Oberallgäuer Jagdgenossenschaften: Das Waldbild zählt

Leckerbissen Weißtanne

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Wo die Wildbestände zum Lebensraum passen, kommt die Naturverjüngung in die Gänge, so ein Fazit des aktuellen „Verbissgutachtens“.

Oberallgäu – Das aktuelle Forstliche Gutachten zur Entwicklung der Naturverjüngung und die möglichen Interpretationen standen im Mittelpunkt der jüngsten Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im BBV-Oberallgäu. Die Waldentwicklung ist auf einem guten Weg, so das Fazit.

Doch der Stellschraube Jagd komme beim weiteren Umbau zu einem stabilen, intakten Mischwald nach wie vor eine entscheidende Bedeutung zu. Die Qualitäten der Weißtanne werden von Waldbesitzern zunehmend geschätzt – allerdings schmecken junge Triebe dem Schalenwild offenbar besonders gut.

Diverse Waldbegänge, so berichtete der Sprecher der ArGe Jagdgenossenschaften Oberallgäu, Peter Fink, zeigten, dass es da und dort voran gehe mit dem Waldumbau und der Naturverjüngung. Die Waldbesitzer hätten es dabei weitgehend selbst in der Hand, was aus ihren Wäldern werde. Die Zahl der Eigenbewirtschaftungen nimmt Fink zufolge zu. Das allein sei zwar keine Erfolgsgarantie für weniger Wildschäden und weniger Verbiss, aber eine Chance allemal, Verbesserungen zu erzielen.

In Wildpoldsried, so lenkte Fink den Blick auf eine der ersten Jagdgenossenschaften in Eigenbewirtschaftung, sei man vor 20 Jahren vom Prinzip der Verpachtung abgerückt. Die Waldbesitzer als eigentliche Jagdausübungsberechtigte hätten so mehr Kontrolle und könnten schnell reagieren wenn es Anlass zur Unzufriedenheit gebe, etwa wenn die Jäger deutlich hinter dem vereinbarten Abschusssoll zurückblieben. Inzwischen gebe es eine ganze Reihe von Jagdgenossenschaften, die sich auf die Eigenbewirtschaftung besonnen hätten; die meisten seien mit diesem Weg zufrieden.

Der Klimawandel macht „Druck“. Dr. Ulrich Sauter, Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, zeigte auf, wie wichtig der Waldumbau sei, um die Fichte zu ergänzen, die mit dem Klimawandel eindeutig im Nachteil sei. Aussterben werde die Fichte wohl nicht in unseren Breiten, aber weniger beherrschend im Waldbild. Die Zeiten reiner Fichtenbestände seien passé, nicht zuletzt angesichts von Schädlingen wie dem Borkenkäfer oder vermehrten Stürmen.

Zum Wunderwerk Mischwald gehört Forstfachmann Sauter zufolge unbedingt die Weißtanne. Doch genau hier liege auch die Problematik: „Die jungen Tanne schmecken dem Schalenwild einfach zu gut.“ Die Folge ist eindeutig – der kleine Baum wird in seiner Entwicklung zurückgeworfen, kümmert dahin und schafft es nicht, mit konkurrierenden Waldbäumen mitzuhalten. Letztlich auch ein erheblicher Verlust beim Wertzuwachs für den Waldbesitzer. Der Zusammenhang sei offensichtlich, erläuterte Sauter. Der Lebensraum Wald vertrage keine zu hohen Wildbestände: Zuviel Wild – zuviel Wildverbiss. Seine Empfehlung lautet folglich: Reh, Hirsch und Gämse angemessen bejagen, um den Bestand an die Gegebenheit der Natur anzupassen.

Richtschnur für den Waldzustand, sprich: die Entwicklungschancen der Naturverjüngung, ist das so genannte Vegetationsgutachten, das seit 30 Jahren im dreijährigen Turnus von der Forstverwaltung erstellt wird. Für das jüngste „Forstliche Gutachten zur Situation der Naturverjüngung“ bringt Sauter das Ergebnis auf den Punkt: In vielen Waldgebieten ging die Verbissbelastung zurück. Das Gutachten ist eine wesentliche Grundlage für die Festsetzung des Abschusssolls in den einzelnen Revieren und Hegeringen.

Dass bloßes „Abschießen“, um das Soll zu erfüllen, wohl nicht unbedingt zum gewünschten Ziel führen müsse, erläuterte schließlich Forstmeister und Berufsjäger Hubert Burkart in seinem Vortrag „Zusammenhänge erkennen und Verantwortung tragen“. Ausschlaggebend sei, dass sich das Wild dem Wald anpasse, nicht der Wald dem Wildbestand, ist er sich mit Dr. Ulrich Sauter einig. Der Zahl des erlegten Schalenwildes an sich sei nicht unbedingt das entscheidende Kriterium. Vielmehr gelte es durch wildbiologisch fundierte Selektion das Geschlechterverhältnis in einem Bestand zu steuern, um nachhaltigen Erfolg zu verbuchen.

Josef Gutsmiedl

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