen für einen Betrieb schnell einige Hundert Euro zusammen in der Rechnung, wenn der Unterschied drei Cent ausmache. Zengerle und Lipp appellieren an die Geschlossenheit der Milcherzeuger. Zengerle: „Zersplitterung wäre jetzt das Allerschlimmste.“ Und wenn es mit der Bergbauern eG wegen der Abwanderung „an die Wand gehe“, seien alle die Verlierer, betont Heinz Lipp. Lipp hatte vergangene Woche die Veranstaltungen der Molkerei Zott durch Gerichtsbeschluss stoppen lassen. „Es ist meine Aufgabe, Schaden vom Unternehmen und der Genossenschaft abzuwenden.“

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